Mit Riester ist er per Du. Die Riesen Gottschalk, Kohl und Hennig Scherf werden sich hüten, ihn als den "kleinen Hofrat" zu bezeichnen. Walter Vierrether hat die Prominenz im Griff. In 25 Jahren Amtszeit ist er ein unvergleichliches Original geworden. Nach dem Motto "Lieber klein und zackig als groß und dappig" wirbt er mit seinem Hofstaat für seine Heimat Kitzingen. Hätte es auch anders kommen können?


Walter, was wärst Du geworden, wenn nicht Hofrat?
Walter Vierrether: Entweder TV-Moderator oder Schauspieler - ich würde von der Größe her super zu Dustin Hoffman und Robin Williams passen - und am liebsten Kommissar, weil ich der totale Tatort-Fan bin. Richtig gern hätte ich auch mal einen Kurs als Standesbeamter gemacht - das wär' meins gewesen! Aber das ging leider nicht, weil ich ja keine Verwaltungskarriere vorzuweisen hab'. In die Politik wäre ich nur gegangen, wenn´s mindestens der Ministerpräsidentenposten gewesen wär'. Aus zwei Städten ist aber - ohne Blödsinn! - mal die Anfrage gekommen, ob ich nicht als Bürgermeister antreten will. Aber ich sag' immer: Schuster, bleib bei Deinen Leisten!

Und was sind Deine Leisten?
Meine Familie, mein Hofstaat und mei' Kitzi! Es gibt zwar ein paar Orte, die mir auch noch gefallen, aber ich kann mir sehr schlecht vorstellen, woanders zu leben als hier.
Aber auf Deine Strumpfhosen und Kuhmaulschuhe könntest Du aber schon verzichten, oder?
Auch wenn sie nicht so aussehen: Meine Kuhmaulschuhe sind sehr bequem, es sind die Birkenstock des 16. Jahrhunderts, sage ich immer. Und an die Strumpfhosen hab' ich mich schon so gewöhnt - ich bin doch kein Schotte, der unterm Rock nichts trägt!

Außer Deiner Schlagfertigkeit und dem Kostüm - was zeichnet Dich Deiner Meinung nach aus?
Ich kann mich benehmen, habe aber kein Obrigkeitsdenken und keine Angst vor großen Tieren - das sind auch nur Menschen, die ich mit Charme, Witz und einem Schluck Frankenwein begeistern kann. Mehr Respekt als vor sorgenfreien Stars habe ich sowieso vor Leuten, die in Krankenhäusern, Altenheimen oder im Hospiz arbeiten oder die ihr Leben mit Krankheit meistern - das sind für mich die echten Heroes.

Was sind Deine Schwächen?
Ich bin unordentlich - auf gut Fränkisch eine Schlappsau - und kann nur sehr schlecht nein sagen. Außerdem bin ich harmoniebedürftig, mag Streitereien nicht. Über Ungerechtigkeiten kann ich mich aufregen! Da werd' ich grantig ohne Ende.

Um Dich herum sind stets junge Mädchen, Weinprinzessinnen und sonstige Hoheiten. Hat das Deine Frau Brigitte nie gestört?
Die Hoheiten sind für mich fast wie Kinder. Sie machen ein Ehrenamt, über das sie später sagen sollen: Schön war´s. Brigitte kennt mich gut und ältere Hoheiten erinnern sich daran, dass sie einst den Titel Secco-Queen verliehen bekam. Meine Secco-Queen erdet mich. Am Samstag, 18. August, bin ich 40 Jahre mit meiner Frau zusammen und 35 Jahre mit ihr verheiratet.

Hast Du in den 25 Jahren eigentlich irgendetwas Übles erlebt?
Nein, außer Kleinigkeiten war da nichts Blödes. Aber jede Menge Schönes...

Das Interview mit Walter Vierrether führte Redakteurin Diana Fuchs.

Die große Fete zum 25-jährigen Hofratsjubiläum steigt zwar erst am 27. Oktober. Aber für den 15. August, genau ein Vierteljahrhundert nach seinem ersten Auftritt als Kitzinger Symbolfigur, hat sich Walter Vierrether etwas Besonderes ausgedacht: Zusammen mit Hafenmeister und Kapitän Klaus Krüger lädt er zu halbstündigen Rundfahrten auf dem Main ein. Um 11 Uhr begrüßt er zusammen mit einigen Hoheiten die Gäste. Danach sticht das ehemalige Zollboot "Kitzinger Hofrat" an der Hotelschiffs-Anlegestelle in See. Für 2,50 Euro, die einem guten Zweck zugeführt werden, kann von 11 bis 16 Uhr jeder mitfahren.

Live-Musik Die Tourist-Info holt in Zusammenarbeit mit der "Piccolo-Bar" einen ehemaligen "Wild-Times-Musiker" mit seiner Band nach Kitzingen. Schlagzeuger Werner Voigt (Rattlefive, Shambrues, Midlife Crisis) wird mit seiner Münchner Band " Club 27 plus" ab 17 Uhr am Marktlatz spielen.