Wiesentheid

1100-Jahr-Feier Wiesentheid: Vorbereitung für den großen Tag

Der große Festzug aus Anlass der 1100-Jahr-Feier Wiesentheids beschäftigt Erwin Jäger derzeit Tag und Nacht. Er organisiert und er legt mit Hand an beim Bau der Wagen.
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Erwin Jäger (rechts) organisiert den Wiesentheider Festzug und hilft beim Bauen der Festzugsmotive den Gemeindearbeitern, hier Florian Heseding und Günter Wehr.
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Der große Festzug aus Anlass der 1100-Jahr-Feier Wiesentheids am Sonntag, 23. September, beschäftigt Erwin Jäger derzeit beinahe Tag und Nacht. Er organisiert, er legt mit Hand an beim Bau der Wagen. Er ist da, wenn die Kleidermaße der Teilnehmer genommen werden, die beim Zug allesamt in historischen Gewändern stecken sollen. Ausgestattet werden auch die Kinder, die die auf Bollerwagen montierten Schilder zur Ankündigung der voraussichtlich 57 teilnehmenden Gruppen tragen.

Zum Glück ist Jäger bereits in Rente, denn sonst wäre es wohl schwierig, so viel Zeit und Muße für die Vorbereitungen aufzubringen. Am Planen ist der Gemeinderat seit zwei Jahren, Anfang 2017 begann er so richtig mit der Organisation und schrieb verschiedene Gruppen an. Es soll ja auch etwas richtig Gutes und Großes werden. „So einen Festzug wird man nicht so leicht woanders sehen, das wird schon außergewöhnlich“, sagt er im Vorfeld.

Von seiner Arbeit und den Stunden, die er unentgeltlich für das Ganze aufwendet, mag er nicht reden. Bereits siebenmal hat er die geplante Reihenfolge des Zuges umgeschrieben, immer wieder ergeben sich kleine Änderungen.

Derzeit ist Erwin Jäger mindestens jeden zweiten Tag im Bauhof der Gemeinde, wo er mit den eigens vom Markt abgestellten Arbeitern Günter Wehr und Florian Heseding die Motivwagen baut. Um dafür Platz zu haben, wurde die Fahrzeughalle des Bauhofs extra ausgeräumt. Gerade wird an der ersten Kirche Wiesentheids gewerkelt, die um 1364 entstanden ist, als der Ort zur eigenen Pfarrei wurde. Wehr und Heseding befestigen das Stroh auf dem Dach, Ziegel gab es damals kaum.

Daneben steht die Mariensäule als Modell aus Styropor. Ibrahim Alhaj-Khalil, ein syrischer Künstler, der in Wiesentheid lebt, hat sie, wie auch weitere Stücke, modelliert. Dazu unterstützt Klaus Schneider, Wiesentheider Hobbykünstler, die zum Teil recht aufwändigen Aufbauten.

Der Festzug soll prägnante Ereignisse aus der Geschichte Wiesentheids in Auszügen mit Figuren, Bildern und Tafeln zeigen. Mittlerweile sind die Schilder zum großen Teil beschriftet, die an den Wagen angebracht werden.

Hinzu kommen noch Wagen und Gruppen aus umliegenden Orten, aus der französischen Partnergemeinde Rouillac sowie aus dem befreundeten Hagenbach in der Pfalz, die einst zu Kriegszeiten nach Wiesentheid evakuiert wurden.

Mit dabei sind neben den örtlichen Vereinen historische Gruppen aus Ronneburg sowie aus Thüringen, die Jäger engagiert hat. Außerdem sind elf Musikkapellen im Festzug eingeplant, so dass der Veranstalter insgesamt mit rund 900 Teilnehmern rechnet. Die Kleider der Mitwirkenden stammen zum Großteil aus einem historischen Kostümverleih aus Gera, eine Schneiderin ändert sie jeweils ab für die Teilnehmer.

Einen Aufruf zum Mitmachen machte Jäger über die örtlichen Vereine und über das Amtsblatt, was auch fruchtete. Etwa acht bis zehn Kinder, im Alter von sechs bis zwölf Jahren, könnte er allerdings noch dringend zum Mitmachen brauchen.

Gut geklappt hat der Aufruf nach Bollerwagen. Rund 30 Stück wurden der Gemeinde von privat ausgeliehen. Auch sie wurden im Bauhof hergerichtet, repariert, geölt und gestrichen. Die kleinen wie die großen Wagen, werden eigens geschmückt, „es soll ja alles ein Gesicht haben“, meint Erwin Jäger. Er organisierte vor einigen Jahren bereits einen Festzug, damals mit Karl Ruppert zusammen, der bei den Zuschauern großen Eindruck hinterließ.

Bei Wiesentheids Bürgermeister Werner Knaier im Kulturausschuss des Gemeinderats hatte Jäger bereits frühzeitig den Umzug angeregt, und seine Hilfe bei der Planung angeboten. Darüber ist der Bürgermeister froh, für die Verwaltung wäre der Zeitaufwand kaum zu stemmen. Korrespondenz, Nachfragen, Änderungen, Absprachen mit den Behörden, all das erfordert Zeit und Geduld.

„Im Moment mache ich fast nichts anderes“, gibt Jäger zu. Dieser Tage muss noch ein alter Badezuber im Nachbarort abgeholt werden, der zum Zug gebraucht wird, erinnert er die Gemeindearbeiter.

Zum Aufstellen des Festzuges wird eine Strecke von etwa 1,5 Kilometer benötigt. In der Siedlung Richtung Prichsenstadt ist Platz dazu, allerdings gilt es beim Festzug selbst wieder auf die Strecken zu achten, der Ortskern ist ja wegen des gleichzeitigen Kirchweihmarktes gesperrt. Außerdem muss die Gemeinde entsprechende Parkplätze, für die Zugteilnehmer, wie auch für Besucher, bereit stellen, rund 2500 werden benötigt.

Wo Platz ist, darüber hat natürlich auch Erwin Jäger nachgedacht. „Wir haben alles soweit im Griff“, schaut er voraus.



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