KITZINGEN

2700 Euro für ein dringendes Bedürfnis

Die Geschichte stinkt vielen. Das wurde zuletzt auch in den Podiumsveranstaltungen vor der OB-Wahl deutlich. Die fehlenden öffentlichen Toiletten im Kitzinger Bahnhof und die Bahn AG, die sich weigert, ihren Kunden ein WC zur Verfügung zu stellen, werden seit Jahren heftig kritisiert. Jetzt zeichnet sich eine Rund-um-die-Uhr-Lösung ab. Allerdings wird die Bahn ihr Problem nicht lösen, sondern die Stadt Kitzingen.
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Kitzingen muss ran: Im Kitzinger Bahnhof wird es bald wieder öffentliche Toiletten geben, die rund um die Uhr genutzt werden können. Dafür gibt die Stadt Kitzingen 2700 Euro aus und beseitigt ein altes und viel diskutiertes Problem. Foto: Foto: Frank Weichhan

Die Geschichte stinkt vielen. Das wurde zuletzt auch in den Podiumsveranstaltungen vor der OB-Wahl deutlich. Die fehlenden öffentlichen Toiletten im Kitzinger Bahnhof und die Bahn AG, die sich weigert, ihren Kunden ein WC zur Verfügung zu stellen, werden seit Jahren heftig kritisiert. Jetzt zeichnet sich eine Rund-um-die-Uhr-Lösung ab. Allerdings wird die Bahn ihr Problem nicht lösen, sondern die Stadt Kitzingen.

Die provisorische Lösung kostet die Stadt 2700 Euro. Die hat der Stadtrat am Donnerstag genehmigt. Danach wird die Verwaltung mit der Bahn (DB-Agentur) und dem Wirt der Bahnhofsgaststätte eine Regelung vereinbaren, die eine öffentliche Nutzung der vorhandenen Toilette im Bahnhofsgelände ermöglicht.

Im Gegenzug für die kostenfreie Überlassung durch die Deutsche Bahn trägt die Stadt die Kosten für die Instandsetzung, heißt es in dem Beschluss.

Der Vorteil: Die Nutzer des Bahnhofs werden künftig die sanierte und über eine Türschloss-Münzautomaten zugängliche Toilette rund um die Uhr nutzen können. Seit Jahren hatten sie nur die Möglichkeit, während der Öffnungszeiten der Bahnhofsgaststätte zwischen 14 und 22 Uhr die dortigen Toiletten gegen einen Gebühr von 50 Cent mitnutzen zu können.

Der Stadtrat hat die vom Beirat für Senioren und Menschen mit Behinderungen angeregte und vom zuständigen Referenten Wolfgang Popp (KIK) betriebene Lösung begrüßt. Den lobenden Satz von Popp „die Bahn war bei den Verhandlungen sehr kooperativ“ wollten einige aber so nicht stehen lassen.

Oberbürgermeister Siegfried Müller (UsW) dankte zwar Popp und dem Beirat für sein Engagement, wurde dann aber deutlich und sprach von „beschämenden Zuständen“. „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Bahn es sich nicht leisten kann, einen Bahnhof ohne Toilette zu betreiben“, sagte Müller. Dass die Bahn in der Pflicht sei und die Kommunen in die Bresche springen müssten, sei aber nicht nur in Kitzingen so.

„Jeder andere muss für Toiletten sorgen“, sagte auch Rosemarie Richter (UKB). Dass die Stadt das Problem der Bahn ausbaden muss, bezeichnete sie schlicht als „Frechheit“.

Trotz der massiven Kritik an der Bahn, am Ende überwog auch im Blick auf die mit der Bahn anreisenden Touristen die Erleichterung über die provisorische Lösung des dringenden Problems.

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