Dettelbach

35 Bäume sorgen für gehörig Zündstoff

Für gehörig Zündstoff und viele Fragezeichen haben im Stadtrat Dettelbach rund 35 Bäume und Teile eines Privatgrundstücks im geplanten Straßenverlauf gesorgt.
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Für gehörig Zündstoff und viele Fragezeichen haben im Stadtrat Dettelbach rund 35 Bäume und Teile eines Privatgrundstücks im geplanten Straßenverlauf gesorgt. Dadurch verzögerten sich nicht nur die Bauarbeiten für die Erweiterung des Industriegebiets Dettelbach-Ost, es entstanden auch Mehrkosten, die sich zusammen mit weiteren Maßnahmen auf 207 454 Euro summieren. In der teils hitzigen Debatte bei der Sitzung am Montag ging es vor allem um die Frage, ob ein Teil dieser Nachtrags-Kosten wirklich notwendig ist und wer die Verantwortung dafür zu tragen hat.

Doch zunächst zum Sachverhalt: Im Industriegebiet Dettelbach-Ost soll eine neue Straße entstehen. Bei den Vermessungen im Vorfeld wurde festgestellt, dass sich ein Teil eines Grundstücks, das für den Bau notwendig ist, aus unerfindlichen Gründen in Privatbesitz befindet. Als die mit dem Kanal- und Straßenbau beauftragte Firma im Juli 2018 anrückt, wird zudem klar, dass rund 35 hohe Bäume im Weg stehen, die vorher hätten gefällt werden müssen.

Nun drohte Ungemach, denn die Firma rechnete vor, dass Stillstandskosten von 6000 bis 7000 Euro am Tag im Raum stehen, dazu weitere Bauverzögerungen. Deshalb wurde in Einvernehmen mit der Stadt umgeplant und an anderer Stelle mit dem Kanal begonnen. Eine vom Landratsamt beauftragte Baubiologin führte daraufhin bei den Bäumen eine Artenschutzkartierung vor allem in Blick auf Fledermäuse durch. Erst etliche Wochen später konnten die Bäume gefällt werden. Auch mit dem Grundstückeigner wurde eine Vereinbarung erzielt und das notwendige Areal gekauft.

"Schrecklich" und "absurd" nannte Eva-Maria Deppisch die Vorstellung, dass eine Baufirma anrückt, um einen Kanal zu legen, aber es stehen noch Bäume im Weg. "Die dort schon länger stehen als wir leben", meinte Marcel Hannweber (CSU). Er warf der Verwaltung vor, die Vorleistungen seien "nicht sauber" gemacht worden. Überschlägig errechnete er eine Summe von 100 000 Euro, die man sich hätte ersparen können. Nachdrücklich stellte er auch die Frage nach den Verantwortlichen. Auch Siegfried Voltz (Ortssprecher Schernau) wollte wissen, "wer das verbockt hat".

Bürgermeisterin Christine Konrad gestand zu, dass "einige Punkte nicht optimal gelaufen sind", später sprach sie sogar unumwunden von "Versäumnissen" beim Grunderwerb und bei den Bäumen. Gleichwohl machte sie geltend, dass die vier Nachträge weniger als sieben bis zehn Prozent des Gesamtvolumens ausmachen. "Auch wenn die Summe hoch ist, das sind auf einer Baustelle völlig normale Prozesse", betonte sie. Weiter machte sie deutlich, dass abseits aller Schuldfragen die Stadt verpflichtet ist, die diesbezüglichen Nachträge zu bezahlen.

Mit jeweils sechs Gegenstimmen genehmigte der Stadtrat die beiden Nachträge in Höhe von rund 143 000 Euro für die Rodungsarbeiten und notwendigen Umdisponierungen auf der Baustelle. Ohne Gegenstimme votierte das Gremium für zwei weitere Nachträge in Höhe von knapp 64 000 Euro, die vor allem für eine neue Stützmauer gedacht sind, da die bestehende Wand nicht für den zu erwartenden Schwerlastverkehr ausgelegt ist.



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