Kitzingen

28-Jähriger spielte "wilde Sau"

Weil er „wilde Sau“ spielte, muss ein 28-Jähriger sieben Monate ohne Führerschein auskommen.
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Mitte August vergangenen Jahres. Ein 28-Jähriger ist mit seinem Auto am Abend in Schwarzach unterwegs. Im Ortsbereich geht es etwas eng zu. Dem jungen Mann kommt ein Fahrzeug aus Österreich entgegen, dessen Fahrer es eilig hat.

Der Österreicher quetscht sich noch eben an einem Hindernis vorbei, das sich auf seiner Fahrbahnseite befindet. Das Manöver geht zu Lasten des 28-Jährigen: Der sieht, wie ihn der Gegenverkehr schneidet, weicht nach rechts aus und rumpelt dabei mit dem Reifen gegen den Gehsteig. Das erzürnt den Mann so sehr, dass er nicht mehr an sich halten kann. Er wendet, verfolgt den Österreicher und überholt ihn. Danach bremst er bis zum Stillstand ab. Das wiederum will der Österreicher nicht mit sich machen lassen: Er findet gerade noch eine Lücke, kurvt um das Hindernis herum und setzt seine Fahrt unverdrossen fort.

Rasend vor Wut

Zu Ende ist die Geschichte damit noch nicht: Immer noch rasend vor Wut – zumal seine Aktion ins Leere gelaufen war – gibt nun auch der 28-Jährige wieder Gas und das Spiel fängt von vorne an: Wieder verfolgt er den Österreicher, setzt erneut zum Überholen an und bremst den Kontrahenten wie wenige Minuten zuvor aus und bis zum Stillstand ab.

Diesmal allerdings gibt es keine Lücke und damit kein Entkommen – das Auto steht jetzt quer. Erst nachdem der Österreicher in der Falle sitzt und der 28-Jährige sich drohend vor dessen Wagen – drohend mit einem Werkzeug in der Hand – aufbauen kann, beruhigt sich die Lage.

Lektion erteilt

Der 28-Jährige hatte seine Rache und ist scheinbar zufrieden, dass er dem gegnerischen Fahrer eine Lektion erteilen konnte.

Die Befriedigung hält nicht lange an: Bald schon schwant dem Wüterich, welche Folgen seine Aktion hat. Per Strafbefehl flattern die Konsequenzen ins Haus: Zu einer Geldstrafe über 750 Euro (50 Tagessätze zu je 15 Euro) gesellt sich ein zehnmonatiges Fahrverbot. Seit Mitte Februar dieses Jahres ist der Führerschein weg – und der 28-Jährige hat ein Problem. Als Ein-Mann-Betrieb ist er auf den Führerschein angewiesen.

Vor dem Kitzinger Strafrichter versucht der Angeklagte nun, schneller wieder an seinen Führerschein zu gelangen. Er bedauert sein „böses Fehlverhalten“ und weist darauf hin, dass ohne Führerschein seine Existenz gerade auf der Kippe stehe.

Unkontrolliertes Austicken

Auf sehr viel Verständnis stößt er dabei nicht: Der Angeklagte habe „wilde Sau“ gespielt. Man habe es mit einem Vorgehen zu tun, „das seinesgleichen sucht“. Und auch Strafrichter Peter Weiß kann über das unkontrollierte Austicken nur den Kopf schütteln: „Man versteht es wirklich nicht!“ Allerdings war der Angeklagte seinerzeit auch Opfer: Wie sich später herausstellte, sorgte das Rumpeln gegen den Gehsteig dafür, dass ein Reifen kaputt ging und eine Radkappe brach. Vielleicht lässt das Gericht deshalb etwas Milde walten: Statt der ursprünglichen zehn Monate muss der 28-Jährige jetzt sieben Monate ohne Führerschein auskommen.

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