Eigentlich wollte sie Innenarchitektin werden. Und eigentlich war es nie ihr Ding, in der Öffentlichkeit zu stehen oder gar vor vielen Leuten reden zu müssen. Das konnte sie als junge Frau überhaupt nicht. Aber sie hat es gelernt. Und sie hat gelernt, sich in einen ganz anderen Beruf nicht nur hineinzufinden, sondern ihn von ganzem Herzen zu lieben.
Die Rede ist von Gertrud Schwab, Bäuerin, CSU-Stadträtin, Kreisrätin, Vorsitzende der Landfrauen in Stadt und Landkreis Kitzingen. Letzteres ist sie seit gestern nicht mehr. Sie hat das Amt der Kreisbäuerin an ihre langjährige Stellvertreterin Anette vom Berg-Erbar abgegeben, obwohl sie es 15 Jahre lang mit Herzblut ausgefüllt hat.
Gertrud Schwab kennen die meisten Landkreisbürger und doch wissen nicht viele, dass sie nie Landwirtin geworden wäre, hätte man ihr eine Wahl gelassen. "Meine älteste Schwester hatte eine landwirtschaftliche Ausbildung, hat aber weggeheiratet. Und mein Vater hat sich dann mich als Hofnachfolgerin ausgesucht." Was sich wie eine Bevorzugung vor den anderen Schwestern anhört, brachte die Zukunftspläne der damals 17-Jährigen gehörig durcheinander. "Ich habe mich gewehrt. Aber es war einfach noch so, dass der Vater das Sagen hatte."
So hat sie sich dem Willen der Eltern gefügt, verließ mit 17 das Gymnasium und stieg in den elterlichen Betrieb ein. Mit gerade mal 22 Jahren übernahm sie ihn ganz. "Es war nicht leicht für mich. Ich musste mich immer durchboxen - dabei habe ich aber viel für's Leben gelernt."
1975 heiratete sie Günter Schwab und trotz der vielen Arbeit mit Hof und Familie - der Betrieb vergrößerte und veränderte sich, Kinder wurden geboren - nahm sie bereits 1976 ihr erstes Ehrenamt an, das sie bis heute inne hat. "Ich wurde Ortsbäuerin, obwohl ich auch das zunächst nicht unbedingt wollte." Sie habe aber die Notwendigkeit gesehen, sich einzusetzen für die Landwirtschaft und für die Darstellung dieses Berufs in der Öffentlichkeit. Auch in diese Aufgabe wuchs sie hinein, während sie auf dem zweiten Bildungsweg eine Ausbildung in der ländlichen Hauswirtschaft abschloss und ihren Meister obendrauf setzte. "Mit 37 habe ich dann noch mein Fachabi gemacht. Das hätte ich nicht gebraucht, aber es war ein Jugendtraum, den ich mir unbedingt erfüllen wollte."

Viele interessante Themen


Zu dieser Zeit war Gertrud Schwab schon längst auch im BBV-Kreisvorstand aktiv (seit 1982). Am wichtigsten war ihr der Zusammenhalt innerhalb der Berufsgruppe und die Erwachsenenbildung. Sie richtete gemeinsam mit den Vorstandskolleginnen unzählige Vorträge, Workshops, Seminare und Ausflüge aus. Das Spektrum reichte von Themen wie Brandschutz, Finanzen und Energiesparen über Infos zu Depressionen und Tipps zur Sozialversicherung bis zu Erfahrungsberichten aus Krisengebieten und Motorsägenlehrgängen für Frauen. Neben all dem war sie eine Ansprechpartnerin für die Bäuerinnen - und nicht nur für die. Schwab schaffte es in ihrer Zeit als Kreisbäuerin, die Strukturen aufzubrechen, um Winzer- und Gärtnerinnen mit ins Boot zu holen.
Außerdem lag und liegt es ihr am Herzen, die Landwirtschaft auch an Nicht-Bauern heranzutragen. Sie ermöglichte Einblicke in Betriebe und weckte Verständnis für die Probleme der Bauern. Dafür organisierte sie die Sommerlehrfahrten, warb auf der Gartenschau, auf Messen und Heimattagen für heimische Produkte und versuchte immer wieder, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. "Den Leuten muss bewusst werden, wie wichtig die Regionalität und Saisonalität von Produkten ist."
Auch der Diskussion über Massenbetriebe stellte sie sich immer wieder. "Nur weil jemand 1500 Mastschweine hat, führt er noch keine Massentierhaltung." Mit Hilfe moderner Technik könne so manches Rind in einem Stall mit 200 seiner Artgenossen artgerechter gehalten werden, als zehn Tiere früher in den engen, stickigen Ställen.
Immer noch plädiert die 59-Jährige mit Leidenschaft für den Berufszweig, in den sie anfangs so hineingedrängt wurde. Den Betrieb - 87 Hektar Feld, 3,5 Hektar Weinberge und eine Biogasanlage - hat jedoch inzwischen einer ihrer Söhne übernommen. Das ist mit ein Grund, warum sie jetzt auch ihr Amt als Kreisbäuerin abgab. "Es ist besser, wenn das jemand macht, der zuhause noch in der Verantwortung steht." An Ehrenämtern dürfe man nicht kleben, vor allem, wenn so fähige Leute nachkämen wie Anette vom Berg-Erbar.

Gute Arbeit fortführen


Die 42-Jährige begleitete Schwab während ihrer kompletten Amtszeit als Stellvertreterin und hat damit schon einen guten Einblick in die Arbeit einer Kreisbäuerin. "Ich weiß, was auf mich zukommt und will versuchen, Frau Schwabs gute Arbeit fortzuführen." Vor allem will sie nach außen tragen, "dass die Strukturen, die wir zum Überleben brauchen, nicht mit industrieller Massentierhaltung gleichgesetzt werden dürfen". Vom Berg-Erbar wird viel Energie brauchen, um das Amt neben der fünfköpfigen Familie und dem Vollerwerbsbetrieb mit Ferkelzucht und Ackerbau zu bewältigen. Schwab wünscht ihr, dass sie sich treu bleibt und "durch den Vorstand und die hauptamtliche Stelle immer genauso viel Unterstützung erfährt, wie ich sie hatte". Man brauche viel Zivilcourage und müsse Kritik aushalten können in diesem Amt. "Aber es wird einem dafür auch Wertschätzung und Vertrauen entgegen gebracht."