NEUSES AM BERG

1100-Marke ist bald erreicht

Schon bald hat der Landkreis die „1100-Marke“ überschritten – und zwar an zugewiesenen Flüchtlingen. Pro Woche werden 26 von den Mitarbeitern des Landratsamtes empfangen, registriert, untersucht und in Unterkünfte gebracht. Das berichtete Landrätin Tamara Bischof bei der Kreisversammlung des Freie Wähler (FW)-Kreisverbandes und der FW-Kreisvereinigung Kitzingen in Neuses am Berg. Thema der Versammlung war neben einer Wahl und Ehrungen hauptsächlich „Asyl“, beleuchtet von unterschiedlichen Seiten.
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Ehre, wem Ehre gebührt: Landrätin Tamara Bischof und ihr Stellvertreter und FW-Kreisvorsitzender Paul Streng (rechts) ehrten (von links) Karl-Heinz Wolbert, Roman Christ, Boy Wilhelm Voss und Wilhelm Pfeiffer für ihre ehrenvolle politische Tätigkeit. Auf dem Foto fehlt Adolf Steigerwald. Foto: Foto: Guido Chuleck

Schon bald hat der Landkreis die „1100-Marke“ überschritten – und zwar an zugewiesenen Flüchtlingen. Pro Woche werden 26 von den Mitarbeitern des Landratsamtes empfangen, registriert, untersucht und in Unterkünfte gebracht. Das berichtete Landrätin Tamara Bischof bei der Kreisversammlung des Freie Wähler (FW)-Kreisverbandes und der FW-Kreisvereinigung Kitzingen in Neuses am Berg. Thema der Versammlung war neben einer Wahl und Ehrungen hauptsächlich „Asyl“, beleuchtet von unterschiedlichen Seiten.

Unter der Moderation von FW-Geschäftsführerin Susanne Knof stellte die Landrätin ihre Sicht dar. Ein Ende der Flüchtlingswelle, sagte sie, sei nicht abzusehen, und die Flüchtlinge müssten auch untergebracht werden. „Daher appelliere ich an die Solidarität in den Gemeinden und Städte, sich um Unterkünfte zu bemühen, sonst werden wir bald zuweisen müssen“, sagte Bischof.

Appell an die Gemeinden

Ihre Verwaltung sei „hochbelastet“, auch mit Wochenenddiensten. Daher forderte sie, wie viele andere bayerische Landräte auch, eine Begrenzung der Flüchtlinge. „Wir können bei dem Tempo nicht standhalten, und wenn die Flüchtlinge als Asylbewerber anerkannt sind, müssen sie aus diesen Unterkünften raus auf den Wohnungsmarkt – und das ist jetzt schon ein Problem“, sagte Bischof weiter.

Auch die Integration sei ein „großes Problem für die ganze Gesellschaft, es fehlt den Flüchtlingen an der deutschen Sprache, an einer schulischen und beruflichen Ausbildung. Der Integrationsprozess dauert Jahre“. Und: bei aller Solidarität „sollten auch die vielen Deutschen nicht vergessen werden, die unsere Hilfe brauchen“.

Karl-Dieter Fuchs, Bürgermeister von Mainstockheim, sah immer noch die Schlagzeilen vor Augen, die seine Gemeinde wegen eines Polizeieinsatzes im Flüchtlingsheim gemacht hatte. War die lokale Presse noch „objektiv“ damit umgegangen, so war das bei den überörtlichen Medien „weniger gut“. Die Unterkunft, so Fuchs, „war ausgelegt für 20 Personen, es wurden 40, Albaner und Kosovaren teilweise in einem Zimmer. Da gab es „Konfliktpotenzial“. Mittlerweile „hat sich alles beruhigt, es gibt nur noch Kleinigkeiten, und auch unter den Deutschen haben wir nicht nur Engel“. Im Moment leben in Mainstockheim syrische Familien. Die Kinder besuchen die Grundschule. Ein Helferkreis, der sich um die Familien insgesamt kümmert, betreut sie auch schulisch.

Positives berichtete auch Ulrich Falk, Gemeinderat im 220-Seelen-Ort Enheim. Um die 28 Flüchtlinge in zwei Häusern kümmere sich ein Helferkreis. Viele Bedenken der Bürger, auch die Angst vor einem Wertverlust des eigenen Hauses, seien zerstreut worden, und die Männer würden im Bauhof mit Aufgaben betraut.

Ein Problem sei die Lage des Ortes am Rande des Landkreises. Die Flüchtlinge kämen aus Großstädten und würden verwundert nach der Straßenbahn in Enheim fragen. „Außerdem vermissen sie die Einkaufsmöglichkeiten“, so Falk, „dafür und für Fahrten zum Arzt dürfen sie den Bürgerbus, den wir gemeinsam mit Seinsheim betreiben, benutzen“. Spannend würde es werden, sobald die Anerkennung als Asylbewerber da sei, dann müssten auch sie die Häuser verlassen, „und die meisten wollen in eine ,Big City‘.

Die Integration, so Knof, sei eine „Herkulesaufgabe“. Daher war sie der Landrätin dankbar, dass sie für die vielen Ehrenamtler in der nächsten Zeit einen Empfang in Iphofen plane.

Neben dem Thema „Asyl“ hatten die Mitglieder des Kreisverbandes auch eine Wahl nachzuholen. Die Delegierten für Bezirks-, Landes- und Bundesversammlungen waren bei der vorigen Wahl per Akklamation gewählt worden. Doch die Satzung schreibt auch für diese Wahl eine „geheime Wahl“ vor, die nun nachgeholt wurde. Somit wurden geheim all die Delegierten gewählt, die ohnehin schon in Amt und Würden waren und es nun auch offiziell sind. Delegierte sind Richard Baumann, Sabrina Bischof, Karin Bradenstein, Ulrich Falk, Karl-Dieter Fuchs und Susanne Knof, Ersatzdelegierte: Harald Erhard und Maria Sauer.

Und es wurden auch Mitglieder der Freien Wähler geehrt. Die Ehrennadel in Gold gab es für Roman Christ, Wilhelm Pfeiffer, Adolf Steigerwald und Karl-Heinz Wolbert. Die Ehrenurkunde des Kreisverbandes erhielt Boy Wilhelm Voss.

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