Sanft klingen die Töne von Peter Maffays „Ich wollte nie erwachsen sein“ durch die Sängerstube im Großlangheimer Kulturhaus. Stimmgruppe für Stimmgruppe wird von Dirigent Winfried Worschech angeleitet. Hier etwas kräftiger, da ein wenig zurück nehmen und einen Halbton tiefer – jetzt passt es. Lydia Drews am Klavier gibt den ersten Ton vor, ein vielstimmiges „Mmmmmm“ füllt den Saal und die einzelnen Stimmen fügen sich zu einem großen Ganzen zusammen.

Ein paar Tage vor dem großen Jubiläum am kommenden Wochenende herrscht konzentrierte Betriebsamkeit beim Männergesangverein „Sängerlust“ in Großlangheim. Während oben geprobt wird, sortieren zwei der Sangesbrüder unten die Täfelchen für den großen Festzug, mehr als 30 Vereine werden erwartet. Die Festschrift ist fertig, das Programm steht und schönes Wetter ist auch angekündigt. Dann kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen.

„Alle stehen dahinter und gehen gerne in die Singstunde am Freitag, auch wenn es manchmal anstrengend ist.“

Winfried Worschech Chorleiter

Der Vorsitzende Ralf Weigand freut sich sichtlich auf das große Fest und ist stolz auf seinen Verein. „Wir haben 450 Mitglieder, davon 50 aktive Sänger und 43 Kinder im Kinderchor“, berichtet er. Warum er so gerne Teil davon ist, hat er schnell auf den Punkt gebracht: „Die Geselligkeit, das Zusammensein und -singen, unser wirklich vielseitiges Liedgut und großes Repertoire und weil es einfach Spaß macht.“

Ähnlich euphorisch ist auch Chorleiter Winfried Worschech: „Alle stehen dahinter und gehen gerne in die Singstunde am Freitag abend. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, macht es den Männern großen Spaß.“ Seit fast 30 Jahren leitet er den Chor und tritt damit in die Fußstapfen von sieben Vorgängern. „Wie macht ihr Langemer des?“ wird er häufig nach der Ursache für den Erfolg des Chores gefragt. So schreibt er es in der Festschrift zum 100. Geburtstag, der am Wochenende stattfindet.

Neben der guten Gemeinschaft nennt er als Grund auch das interessante Liedgut. Von ABBA bis Volkslied, von Oper bis Kirchenlied – das Programm ist wirklich vielseitig. Und so ist der Dirigent auch überzeugt, dass der Chor nicht das Schicksal vieler anderer teilen muss und noch lange fortbesteht. „Ich bin überzeugt, dass immer jemand nachkommt“, meint er und ein Blick in die Runde gibt ihm Recht, die Altersstruktur ist weit gefächert.

Für das Jubiläum ist ein volles Programm geplant: Nach dem Zapfenstreich am Samstagabend, 30. Juli, führt ein kurzer Festzug die Gäste des Festkommers auf die Schlossruine. An den offiziellen Teil schließt sich Tanzvergnügen mit der Gruppe „Jet Set“ an. Am Sonntag, 1. Juli, gibt es dann einen traditionellen Weckruf in aller Frühe, nach dem feierlichen Festgottesdienst findet natürlich ein großes Fest statt.

Eine Besonderheit wird der große Umzug am Nachmittag: Ganz im Sinne eines Gesangvereins wird es nämlich ein singender Festzug werden. Immerhin sei das ein Sängerfest, kommentiert Winfried Worschech diese Idee, die schon einmal bei einem Jubiläum erfolgreich war. Die teilnehmenden Chöre werden den Zug mit ihrem Gesang begleiten.

Wie wichtig die Tradition für den Verein ist, lässt sich nicht nur am Festprogramm ablesen. Ein Blick auf die Vereinsgeschichte zeigt, dass schon seine Gründung auf einer Tradition beruht: Schon etwa 200 Jahre, so die Chronik, habe es einen Kirchenchor und eine Musikkapelle in Großlangeim gegeben. Der Chor, damals noch gemischt, löste sich 1907 auf. Fünf Jahre später tat sich eine Gruppe von 50 Männern zu einem Männerchor zusammen, der vom Dorflehrer geleitet wurde. 1914, zwei Jahre später, nahm der neue Chor zum ersten Mal an einem Sängerfest teil und erntete großes Lob.

Im Jahr 1926 schloss sich der Verein dem deutschen Sängerbund an. In den Jahren der Naziherrschaft und des Zweiten Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit, um danach umso mehr wieder aufzustehen. In der Neuzeit sind die großen Ecksteine der Einzug in die „Sängerstube“ im Kulturhaus der Gemeinde im Jahr 2001 und die Gründung eines Kinderchores im Jahr 1999.

Beides trug dazu bei, dass der Chor zu den rührigsten Vereinen im Ort gehört und fest verankert ist im Dorfgeschehen. Bei kirchlichen Anlässen, Feierlichkeiten und Märkten gehören Auftritte der großen und kleinen Sänger zum gesetzten Programm. Davon können sich die Besucher des großen Festes am kommenden Sonntag sicher überzeugen.