Die Freude war Dagmar Voßkühler und ihrem Leitungs-Team des Fördervereins ehemalige Synagoge Kitzingen ins Gesicht geschrieben: Die Hoffnung, dass das gute Dutzend Stühle zwischen den Ausstellungswänden in der Alten Synagoge am Sonntag anlässlich des 30-jährigen Vereinsjubiläums sich füllt, wurde mehr als erfüllt. Immer wieder mussten neue Stühle in den Saal getragen werden. Und am Ende wurde aus einer eher intimen Feierstunde eine echte Würdigung der Arbeit des Vereins.

Dazu trug nicht zuletzt eine recht illustre Besucherschar bei: an der Spitze Josef Schuster, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Neben dem Oberbürgermeister Siegfried Müller und seinem Vorgänger, Alt-OB Bernd Moser war mit Rudolf Schardt ein weiterer ehemaliger OB gekommen. Unter seiner Ägide wurde, nach langer und kontroverser Diskussion, die Sanierung des Synagogengebäudes geplant und auch mit dem Bau begonnen. Am letzten Tag vor seinem Ruhestand, so erinnerte sich Schardt, wurde das Richtfest gefeiert. Unter den Gästen war auch Walter Reed, geboren in Mainstockheim als Werner Rindsberg und durch viel Glück dem Schicksal seines Vaters und seiner beiden Brüder entkommen, die wohl alle im KZ umkamen.

In seiner Festrede ging Peter Kneer auf die Geschichte des Vereins ein. Schon in den 1970er Jahren hatte der Bernbeck Kreis sich für die Sanierung der ehemaligen Kitzinger Synagoge eingesetzt. 1982 wurde dann der „Förderverein ehemalige Synagoge“ gegründet, der für den Erhalt des Gebäudes mit einer angemessenen Nutzung arbeitete. Kneer berichtete von Gesprächen mit Politikern, die damals ganz andere Prioritäten hatten und für das Thema erst sensibilisiert werden mussten.

Bewusstsein für die Geschichte schaffen, nicht nur bei den Mandatsträgern, auch in der Bevölkerung - das entwickelte sich schnell zu einer „anderen, einer politisch moralischen Dimension“, so der Festredner. „Es mussten Informationen gesammelt und zur Kenntnis gebracht werden, welche die Bedeutung und Geschichte der jüdischen Gemeinde in Kitzingen zum Inhalt hatten.“

Ausstellungen, Informationsveranstaltungen, Dokumentationen, Gespräche mit Zeitzeugen, der Aufbau einer Bibliothek und eines Archivs – die Arbeit des Vereins wurde umfangreich und bewirkte dann auch, „dass sich die Einstellung, das geistige Ambiente bei den politischen Entscheidungsträgern wie bei der Bevölkerung im Laufe der Zeit verbesserten“, so Kneer. Im Jahr 1989 sei im Stadtrat die Entscheidung zugunsten einer Sanierung der ehemaligen Synagoge gefallen, die von 1990 bis 1993 umgesetzt wurde.

Einer der Höhepunkte in der Vereinsgeschichte war die Feier zur „Wiedereröffnung“, zu der, nicht zuletzt nach „energischer Fürsprache“ des Vereins, auch etliche ehemalige Kitzinger jüdischen Glaubens geladen waren und an dem großen Ereignis teilnahmen.

Die Arbeit des Vereins war damit nicht beendet. Noch heute gilt es, aufzuklären, Dokumente zu sammeln und aufzubereiten, Ausstellungen zu organisieren, Bücher herauszugeben, Vorträge und Musikabende zu veranstalten – das Gedenken an jüdisches Leben in Kitzingen und seine Bedeutung wach zu halten – und ein wenig mit zu helfen, dass sich Geschichte nicht wiederholt.