KITZINGEN

31 000 Tonnen Asphalt und ein Ignorant

Die gute Nachricht zuerst: Im Landkreis Kitzingen gibt es bald eine Baustelle weniger. Die seit 15. April bestehende Sperrung der Kitzinger A-7-Anschlussstelle in Fahrtrichtung Ulm wird Mitte Juli beendet und die Fahrbahnsanierung abgeschlossen sein.
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Schicht für Schicht eine neue Fahrbahn: Auf drei Kilometern wird derzeit die A 7 rund um die Kitzinger Auffahrt in Richtung Fulda erneuert. Foto: Foto: Frank Weichhan

Die gute Nachricht zuerst: Im Landkreis Kitzingen gibt es bald eine Baustelle weniger. Die seit 15. April bestehende Sperrung der Kitzinger A-7-Anschlussstelle in Fahrtrichtung Ulm wird Mitte Juli beendet und die Fahrbahnsanierung abgeschlossen sein.

Aktuell herrscht Hochbetrieb auf der Baustelle, das gute Wetter will genutzt werden: Die Laster fahren in einer Art Dauerschleife die Baustelle zwischen dem Autobahnkreuz Biebelried und der Anschlussstelle Marktbreit an. Dort ist eine Sechs-Tage-Woche angesagt. Wie so oft bei Autobahnbaustellen wirkt alles überdimensioniert: Schwere Baufahrzeuge, die auch irgendwo auf dem Mond fahren könnten, ziehen ihre Kreise. Derweil rauscht – und das macht die Szene erst recht unwirklich – unmittelbar nebenan der Verkehr unbeeindruckt vorbei.

Um die 3500 Tonnen Asphalt werden derzeit Tag für Tag herangekarrt, die überwiegend aus den Mischanlagen in Dettelbach und Grafenrheinfeld stammen. Rechnet man die 3500 Tonnen um, entspricht das etwa 90 Lkw-Fuhren. Am Ende werden es über 31 000 Tonnen Asphalt sein, die einen Teil der in den 1970er Jahren gebauten Autobahn wieder fit machen.

Um genau zu sein: Die Fahrbahndecke in Richtung Ulm wird auf einer Länge von drei Kilometern erneuert. Dazu kommen noch einmal etwa 300 Meter Zu- und Abfahrt. Kostenpunkt: um die vier Millionen Euro.

Während der an das Dettelbacher Ingenieurbüro Glückert vergebenen Arbeiten ist nicht nur die Zufahrt zum Leidwesen vieler Berufspendler gesperrt. Auf der Autobahn selber quetscht sich alles: Richtung Ulm steht nur ein Fahrstreifen zur Verfügung, Richtung Fulda gibt es zwei Behelfsfahrstreifen.

Nerven bewahren

Die Umleitung erfolgt ab dem Autobahnkreuz Biebelried über die Bedarfsumleitungsstrecke U 70. An der gesperrten Ausfahrt Kitzingen weisen Schilder auf die nächste Anschlussstelle bei Marktbreit hin.

Einen guten Monat heißt es für die Autofahrer jetzt noch, Nerven bewahren und sich in Geduld üben. Danach ist die A 7 rund um die Anschlussstelle quasi neu, wie Wilhelm Bönhoff von der Autobahndirektion Nordbayern und Tobias Schramm von dem Ingenieurbüro betont. Vergangenes Jahr war nämlich bereits die Gegenrichtung erneuert worden. Drei generalsanierte Autobahnkilometer samt Auffahrt in Richtung Fulda schlugen damals ebenfalls mit gut vier Millionen Euro zu Buche.

Es wird ein besonderer Autobahnabschnitt rund um die Kitzinger Anschlussstelle sein: Die neue Fahrbahn – die ganz nebenbei auch einen Meter breiter wird – ist so etwas wie ein großer Feldversuch. Es geht darum, den Lärm einzudämmen. Möglich machen soll dies ein neuer Gussasphalt mit Poren an der Oberfläche, so genannter Flüsterasphalt.

Erste – gute – Erfahrungen wurden bereits beim Autobahnbau in Nordrhein-Westfalen gemacht, wo verschiedene Erprobungsstrecken den Beweis lieferten, dass es auf der Autobahn durchaus leiser zugehen kann. Das könnte künftig auch in Bayern der Fall sein – wenn die bei Kitzingen gewonnenen Daten ebenfalls positiv ausfallen sollten.

Dass manche das Ende der Arbeiten scheinbar nicht abwarten können, zeigte sich dieser Tage. Da wollte sich des Nachts ein Autofahrer partout nicht von den Absperrungen abhalten lassen.

Absperrung ignoriert

Alle Warnhinweise und Absperrungen ignorierend, versuchte der Fahrer den Durchbruch. Ob aus Ignoranz oder weil es das Navi so wollte, ist nicht überliefert. Gestoppt wurde der Versuch erst von geparkten Asphaltiermaschinen, also jenen Monster-Fahrzeugen, an denen es selbst für die allergrößten Sperrschild-Ignoranten kein Vorbeikommen gibt.

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