MAINSTOCKHEIM

13 Katzen verschwinden in Unterfranken: Besitzer haben schrecklichen Verdacht

13 Tiere verschwinden. Keiner weiß, wohin. Der Jagdpächter beteuert seine Unschuld
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Heinrich Weidinger am Ort des Geschehens: Direkt neben dem Zaun ist die Fuchsfalle errichtet worden. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
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13 Katzen sind verschwunden. Sagen deren Besitzer und hegen einen schrecklichen Verdacht. Der Jagdpächter versichert: Er hat damit überhaupt nichts zu tun. In Mainstockheim spielt sich gerade ein kleines Drama ab. Die Polizei ist eingeschaltet.

Ernst Schröder und Heinrich Weidinger haben jeweils ein Gartengrundstück am Ortsrand von Mainstockheim. Geflügel halten sie dort. Enten und Hühner. In der Nähe fließt ein kleiner Bach vorbei, es gibt Mäuse und Ratten. „Die Katzen haben sie fern gehalten“, sagt Schröder. Eine ganze Menge Katzen hat er auf seinem Grundstück gefüttert, immer wieder gab es neue Würfe. Zuletzt vier Junge. Die hat er ins Tierheim nach Kitzingen gebracht. „Die Mutter ist anscheinend tot“, sagt er. „Sie kam nicht mehr.“ Die meisten anderen Katzen auch nicht. Jetzt hat er nur noch zwei. Sein Nachbar Heinrich Weidinger vermisst ebenfalls seine Katze. Der Verdacht der beiden Rentner: Die Tiere sind in eine Falle getappt, in der eigentlich Füchse gefangen werden sollen. Und sind dort ums Leben gekommen.

Gemeindegrund

Alexander Näck hat die Falle vor etwa sechs Wochen aufgestellt. „Unter anderem auf Wunsch von Herrn Schröder und Herrn Weidinger“, sagt der Jagdpächter. Die wären auf ihn zugekommen, weil ihre Enten und Hühner immer wieder von Füchsen gerissen werden. Wobei das Wort „zugekommen“ nicht ganz treffend ist. „Sie haben drei tote Enten vor meine Haustür geworfen“, erzählt Näck. Die Falle hat er nicht unweit des Zaunes aufgebaut, der den Schrebergarten von Ernst Schröder von einer landwirtschaftlichen Fläche abgrenzt. „Gemeindegrund“, sagt Näck. „Mein Grundstück“, behauptet Schröder. Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs klärt auf: „Das ist Gemeindegrund, die beiden Geflügelzüchter haben auch ihr Gelände lediglich von der Gemeinde gepachtet.“ Der Bürgermeister spricht von einer Geschichte, die sich seit Jahren hinzieht. Die beiden Rentner würden sich immer wieder beschweren, weil die Jäger nichts gegen die Füchse unternehmen. Wegen den verschwundenen Katzen haben sich die beiden auch bei ihm gemeldet. „Ich habe sie ans Tierheim und die Polizei weiter verwiesen“, sagt Fuchs. „Das ist schließlich nicht unsere Kompetenz.“

Jungkatzen ins Tierheim

Angela Drabant bestätigt den Kontakt mit Schröder und Weidinger. Vier junge Katzen hat das Tierheim in Kitzingen auf deren Wunsch übernommen und mit der Flasche groß gezogen. Ernst Schröder ist kein Unbekannter für die Tierheim-Leiterin. „Vor etwa zehn Jahren waren wir schon mal vor Ort und haben einige Katzen übernommen und kastriert“, erinnert sie sich. Kürzlich habe sie einen weiteren Anruf aus Mainstockheim erhalten. In dem Wohngebiet nahe der Schrebergärten wird eine weitere Katze vermisst. Auffällig findet Drabant, dass eine der Katzen, die noch auf dem Grundstück von Ernst Schröder lebt, eine Verletzung am Kopf hat. Alexander Näck hat in seiner Falle schon etliche Füchse gefangen. Es waren auch schon Katzen und andere Kleintiere drinnen. „Aber die lassen wir natürlich frei“, sagt er. So stehe es schließlich im Jagdgesetz. „Außerdem interessieren mich die Katzen gar nicht.“ Egal, welches Tier in die Falle tappt: All zu lange muss es nach seinen Worten dort nicht ausharren. „Ich bekomme ein Signal auf mein Handy, wenn die Falle auslöst“, erklärt er. „Und dann schaue ich so schnell wie möglich nach.“

„Wenn er die Katzen wieder rauslässt, ist alles in Ordnung“, meint Heinrich Weidinger, der sich trotzdem nicht erklären kann, wo die vielen Katzen abgeblieben sind. Die beiden Rentner haben deshalb auch die Polizei in Kitzingen eingeschaltet. Deren Leiter, Markus Hack, erklärt gegenüber dieser Zeitung, dass der Fall in Bearbeitung sei. Einige Dinge müssten noch abgeklärt werden. Der zuständige Sachbearbeiter müsse sich mit dem Landratsamt und gegebenenfalls mit der Staatsanwaltschaft noch abstimmen. Von Seiten des Landratsamtes heißt es, dass Fallen für den Lebendfang so beschaffen sein müssten, dass eine Verletzung der gefangenen Tiere ausgeschlossen ist. Katzen und beispielsweise Igel müssten unverzüglich freigelassen werden, weil sie nicht dem Jagdrecht unterliegen.

Toter Igel in Drahtfalle

Wo die 13 Katzen von Mainstockheim abgeblieben sind, kann die Sachbearbeiterin naturgemäß auch nicht sagen. Ihre Vermutung: Vielleicht hat jemand Gift ausgelegt – oder ein Katzenfänger war unterwegs. Einen toten und einen verletzten Igel hat eine Spaziergängerin überdies nicht unweit des Geländes gefunden. Heinrich Weidinger hat ein Foto von den Tieren in einer Falle aus Draht gemacht. Jagdpächter Alexander Näck erklärt, dass ihm eine solche Falle, die eigentlich für Jungfüchse gedacht ist, abhanden gekommen sei. „Die muss mir irgendwo vom Auto gefallen sein.“

 

 

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