Kitzingen

12.600 Euro Strafe für Wurf mit dem Maßkrug

Aus dem Gericht: Weil er am Tresen aufgeweckt worden war, verschaffte ein Betrunkener seinem Ärger Luft, indem er einen Maßkrug warf und einen Unbeteiligten am Kopf traf.
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Weil er einen Maßkrug zum Wurfgeschoss werden ließ, musste sich ein 34-Jähriger vor der Kitzinger Strafrichterin verantworten – und bekam eine gehörige Geldstrafe. Foto: Johannes Ungemach (Archiv)

Weil ein Betrunkener völlig unvermittelt einen Bierkrug warf, endete die Saisonabschlussfeier eines Handballvereins im Landkreis vergangenen April ziemlich blutig. Der Krug landete am Kopf eines Unbeteiligten, der einen zwei Zentimeter großen Schnitt und mehrtägige Kopfschmerzen davontrug.

Die Feier der Handballer neigte sich fast schon dem Ende zu, als noch ein paar Besucher kamen: Handballer aus dem Nachbarort, die mit anstoßen und die Rivalität einfach mal außen vor lassen wollten. Alles lief so weit gut, bis es kurz vor 5 Uhr ans Aufräumen ging. Einer der späten Gäste, der schon betrunken gekommen war, hatte sich bei der Feier den Rest gegeben und war am Tresen eingenickt.

Als einer vom Aufräumdienst nach dem Betrunkenen schaute und ihn aufzuwecken versuchte, passierte es: Der 34-Jährige war über die Störung so verärgert, dass er einen umherstehenden Maßkrug nahm und ihn – eher blindlings – in Richtung der Störquelle warf. Dort stand jedoch zufällig ein 26-Jähriger. Der völlig Unbeteiligte bekam den Krug mittig an den Kopf und trug eine zwei Zentimeter lange Schnittwunde davon, außerdem litt er anschließend noch drei Tage an Kopfschmerzen.

Zerknirschter Angeklagter

Der Maßkrug-Werfer macht auf der Anklagebank einen zerknirschten Eindruck. Dass ihm alles furchtbar leid tut und auch peinlich ist, merkt man ihm an. Erinnern kann er sich an den Vorfall allerdings nicht – ein klassischer Fall von Filmriss. Trotzdem ist der Fall eindeutig: Selbst die eigenen Freunde, mit denen er zu der Feier gekommen war, bestätigen den Wurf. Weshalb man davon ausgehe, wie es der Verteidiger formuliert, dass die Vorwürfe "zutreffend sein könnten". Diese Einsicht hatte bereits vor einiger Zeit dafür gesorgt, dass der 34-Jährige seinem 26 Jahre alten Opfer 500 Euro Schmerzensgeld gezahlt hatte.

Nun geht es um die strafrechtliche Bewertung. Und da zeigt ein Blick in das Vorstrafenregister, dass der Angeklagte schon einmal mit einem ähnlichen Fall auffällig geworden war: 2014 hatte er auf einem Weinfest mit einem Glas-Wurf für eine Körperverletzung gesorgt. Aus diesem Grund kennt die Staatsanwaltschaft auch kein Pardon und fordert eine einjährige Haftstrafe, ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung.

Angeklagter trinkt keinen Alkohol mehr

Ganz so dicke kommt es dann aber doch nicht für den Handballer, der nach eigener Aussage seit dem letzten Vorfall zu gewissen Erkenntnissen gelangt ist und keinen Alkohol mehr getrunken hat. Es gibt – gerade noch – eine Geldstrafe, die mit 180 Tagessätzen entsprechend saftig ausfällt. Und weil der Mann ganz gut verdient, liegt die Tagessatzhöhe bei 70 Euro. Macht summa summarum stolze 12 600  Euro. Das dürfte eines der teuersten Erwachen gewesen sein, das es jemals an einem Tresen gegeben hat.

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