Hof an der Saale
Flüchtlingskrise

Tausende Flüchtlinge ziehen nach Hof: Droht Situation noch zu kippen?

Vor rund zwei Jahren schlug der Oberbürgermeister von Hof an der Saale Alarm: Aufgrund der vielen Flüchtlinge in der Stadt drohe die Situation zu kippen, warnte Harald Fichtner (CSU) damals in der WELT. Wie schätzt er die Situation Ende 2019 ein? inFranken.de hat nachgefragt.
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In Spitzenzeiten sind über 100 Flüchtlinge pro Monat nach Hof gekommen. Hat sich die Lage in der oberfränkischen Stadt mittlerweile beruhigt? Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa
In Spitzenzeiten sind über 100 Flüchtlinge pro Monat nach Hof gekommen. Hat sich die Lage in der oberfränkischen Stadt mittlerweile beruhigt? Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

  • Nach Hof (Saale) ziehen zwischen 2015 und 2018 besonders viele Flüchtlinge
  • Oberbürgermeister Harald Fichtner (CSU) warnt im Sommer 2018: „Situation droht zu kippen“
  • inFranken.de fragt 2019 erneut nach: OB kommt zu neuem Schluss

Es ist Sommer im Jahr 2017 und die Stadt Hof sieht sich in einer Krise. Der Grund: Vor dem Hintergrund der "Flüchtlingskrise" ziehen viele anerkannte Asylbewerber in die oberfränkische Stadt. Oberbürgermeister Harald Fichtner (CSU) befürchtet, dass die Situation zu kippen droht. Dies erklärt er in einem Artikel der WELT. Doch wie steht es zwei Jahre später um die angespannte Situation? Ziehen im Jahr 2019 immer noch viele Flüchtlinge nach Hof und wie steht es um die Integration der bereits Zugezogenen?

Seit Anfang 2018: Zahl der zugezogenen Flüchtlinge geht stark zurück

Inzwischen habe sich die Lage beruhigt, erklärt Oberbürgermeister Fichtner auf Nachfrage von inFranken.de. Seit Frühling 2018 sei die Zahl der zugezogenen Asylbewerber deutlich zurückgegangen.

"Es gab eine exorbitante Steigerung zwischen Dezember 2015 und März 2018. Insgesamt kamen in diesem Zeitraum 2000 Flüchtlinge nach Hof. In den Spitzenzeiten waren das 100 pro Monat", erläutert Uwe Mayer als Geschäftsführer des Hofers Jobcenters. Jetzt sei die Zahl auf 7 bis 20 Asylbewerber pro Monat gesunken. Trotzdem hat Hof nach Salzgitter noch immer den bundesweit größten Zugang an arbeitssuchenden Flüchtlingen, bestätigt Mayer.

Wieso ist Hof bei Flüchtlingen so beliebt?

Wieso die Stadt bei Flüchtlingen so beliebt ist, erklärt der Jobcenter-Geschäftsführer damit, dass in Hof viel freier und billiger Wohnraum zur Verfügung steht. Das bestätigt auch Oberbürgermeister Fichtner und führt zudem an, dass Hof schon immer eine starke Gemeinschaft an Syrern gehabt habe. Die freien Wohnungen hätten sich daraus ergeben, dass viele Bürger etwa wegen einer Arbeitsstelle in eine andere Stadt mit einer besseren Industrie gezogen sind.

Flüchtlinge haben das Hofer Stadtbild verändert

Die Stadt Hof nahm insgesamt 2000 Flüchtlinge auf, sagt der Oberbürgermeister. Waren es 2017 etwa 550 Bedarfsgemeinschaften mit Flüchtlingshintergrund in Hof, sind es laut Jobcenter aktuell 655. Das sind trotzdem deutlich mehr Bedarfsgemeinschaften als in den umliegenden fränkischen Städten Coburg und Bayreuth.

Diese hohe Anzahl an Ausländern habe natürlich das Stadtbild verändert beschreibt Fichtner die Lage: Zwar wird von Seiten der Bürger gut mit Zugezogenen umgegangen, jedoch hätten sich bei einigen Bewohnern Ängste entwickelt. Noch immer mache sich ein Gefühl von Unwohlsein und der Verlust von Heimat in der Hofer Bevölkerung breit. "Deshalb muss man die Bürger mitnehmen", sagt Fichtner.

Doch wie steht es aktuell um die Integration der Flüchtlinge? Vor zwei Jahren hatte der Bürgermeister starke Bedenken aufgrund des großen Zuzugs geäußert. Damals sei die Stadt an ihre infrastrukturellen Grenzen gekommen, gibt auch Mayer vom Jobcenter zu. Es habe nicht genug Sprachkurse und zu wenig Plätze in Kitas und Schulen gegeben. Daraufhin wurde Hof vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zur Bedarfsregion erklärt, was der Stadt enorm half.

"Jetzt gibt es kaum noch Wartezeiten auf Sprachkurse", kann Mayer erleichtert sagen. Mit allen Möglichkeiten, die der Stadt zur Verfügung standen, wurde die Zahl an Kita- und Schulplätzen erhöht. Dies geschah etwa durch Neubauten oder Containerlösungen. Auch im Jobcenter wurde laut Mayer personell aufgestockt, um der herausfordernden Lage gerecht zu werden.

Integration stößt weiterhin an ihre Grenzen

Doch noch längst nicht ist in Hof alles rosig. Auf die Frage, ob die Situation noch immer "zu kippen" droht, weicht Fichtner aus. Auch möchte er nichts Konkreteres dazu sagen, wie die Maßnahmen der Stadt zur Integration von Flüchtlingen beitragen. "Es gibt ein Integrationskonzept von mehreren Hundert Seiten", lautet lediglich seine Antwort. Wie und vor allem ob dieses Konzept wirklich zur Lösung der angespannten Lage beiträgt, steht weiterhin im Raum. Fichtner hebt jedoch das Engagement der vielen Ehrenamtlichen hervor, die massiv zur Integration von Ausländern beitragen würden.

"Was die Situation trübt, ist, dass immer noch viele Asylbewerber über ein schlechtes Sprachniveau verfügen. 33 Prozent der hier lebenden Flüchtlinge haben nur mäßige Sprachkenntnisse", erklärt Jobcenter-Geschäftsführer Mayer. Gerade für ältere Zugezogene sei es schwer, eine neue Sprache zu lernen. Die Gefahr vor der Entstehung einer Parallelgesellschaft sei laut Mayer noch immer vorhanden. Die Flüchtlinge würden sich nämlich alle in denselben Wohngegenden niederlassen. Wenn sich dort alle Bewohner in ihrer Landessprache unterhalten können, gäbe es keinen Anreiz dazu, Deutsch zu lernen.

Auch eine Integration am Arbeitsmarkt gestalte sich laut Fichtner schwer: Vor allem Familien mit vielen Kindern sähen oft keinen finanziellen Mehrwert durch das Aufnehmen einer Erwerbstätigkeit. Bei jungen Männern hingehen sei dies anders, weil sich deren zur Verfügung stehendes Geld im Monat durch Arbeit deutlich erhöhe.

Mayer: Hofer Bürger seien schon immer tolerant gegenüber Ausländern

Trotz dieser Schwierigkeiten schätzt Mayer die aktuelle Entwicklung gut ein und sieht positiv in die Zukunft. In Hof habe es schon immer viele Ausländer gegeben, weshalb die Bewohner sehr tolerant seien, wenn es um Zugezogene geht. Auch Bürgermeister Fichtner findet, dass die Stadt den großen Ausländerzuwachs mittlerweile gemeistert hat. Etwas besorgt schaut er jedoch auf die aktuelle Lage in der Türkei und Syrien. Deutschland stehe vielleicht ein neuer Zustrom von Flüchtlingen bevor.

Auch andere fränkische Städte haben noch immer mit der Flüchtlingskrise vor zwei Jahren zu kämpfen: In Bamberg reißt die Kritik von Bewohnern und Hilfsorganisationen zum Ankerzentrum nicht ab. Flüchtlinge leiden demnach unter rabiatem Sicherheitspersonal und Abschiebungen.

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