DETTELBACH

2500 Tonnen Stahl und ein großer Tag für Eva

Das war ein großer Tag für die kleine Eva Schöpf aus Brück. Unter den neidischen Blicken ihrer Klassenkameraden aus der 3a der Rudolf von Scherenberg-Grundschule und beobachtet von zahlreichen Ehrengästen und Kameras, drückte sie den Knopf für einen großen Rammbagger und gab den Startschuss für den weiteren Ausbau der Vorhäfen an der Schleuse bei Dettelbach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein großer Tag: Nicht vergessen wird die kleine Eva Schöpf aus Brück diesen Augenblick. Sie durfte den Startknopf der Ramme drücken, mit der das erste Teil der Spundwand für den neuen Vorhafen der Schleuse Dettelbach in die Erde gerammt wurde. Foto: Foto: RALF WEISKOPF

Das war ein großer Tag für die kleine Eva Schöpf aus Brück. Unter den neidischen Blicken ihrer Klassenkameraden aus der 3a der Rudolf von Scherenberg-Grundschule und beobachtet von zahlreichen Ehrengästen und Kameras, drückte sie den Knopf für einen großen Rammbagger und gab den Startschuss für den weiteren Ausbau der Vorhäfen an der Schleuse bei Dettelbach.

Der Ausbau läuft eigentlich schon seit 2007, sagte Mareike Bodsch vom Wasserstraßenneubauamt Aschaffenburg, der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes. Damals wurde als erste Baumaßnahme ein Mischwasserkanal der Stadt Dettelbach neu verlegt. „Seither haben wir allerlei Höhen und Tiefen bei der Auftragsvergabe durchgemacht“, sagte Bodsch. Das Bauvorhaben musste europaweit ausgeschrieben werden und das Ganze sei eine besondere Herausforderung gewesen, die auch die Juristen beschäftigt hatte.

Insgesamt rund 16 Millionen werden am Ende verbaut sein. In zweieinhalb Jahren sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, erklärte Johannes Schiller von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd vor zahlreichen Ehrengästen aus Schifffahrtsverwaltung, Politik und Mitarbeitern der Baufirmen. Kurz nach Ostern hatten die Bauarbeiter begonnen, die Uferböschungen abzugraben, um den Einfahrtsbereich der Schleuse zu begradigen und mit großen Bohrgeräten den Untergrund gelockert, damit in den kommenden Wochen und Monaten die Spundwände eingerammt werden können.

Jetzt fiel dazu der offizielle Startschuss und der wurde regelrecht inszeniert. Teil der Inszenierung war auch die kleine Eva, die mit ihren Mitschülern aus der 3a und unter der Leitung ihrer Lehrerin Kerstin Bieberstein ein paar Lieder übers Wasser und den Main vortrug. Zuvor hatte Johann Bunte von der gleichnamigen Baufirma aus Norddeutschland und Johannes Schiller von der WSD, unter anderem über die lange Geschichte des Mainausbaus, beginnend im 19. Jahrhundert berichtet. Als die Schleuse 1959 in Betrieb ging, seien noch flexible Schleppverbände unterwegs gewesen und die Biegungen vor den Schleusen kein Problem. Für die heute eingesetzten Schubverbände mit einer Länge von bis zu 190 Metern und 3500 Tonnen Gesamtgewicht sei die Einfahrt in die Schleusen schwierig.

Laut Schiller ist der Ausbau der Schleuse, verbunden mit der laufenden Vertiefung der Fahrrinne des Mains, nur ein kleiner Teil der Arbeiten, an der europäischen Wasserstraße, die mit einer Länge von 3500 Kilometern von der Nordsee bis ins Schwarze Meer reicht. Rund sieben Millionen Güter werden jährlich auf dem Main befördert und ein großes Schiff kann die Ladungen von rund 120 Lkw transportieren, berichtete der Fachmann. Jedes Schiff lege im Schnitt 1000 Kilometer zurück, um seine Fracht von A nach B zu bringen.

In den kommenden Wochen und Monaten werden sechs Meter lange stählerne Spundwände mit einem Gesamtgewicht von 2500 Tonnen in die Ufer gerammt und mit Ankern nach außen hin gesichert. Zusammengerechnet ergibt das auf einer Länge von rund 1300 Metern eine Fläche von 30 000 Quadratmetern Spundwand, rechnete Bauingenieur Johann Bunte vor. Ebenfalls neu gebaut werden die Zufahrtsstraßen und die Beleuchtung für die Schleusenanlage.

„Das hält für 80 Jahre“, sagte Mareike Bodsch von der WSV, bevor sie die Kinder fragte, wer beim Spatenstich helfen will. Rund 50 kleine Hände flogen in die Höhe, ausgewählt wurde Eva. Unter Beifall der Gäste und unterstützt von Mareike Bodsch und Ulrich Pelmer von der Firma Bunte durfte sie an einem Schaltpult den Knopf drücken und die erste Spundtafel schob sich unter den weithin hörbaren lauten Schlägen der Ramme, Zentimeter für Zentimeter in den Boden.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.