Lichtenberg
Fall Peggy

Peggy aus Lichtenberg: Chronologie des Falls

Der Fall Peggy beschäftigt die Ermittler seit 17 Jahren. Die Chronologie des Falls zwischen Festnahmen, Justizirrtümern und absurden Ermittlungspannen rund um den NSU.
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Im Mordfall um die vor 17 Jahren verschwundenen Peggy Knobloch aus Lichtenberg im Landkreis Hof hat es ein Geständnis gegeben. Das ist eine Wende und womöglich der Abschluss eines Falls, der seit langer Zeit Ermittler und Angehörige beschäftigt. Der Fall hat bereits viele Entwicklungen durchgemacht.

Mordfall Peggy Knobloch: Eine Chronologie der Ereignisse

 

 

7. Mai 2001:Die damals neunjährige Peggy Knobloch aus dem oberfränkischen Lichtenberg im Landkreis Hof wird gegen 13.24 Uhr auf dem Heimweg von der Schule zum letzten Mal lebend gesehen. Der im Jahr 2018 festgenommene und geständige Manuel S. befindet sich am frühen Nachmittag in der Sparkasse in Lichtenberg. Peggys Mutter gibt noch am Abend eine Vermisstenanzeige auf. Wochenlange Suchaktionen bleiben ohne Erfolg.

August 2001: Die Polizei nimmt einen damals dringend tatverdächtigen Mann fest. Der geistig behinderte Mann gesteht, Peggy und drei weitere Kinder sexuell missbraucht zu haben.

22. Oktober 2002: Die Ermittler präsentieren den 24-Jährigen als mutmaßlichen Mörder der Schülerin.

28. Februar 2003: Die Staatsanwaltschaft in Hof erhebt Anklage wegen Mordes gegen Ulvi K., den damals dringend tatverdächtigen Mann.

7. Oktober 2003: Der Prozess vor dem Landgericht Hof beginnt, muss aber bald wieder abgebrochen werden. Grund war die fehlerhafte Besetzung der Strafkammer.

11. November 2003: Das Verfahren wird erneut aufgerollt und beginnt von neuem.

30. April 2004: Gegen Ulvi K. ergeht ein Urteil. Der Mann wird nach 26 Verhandlungstagen wegen Mordes an Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt.

17. September 2010: Ein wichtiger Belastungszeuge hat seine Aussage widerrufen und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden.

19. Juli 2012: Die Entwicklungen und Zweifel im Fall Peggy hat zur Folge, dass die Staatsanwaltschaft Bayreuth eigene Prüfungen ankündigt.

4. April 2013: Der Anwalt des geistig behinderten Mannes beantragt die Wiederaufnahme des Falls.

22. April 2013: Die Suche nach Peggys Leiche geht weiter. Ermittler durchsuchen ein Anwesen mitten in Lichtenberg. Dort gefundene Knochen stammen jedoch nicht von Peggy.

21. November 2013: Ein Mann aus Halle in Sachsen-Anhalt ist ins Visier der Ermittler gerückt. Er war ein enger Freund von Peggys Familie und gilt für die Staatsanwaltschaft mittlerweile als Tatverdächtiger. Sein Elternhaus wird durchsucht.

8. Januar 2014: Es gibt die Vermutung, dass Peggys Leiche in einem Grab auf dem Friedhof liegt. Womöglich ist sie im Zuge einer Beerdigung dort abgelegt worden. Ermittler öffnen das Grab. Es werden aber keine Hinweise auf Peggys Leiche gefunden.

2. April 2014: Der im Fall Peggy zuständige Staatsanwalt wird auf eigenen Wunsch ausgewechselt. Er hatte einem neuen Verdächtigen bei einer Vernehmung den Anwalt verweigert.

10. April 2014: Prozessauftakt im Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi K. vor dem Landgericht Bayreuth.

14. Mai 2014: Das Gericht beendet das Verfahren aus Mangel an Beweisen. Eine Woche später gibt es einen Freispruch für den geistig behinderten Mann.

18. Februar 2015: Die Ermittlungen gegen Unbekannt halten an, das Verfahren gegen den freigesprochenen Mann werden eingestellt.

19. März 2015: Das Oberlandesgericht Bamberg entscheidet, dass der ursprünglich verurteilte Mann aus der Psychiatrie entlassen werden soll.

3. Juni 2015: Die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" greift den Fall Peggy auf.

16. Juni 2015: Ein ehemaliger Verdächtiger im Fall Peggy wird in einem anderen Fall wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Jugendstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung verurteilt. Im Fall Peggy gilt er nicht mehr als tatverdächtig.

Mai 2016: Ein im Fall Peggy ehemals verdächtigter Mann fordert Schadenersatz von mehr als 20.000 Euro. Ermittler hatten 2013 auf der Suche nach dem verschwundenen Mädchen sein Grundstück in Lichtenberg metertief durchsuchen lassen. Die Ermittler hatten dabei zwar Knochenreste gefunden. Sie stammten aber nicht von Peggy.

2. Juli 2016: Peggys Leiche wird gefunden: Pilzsammler stoßen in einem Wald in Südthüringen auf Skelettreste. Der Fundort liegt nur rund 15 Kilometer von Peggys früherem Wohnort Lichtenberg entfernt. Die Polizei prüft Verbindungen zum Fall Peggy.

4. Juli 2016: Polizei und Staatsanwaltschaft geben in Bayreuth bekannt, dass die sterblichen Überreste "höchstwahrscheinlich" von Peggy stammen. Endgültige Gewissheit sollten eine DNA-Analyse, eine radiologische Untersuchung und ein Zahnabgleich bringen.

5. Juli 2016: Der DNA-Abgleich bringt die Gewissheit, dass es sich bei den gefundenen Knochen um die sterblichen Überreste von Peggy handelt.

12. Juli 2016: Polizei und Staatsanwaltschaft geben in Bayreuth bekannt, dass das gefundene Skelett von Peggy nicht vollständig ist und weitere Sachen wie etwa der Schulranzen fehlen. Sie setzen 30.000 Euro Belohnung für den entscheidenden Hinweis aus.

13. Oktober 2016: Skurrile Wendung des Falls: Die Polizei Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth teilen mit, dass in der Nähe des Skeletts von Peggy DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden wurden. Wie sich später herausstellte, war der Grund für den Zusammenhang aber eine Verunreinigung bei der Spurensicherung.

13. September 2018: Ermittler durchsuchen in Lichtenberg und im Kreis Wunsiedel die Wohnräume eines 41-Jährigen. Der Mann gehörte bereits früher zum "relevanten Personenkreis" im Zusammenhang mit Peggys Verschwinden.

21. September 2018: Manuel S., dessen Wohnung am 13. durchsucht worden ist, gesteht. Gegen ihn wird wegen Mordes an Peggy Knobloch ermittelt. Polizei und Staatsanwaltschaft äußern sich zu dem Fall in einer Pressekonferenz. Der Tatverdächtige befindet sich vorläufig auf freiem Fuß - er steht nicht in dringendem Verdacht, gegen ihn wird jedoch ermittelt.

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