Mödlareuth
TV-Drama

ZDF-Drama "Tannbach": Auch in Fortsetzung kein Fränkisch - fehlt die Lobby für den Dialekt

Das ZDF beschäftigt sich in "Tannbach II" nochmals mit dem deutsch-deutschen Schicksal des Dorfes Mödlareuth - leider wieder ohne fränkischen Dialekt.
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astor Wolfgang Herder (Clemens Schick) hält die verzweifelte Anna Erler (Henriette Confurius) zurück, die um das Leben ihres Mannes fürchtet - Szene aus dem Dreiteiler "Tannbach - Schicksal eines Dorfes"  Drei Jahre sind für die Zuschauer vergangen, acht für die Bewohner in Tannbach: Das ZDF setzt seinen historischen Dreiteiler mit erneut drei Folgen fort. Foto: Julie Vrabelova/ZDF/dpa
astor Wolfgang Herder (Clemens Schick) hält die verzweifelte Anna Erler (Henriette Confurius) zurück, die um das Leben ihres Mannes fürchtet - Szene aus dem Dreiteiler "Tannbach - Schicksal eines Dorfes" Drei Jahre sind für die Zuschauer vergangen, acht für die Bewohner in Tannbach: Das ZDF setzt seinen historischen Dreiteiler mit erneut drei Folgen fort. Foto: Julie Vrabelova/ZDF/dpa
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Sie haben es wieder getan. Die Macher des TV-Dramas "Tannbach" haben drei Fortsetzungsfolgen über das denkwürdige Schicksal des ehemals geteilten Dorfes Mödlareuth gedreht. Aber wieder haben sie den Ort nach Oberbayern verpflanzt. Und wieder sprechen die Figuren Bayerisch statt Fränkisch.

Im Januar 2015 hatte das für ordentlich Ärger und Häme bei den fränkischen Zuschauern gesorgt.

Denn das Vorbild für den Filmort ist eindeutig das oberfränkisch-thüringische Mödlareuth. Wieder sind Franz Schober (Alexander Held) und Georg von Striesow (Heiner Lauterbach) die beiden Zentralgestirne im Tannbacher Kosmos: der eine ein Familientyrann, der andere ein von Selbstzweifeln kränkelnder Adeliger.

Durch die Gemeinde im Kreis Hof fließt ein Bach, der in der Nachkriegszeit den Ort und Deutschland trennte. Wie in Berlin wurden auch hier Familien und Freunde auseinandergerissen. Und es wurde damals wie heute Oberfränkisch gesprochen.

Nicht aber in der Fernsehreihe, die am Freitag, 5. Januar auf 3sat nochmals wiederholt wurde. Der Sender zeigte alle drei Teile.

Ab Montag, 8. Januar strahlt das ZDF die drei neuen Folgen "Tannbach II" aus. Jeweils Montag, Mittwoch und Donnerstag um 20.15 Uhr.

Laut ZDF sprechen die Film-Dorfbewohner einen "Dialekt, der natürlich dem Bayerischen, das einem breiten Publikum am besten verständlich ist, am nächsten kommt".

Trotz der damaligen Proteste hält das ZDF am Bayerisch fest. In einer eigens vor dem Hintergrund des Dialektstreits erarbeiteten Sprachregelung heißt es: Auch in "Tannbach II" werde "in Teilen des Dorfes ein südländischer, auch vom Bayerischen inspirierter, Dialekt gesprochen".

Das ZDF begründet das damit, dass es in Deutschland sehr viele unterschiedliche Dialekte gibt, "sogar ganz unterschiedliche bayerische Dialekte. Daher konnten und wollten wir uns hier keinesfalls auf eine Dialektfarbe beschränken." Wichtig sei dem ZDF ein "ländliche Spracheinfärbung" gewesen.

Für den Volkskundler und Medienprofessor Kilian Moritz aus Würzburg ist das nicht verwunderlich, da der fränkische Dialekt einfach keine Lobby besitze: "Das liegt auch daran, dass viele Franken selbst ihren Dialekt verleugnen." mit dpa

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