MÖNCHSONDHEIM

28 000 Kilometer Abenteuer

Mit dem Reisemobil ins Reich der Mitte: Mönchsondheimer Paar seit Anfang April nach China unterwegs. Von einer Auftakt-Panne, niedrigen Brücken, sandigen Böden und einem mobilen Weinkeller.
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Tücken einer Reise: Unter Brücken ist für die Wohnmobile oft Millimeterarbeit gefragt. Die erste Panne (unten) gab es auch schon: Eine gebrochene Schraube an der Lichtmaschine.
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Unmittelbar vor der Abreise ist da dieses Geräusch. Ein seltsames Schnarren im Motorraum. Just vor dem Aufbruch nach Nordostpolen am 4. April scheint das Wohnmobil streiken zu wollen. Droht das 28 000 Kilometer-Abenteuer schon vor dem Start zu scheitern? Ein Abenteuer, das Kerstin Hüllmandel (35) und Albert Knaus (69), der Caravanbranche als ehemaliger Gesellschafter der Knaus-Wohnwagenwerke nicht gänzlich unbekannt, bis nach China führen soll (wir berichteten).

Das Reisemobil, ein MAN, 9,30 Meter lang und zwölf Tonnen schwer, streikt. Anruf bei MAN. Aus Würzburg kommen Monteure. Nach kurzem Hören und Sehen die Diagnose: Eine Maschinenschraube an der Lichtmaschine ist in sich gebrochen und dann nach vorne Richtung Ventilator gerutscht. Das hat das Schnarren verursacht. Der Rest ist Formsache, wenig später steht das Wohnmobil wieder da wie eine Eins. Es kann losgehen.

Zu niedrige Brücke

Die knapp 20-köpfige Reisegruppe trifft sich bald darauf – es ist Ende April – in Masuren. Dort wartet auch das Reiseleiterehepaar Sieglinde und Peter. Und das nächste Problem: In Thorn kann ein Campingplatz an der Weichsel nicht angefahren werden, weil eine Eisenbahnbrücke zu niedrig ist. Die Höhenbeschränkungen mit 3,20 Meter vereiteln dem 3,65 Meter hohen Wohnmobil die Zufahrt. Zu geringe Durchfahrthöhe – das Thema wird in den kommenden Wochen noch öfter auftauchen.

Auf dem Ausweich-Campingplatz wird der sandige Boden zum Problem: Einer der Wohnwagen bleibt stecken. Hilfe kommt in Form eines alten Traktors herbeigeeilt, der das Wohnmobil in Schlepptau nimmt.

Derweil wartet auf die Mönchsondheimer schon die nächste Brücke: Durchfahrthöhe 3,60 Meter. Fünf Zentimeter fehlen. Trotzdem wagen? Mit Augenmaß, vorsichtigem Vortasten und Winken passiert der Kaventsmann die Unterführung unbeschädigt. Ein Spektakel, das sich auf den nächsten Kilometern noch drei Mal wiederholt.

Die Grenze nach Litauen passiert die deutsche Reisegruppe nahezu unbemerkt. Das nächste Ziel: Kaunas an der Memel, die zweitgrößte Stadt Litauens. Danach heißt es Kilometer machen – 350 sind es bis Lettland. Erkenntnis dort: Die Ampeln werden nicht immer so ganz ernst genommen und es mangelt nicht an riesigen Baustellen. Der anvisierte Campingplatz liegt knapp 50 Kilometer vor der russischen Grenze. Ruhig, einsam gelegen, am See. Dummerweise ist das Tor entgegen der Absprache verschlossen, die Anlage scheint außer Betrieb.

Vier Mann, vier Ecken

Ein kurzes Telefonat mit den Betreibern. Als die keine Anstalten machen, mit einem Schlüssel anzurücken, macht sich die Gruppe ans Werk: Selbst ist der Mann. Das Tor wird aus den Angeln gehoben. Vier Mann, vier Ecken, Problem gelöst. Einmal noch in den Reisemobil-Weinkeller greifen, der gut gefüllt ist mit Riesling, Silvaner und Spätburgunder.

Ein Prost auf die nächste Etappe: Die Abenteurer begeben sich in die Hände von Präsident Putin, es geht in die Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) nach Russland.

Abenteuerlustiges Paar

Kerstin Hüllmandel und Albert Knaus wohnen – wenn sie nicht auf Reisen sind – im historischer Pfarrhof in Mönchsondheim (www.historischer-pfarrhof.de). Albert Knaus gehörten Teile der gleichnamigen Caravan-Fabrik. Er trennte sich vor 15 Jahren von seinen Gesellschaftsanteilen, um ein „zweites Leben“ zu beginnen. Das abenteuerlustige Paar ist begeistert vom Wanderreiten. Nach Venedig ging es ebenso schon wie nach Rügen, Wien und Santiago de Compostela. Das jüngste Projekt: Mit dem Wohnmobil nach China. Wir berichten in loser Folge von dem Abenteuer.

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