Vor 125 Jahren gründete der Oberpfälzer Johann Flierl die Neuendettelsauer Mission in Papua Neuguinea. Ihm folgten nicht nur Männer, sondern auch zahlreiche Frauen. Ihnen ist die einmalige Ausstellung in der Evangelischen Stadtkirche gewidmet unter dem Titel "Mi stori - Frauen in der Mission erzählen Geschichte". Sie porträtiert 13 Frauen von den Anfängen bis heute.
Jedes Jahrzehnt spiegelt sich dabei in jeweils einer Person wider. Dabei findet man keine drögen Biografien, sondern schillernde Lebensgeschichten voller Liebe, Tragödien und Glaubenszuversicht. Gegen Krankheit und Tod - oftmals der Kinder - bewältigten die Missionsfrauen ihr Leben mit einer unglaublichen Begeisterung und einer großen Portion Mut.
Fotos, Auszüge aus Briefen und persönliche Zeugnisse lassen ihr Leben für den Betrachter lebendig werden. Die Ausstellungstafeln schlagen den Bogen bis in die Gegenwart und zeigen, wie selbstverständlich Frauen in der Mission und Entwicklungszusammenarbeit heute tätig sind. Lebensbilder verschiedener Epochen schildern die Herausforderungen an die Frauen in der Pioniersituation der deutschen Kolonialepoche.
Louise Flierl, Justine Vetter und Emilie Decker hatten es in den Anfängen 1889 bis 1914 mit kriegerischen Stämmen, tropischen Krankheiten, mangelnder Infrastruktur und ständigem Geldmangel zu tun. Ein Brief nach Deutschland dauerte zwei bis drei Monate. Später kam Luise Bergmann, die nach dem Ersten Weltkrieg zusammen mit dem Pionier Missionar Bergmann viel unterwegs war in dem neu entdeckten dicht besiedelten Hochland.
Die 60er Jahre waren gekennzeichnet durch eine rasante Expansion auf den Gebieten von Bildung, Entwicklung und Infrastruktur. Schulen wurden gebaut, die Sprachen Englisch und Pidgin als Unterrichtssprachen eingeführt, Straßen gebaut und neue Gebiete eröffnet. Hedwig Hertle wuchs bei diesen großen Herausforderungen über sich selbst hinaus, als sie in Papua Neuguinea unter primitiven Verhältnissen das erste Krankenhaus baute und den Menschen Lesen und Schreiben beibrachte.
2002 ging Vanessa Lomb mit einem Diplom als Wasserbau-Ingenieurin in der Tasche nach Papua Neuguinea. Die junge Frau plante und überwachte die Arbeiten für Dorfprojekte wie Wasserkraftanlagen, Hängebrücken oder Landebahnen. Vier Jahre lang stand sie in einem Männerjob ihre Frau.
Heute hat die Kirche ihren Platz gefunden in der Familie der Kirchen der Welt. Partnerschaft ist seit Jahren das Stichwort und jeder bringt seine Gaben ein.
Bei der Ausstellungseröffnung mit dabei ist Nancy Philip, Frau von Pfarrer Nawi Philip aus Papua Neuguinea. Mit ihr kehrt sich die Missionsgeschichte um. Als Pfarrfrau wohnt sie jetzt mit ihrer Familie in Kitzingen, im "Land ihrer Träume", wie sie mit einem Lächeln gesteht.
"Als Pfarrfrau möchte ich meinen Glauben mit den Menschen teilen und davon erzählen", sagt sie. Denn Geben und Nehmen ist ein zentraler Begriff im Wertesystem der Kultur ihres Heimatlandes.
"Viele Missionarsfrauen kamen in den letzten 125 Jahren in unser Land und gaben uns wichtige und hilfreiche Impulse. Wir konnten Schulen besuchen, eine Ausbildung machen und unser Selbstbewusstsein stärken. Ich hoffe, ich kann von diesen Schätzen etwas zurückgeben". Nancy Philip wird, wenn sie jetzt am Wochenende mit ihrer Familie nach drei Jahren ihren ersten Heimaturlaub antritt, in Papua Neuguinea Nachbarn viel von ihrem Leben und Glauben in Deutschland zu berichten haben.