Rehau
Gewaltanstieg

Nach Gewaltausbruch bei Volksfest in Oberfranken: Polizei schlägt Alarm

Erneut ist es zu einem massiven Gewaltausbruch gegen Ordnungshüter gekommen, die einen Streit schlichten wollten. Bei einem Vorfall auf dem Wiesenfest in Rehau wurden am Sonntag mehrere Polizeibeamte attackiert und teilweise erheblich verletzt.
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Bei einem Vorfall auf dem Wiesenfest in Rehau wurden drei Polizeibeamte am Sonntagmorgen bei der Ausübung ihrer Pflicht erheblich verletzt. Symbolbild: Pixabay/ToNic-Pics
Bei einem Vorfall auf dem Wiesenfest in Rehau wurden drei Polizeibeamte am Sonntagmorgen bei der Ausübung ihrer Pflicht erheblich verletzt. Symbolbild: Pixabay/ToNic-Pics

Laut einer Studie des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren kommt es in Oberfranken immer mehr zu Gewalt gegen Polizeibeamte. Die Zahlen sind erschreckend: Allein im Jahr 2018 wurden rund 679 Fälle verzeichnet.

Zum Vorjahr stellt das eine Steigerung um 8,3 Prozent dar, wobei von den betroffenen 2022 Beamten über 200 Ordnungshüter erhebliche Körperverletzungen davontrugen.

Täglich der Gewalt ausgesetzt

Der jüngste Fall ereignete sich am frühen Sonntagmorgen in Rehau: Auf dem dortigen Wiesenfest wurden drei Polizeibeamte beim Schlichten eines Streits erheblich verletzt.

Gegen 1.15 Uhr früh wurden die Polizisten auf einen Streit zwischen mehreren Festbesuchern aufmerksam. Nachdem ein 18-Jähriger einen 23 Jahre alten Mann gewaltsam niedergeschlagen hatte, versuchte der Schläger sein auf dem Boden liegendes Opfer weiter zu attackieren.

Die Beamten gingen dazwischen und leisteten dem am Boden Liegenden erste Hilfe. Sie nahmen den Täter fest, wobei die Polizisten von weiteren Umherstehenden zuerst aggressiv bedroht, dann direkt angegriffen wurden: Der 56-jährige Vater des 18-jährigen Täters kam aus der Menge heraus und verpasste einem der Beamten einen Faustschlag ins Gesicht.

Betrunkener schlägt Beamten ins Gesicht

Damit nicht genug: Anschließend versuchten die umstehenden Menschen, den Festgenommenen zu befreien und verletzten dabei auch den zweiten Polizisten.

Erst mit weiterer Unterstützung konnten die Polizeibeamten die aufgebrachte, zeitweise bis zu 15-köpfige Gruppe zurückdrängen und den 18-Jährigen in den Streifenwagen setzen. Unbeeindruckt griff der Vater erneut an, bevor auch er schließlich verhaftet werden konnte. Gegen die beiden betrunkenen Männer wird nun strafrechtlich ermittelt.

Alle drei verletzten Polizeibeamten mussten sich ärztlich behandeln lassen, zwei davon waren nicht mehr dienstfähig.

Gewaltbereit und ohne Respekt

Bereits bei kleineren Maßnahmen sind Polizisten oftmals respektlosem oder gar aggressivem Verhalten ausgeliefert.

Zu den meisten Fällen von Gewalt kam es bisher bei Festnahmen, wobei die Zahl der Übergriffe steigt, bei denen überhaupt keine polizeiliche Maßnahme vorausging.

Bei einem anderen Fall zeigte sich bereits Anfang des Jahres die teils enorme Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten: Ein Rentner trat in Nürnberg einem Beamten mit einem Fallrückzieher gegen den Kopf.

Dass die Angriffe auf Polizeibeamten dennoch größtenteils glimpflich ausgingen, ist nicht zuletzt auch den aufwendigen Schulungsmaßnahmen der Behörden zu verdanken.

Die meisten dieser Attacken auf Polizeibeamte ereigneten sich im Jahr 2018 im öffentlichen Raum, auf Straßen, Wegen und Plätzen. Aber auch an privaten Plätzen, wie im Wohn-, Haus- und Gartenbereich, wurden Beamte attackiert. In mehreren Fällen wurden sie sogar in Polizeidienststellen und -fahrzeugen angegriffen.

An der Spitze der Vorfälle liegen momentan noch die teils massiven Beleidigungen, die Beamten von ihrem Gegenüber zu hören bekamen und welche leider den schwindenden Respekt gegenüber Polizisten in der Gesellschaft verdeutlichen.

Von den meisten der ermittelten Tatverdächtigen hatten fast drei Viertel berauschende Substanzen wie Alkohol und Drogen zu sich genommen.

Rechtliche Konsequenzen und Body-Cams

Um die Beamten besser zu schützen und die Täter gerecht zu bestrafen, wurde im letzten Jahr im Strafgesetzbuch ein eigener Tatbestand für solche Fälle eingeführt.

Darüber hinaus setzt die Polizei bereits auf die sogenannte "Body-Cam", da die deutlich erkennbare Videoaufzeichnung zu einer höheren Hemmschwelle bei möglichen Tätern beitragen kann. Die Auslieferung der Body-Cam an die oberfränkischen Polizeidienststellen ist im Herbst dieses Jahres geplant.

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