Kitzingen

17-jähriger Dieb muss sechs Monate hinter Gitter

Aus dem Gericht: Fehlendes Rechtsbewusstsein und schädliche Neigungen bei einem 17-Jährigen lassen nicht nur das Gericht ratlos zurück.
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Weil er nicht aufhört zu klauen, muss ein 17-Jähriger jetzt für sechs Monate hinter Gitter. Foto: Oliver Berg (Archiv)

Er kann es nicht lassen. Nachdem der Praktikant die Handtaschen der beiden Mitarbeiterinnen in dem Aufenthaltsraum entdeckt hatte, nutzte er Ende Januar dieses Jahres einen günstigen Moment und plünderte die Geldbeutel. Einmal 200 und einmal 30 Euro fielen dem Dieb in die Hände. Das sei, erzählt der 17-Jährige dem Kitzinger Jugendrichter Wolfgang Hülle, "wie so ein Zwang" gewesen.

Diesen "Zwang" spürte der Jugendliche schon öfter. Weshalb er auch nicht zum ersten Mal vor dem Richter antreten muss. Das Prinzip war fast immer gleich: Während seiner Praktikumszeit nutzte der Schüler gerne sich bietende Gelegenheiten, um sich die Geldbeutel der Mitarbeiter unter den Nagel zu reißen. Schon mit 15 Jahren hatte der diebische Praktikant Bekanntschaft mit dem Gericht geschlossen:  Bei verschiedenen Praktika, die für die Schule absolviert werden mussten, griff der Junge in den Aufenthaltsräumen immer wieder in die Geldbeutel der Mitarbeiter. Hier mal 80 Euro, da mal 25 Euro. Insgesamt sechs Fälle wurden aktenkundig. Dazu kamen im Frühjahr 2017 weitere Taten: Aus Getränkemärkten wurde in zwei Fällen 13 Kisten Leergut entwendet.

Soziale Hilfsdienste – einfach abgebrochen

Die Strafe damals: 80 Stunden soziale Hilfsdienste. Abgeleistet wurden davon gut 50 Stunden - danach hat der Verurteilte die Mitarbeit eingestellt. Dazwischen der nächste Vorfall: Der Schüler beklaute sogar seine Klassenlehrerin. Es war nach dem Ende der Schulstunde im Kochraum, als die Lehrerin gerade aufräumte. Wieder war da dieser unbeobachtete Moment, wieder war da der Geldbeutel im Einkaufskorb. Die Lehrerin sah ihre Geldbörse nie wieder: Von den 130 Euro bekam sie gerade einmal 30 Euro zurück, die der Junge noch übrig hatte.

Mit Sozialstunden war es jetzt nicht mehr getan. Das Gericht verhängt einen vierwöchigen Jugendarrest, der im Mai 2018 verbüßt wird. Dies sei, so hieß es damals in der Begründung, die vielleicht schon letzte Chance, um die "vorhersehbare kriminelle Karriere" doch noch irgendwie zu stoppen.

Den Eltern entglitten

Nur: Das Stoppschild wurde auch diesmal übersehen. So wie schon seit Jahren: Der  Junge ist seinen Eltern früh entglitten. Frühmorgens geht er aus dem Haus, um irgendwann abends zurückzukehren. Beim Jugendamt läuft er unter dem Begriff "Streuner". Mit zwölf Jahren erfolgte deshalb auch eine Unterbringung in einer Pflegefamilie – ohne Erfolg. "Seit dem zwölften Lebensjahr erziehungsschwierig" heißt es in dem Vortrag der Jugendgerichtshilfe. Gleich drei Schulsozialarbeiter haben sich an ihm versucht – ohne zählbaren Erfolg. 

"Seit dem zwölften Lebensjahr erziehungsschwierig."
Urteil des Jugendamtes über den Angeklagten

Inzwischen hat der 17-Jährige seine Schulpflicht in der Mittelschule beendet und hofft auf eine Ausbildungsstelle – so richtig ins Zeug legt er sich dafür aber nicht. Lieber ist er wieder unterwegs, gibt den Einzelgänger, der kaum jemanden an sich heran lässt und Hilfsangebote scheinbar aus Prinzip ausschlägt. Das Urteil des Jugendamtes ist eindeutig: Bei dem Angeklagten liegen "schädliche Neigungen" vor. Die Prognose: ungünstig. Das Gefühl: allgemeine Ratlosigkeit.

Für das Gericht bleibt keine Wahl: Der 17-Jährige muss länger hinter Gitter, sechs Monate gibt es für die erneuten Diebstähle. Es gebe "ein Defizit an Rechtsbewusstsein". Die Einlassung des Angeklagten, dass er nicht anders könne und "wie im Zwang" klauen müsse, lässt das Gericht nicht gelten. Das Problem des 17-Jährigen sei schlichtweg, "dass er nicht die Finger von fremden Eigentum lassen kann". 

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