Kitzingen
Gericht

19-Jähriger muss wegen mehrerer Delikte ins Gefängnis

Um nicht zu spät zur Arbeit zu kommen, fuhr ein junger Mann ohne Führerschein mit dem Roller. Das könnte ihn mehr als nur den Job kosten.
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Er hat schon einiges auf dem Kerbholz: Fahren ohne Fahrerlaubnis, Beleidigung, Sachbeschädigung und mehrere Körperverletzungen. Dafür wurde er bis jetzt zu sozialen Hilfsdiensten, Arresten und zuletzt einer Bewährungsstrafe verurteilt. Jetzt könnte ihm ein vergleichsweise geringfügiges Vergehen das Genick brechen. Denn zwei Wochen, nachdem gegen ihn eine Bewährungsstrafe von acht Monaten verhängt wurde, fuhr er ohne Fahrerlaubnis auf dem Roller eines Bekannten zur Arbeit. Auf den Roller war keine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Das konnte der Angeklagte ganz leicht erkennen: Der Roller hatte kein Nummernschild.

Dem Angeklagten war das egal, denn er hatte verschlafen und musste möglichst schnell zur Arbeit. Normalerweise wäre er mit dem Fahrrad gefahren, er hatte aber keine Zeit mehr. So fuhr er mit dem Roller nur 300 Meter auf öffentlichen Straßen, ansonsten auf dem Privatgrundstück seines Großvaters. "Der Job ist mir sehr wichtig", begründete der Jugendliche vor Gericht diese Fahrt.

"Der Angeklagte ist nicht wegen der Fahrt von zuhause zur Arbeit angeklagt", erinnerte die Staatsanwältin. Nach der Arbeit fuhr der Angeklagte nämlich wieder mit dem Roller die gleiche Strecke nach Hause. Dabei wurde er von der Polizei erwischt. "Und für diese Fahrt gab es keine Notwendigkeit", meinte die Staatsanwältin.
Der Angeklagte sah seinen Fehler ein und gab die Tat auch zu. Damit wäre die Sache ziemlich schnell erledigt gewesen. Der Richter hätte ihn mit einer milden Strafe bedacht - wären da nicht die bisherigen Vergehen des Angeklagten gewesen. Sieben Mal ist er schon straffällig geworden. Wegen der letzten Straftat wurde er erst zwei Wochen vor der verhängnisvollen Rollerfahrt zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der Chef darf nichts davon wissen


Zu den Bewährungsauflagen gehörten auch regelmäßige Alkoholkontrollen und eine Drogentherapie. Die hat er immer noch nicht begonnen. "Wegen meiner Arbeit", rechtfertigte sich der Angeklagte. Er stehe kurz davor, fest angestellt zu werden, da könne er seinem Chef doch nichts von seinen Drogenproblemen erzählen. "Das mit dem Amphetamin habe ich mittlerweile im Griff", behauptete er.

Einmal pro Woche sei er zu einem Drogenberater gegangen. Seit neun Monaten habe er kein Amphetamin genommen. Mit dem Alkohol verhalte es sich ähnlich. "Und was ist mit dem THC?", fragte der Richter nach. Vor einem Monat, auf einer Geburtstagsparty, hat er das letzte Mal einen Joint geraucht, gibt der Angeklagte darauf hin zu. "Nur einmal habe ich an dem Joint gezogen. Mehr war da auch nicht", meint er.


Keine Einsicht verhindert milde Strafe



Schon jetzt sieht es schlecht für den Angeklagten aus - und er redet sich immer weiter in die Sache hinein:"Das mit dem Alkohol und dem Amphetamin verstehe ich ja noch. Aber was ist so schlimm, wenn ich einmal an dem Joint ziehe?" Richter und Staatsanwältin sind baff. Damit haben sich die Chancen des Angeklagten auf eine milde Strafe noch weiter verschlechtert. Das wird auch im Plädoyer der Staatsanwältin deutlich: Nur das Geständnis des Angeklagten und seine Aussicht auf eine feste Arbeitsstelle wirken sich günstig auf die Strafe aus.

Auf der anderen Seite stehen das lange Vorstrafenregister, die Bewährung, gegen die der Angeklagte gleich nach zwei Wochen wieder verstoßen hat, die Drogentherapie, die er nicht beginnen will, und seine letzte Äußerung zu seinem lockeren Umgang mit Cannabis. "Der Angeklagte nimmt die Bewährung nicht ernst", stellte der Richter fest. Deshalb werden Bewährung der vorigen Straftat aufgehoben und die Jugendstrafe in diese Verurteilung mit einbezogen. Der Angeklagte wird also mit einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung bestraft.
Damit ist das eingetroffen, was der 19-Jährige mit der Rollerfahrt verhindern wollte: Sein Arbeitsplatz ist nun alles andere als sicher.

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