Lichtenberg
Fall Peggy

Peggys vermeintlicher Mörder festgenommen: Ist der Fall nun gelöst?

Er hatte bereits angetrunken gestanden Peggys Leiche vergraben zu haben: Der 41-jährige Manuel S. ist am Montag festgenommen worden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erging Haftbefehl wegen Mordes gegen ihn. Ist Peggys Mörder nach mehr als 15 Jahren endlich gefunden?
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2001 verschwand Peggy im oberfränkischen Lichtenberg. Auch 15 Jahre danach ist der Fall noch nicht gelöst. Konnte nun ihr Mörder gefasst werden?. Foto: David Ebender/dpa
2001 verschwand Peggy im oberfränkischen Lichtenberg. Auch 15 Jahre danach ist der Fall noch nicht gelöst. Konnte nun ihr Mörder gefasst werden?. Foto: David Ebender/dpa

Ist das endlich die Wende im Fall Peggy? Im Zusammenhang mit dem bis heute mysteriösen Mordfall Peggy Knobloch aus Lichtenberg (Landkreis Hof) hat es erneut eine Festnahme gegeben. Das bestätigte ein Polizeisprecher am Dienstag (11.12.2018) in Bayreuth. Wie die Polizei am Nachmittag mitteilte, erließ der Ermittlungsrichter jetzt gegen den 41-jährigen Tatverdächtigen Haftbefehl. Kriminalbeamte hatten ihn bereits am Montag festgenommen. Der Tatverdächtige habe bislang keine Angaben gemacht.

Festnahme im Fal Peggy: Neue Beweise aufgetaucht?

Bereits Mitte September diesen Jahres hatte es einen umfangreichen Polizeieinsatz im Fall Peggy gegeben. Ins Visier der Ermittler geriet damals der 41 Jahre alte Manuel S. aus Marktleuthen (Landkreis Wunsiedel). Laut Polizei zählte Manuel S. im Zusammenhang mit Peggys Verschwinden für die Ermittler zu einem relevanten Personenkreis. "Die Ermittlungserkenntnisse aus den Untersuchungen am Fundort der sterblichen Überreste von Peggy sowie die Neubewertung bereits bestehender Feststellungen ließen den 41-Jährigen aus dem Landkreis Wunsiedel wieder in den Mittelpunkt der Ermittlungen rücken", teilten die Ermittler jetzt mit.

Schon 2001, also im Jahr von Peggys Verschwinden, war der Mann erstmalig ins Visier der Ermittler geraten. Damals soll er in angetrunkenem Zustand gesagt haben, dass er die Leiche des Mädchens vergraben habe. Einen Mord oder ein Tötungsdelikt habe der Mann aber immer geleugnet.

Manuel S. hat gestanden, Peggys Leiche vergraben zu haben - hat er sie auch getötet?

Manuel S. hatte im September 2018 gestanden, Peggys Leiche beiseite geschafft zu haben - in einen Wald bei Rodacherbrunn (Thüringen). Er habe das leblose Kind von einem anderen Mann an einer Bushaltestelle übernommen, sagte der 41-Jährige. Er habe noch versucht, das Mädchen zu beatmen - es dann jedoch in eine Decke gepackt, in den Kofferraum seines Autos gelegt und in den Wald gebracht. Getötet haben solle sie aber ein anderer - nämlich Ulvi K. gegen den bereits früher ermittelt worden war. Gegenüber inFranken.de hatte Michael Euler, ehemaliger Anwalt von Ulvi K., bereits Anfang Oktober das Geständnis von Manuel S. als "vollkommen unglaubwürdig" bezeichnet.

Fall Peggy: Manuel S. - Täter oder Mittäter?

Das sieht offenbar auch die Polizei so: Im Nachgang zu den Ermittlungen im September wurden die gewonnenen Erkenntnisse, insbesondere die damaligen Angaben des Beschuldigten sorgfältig überprüft, sowie die bei den Durchsuchungen sichergestellten Beweismittel ausgewertet. "Im Ergebnis sind wesentliche Angaben des Beschuldigten, so der behauptete Anlass und der geschilderte Geschehensablauf, nicht mit den weiteren Ermittlungsergebnissen in Einklang zu bringen", heißt es seitens der Ermittler. Vielmehr ergab sich aus den neuen Ermittlungen ein dringender Tatverdacht gegen den 41-Jährigen, wonach der Mann selbst Täter oder Mittäter der Tötung der damals 9-jährigen Peggy war und anschließend den leblosen Körper in einem Wald bei Rodacherbrunn ablegte. Es steht im Raum, dass mit der Tötung eine zuvor begangene Straftat verdeckt werden sollte.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth erging gegen Manuel S. Haftbefehl wegen Mordes. Der 41-Jährige befindet sich in einer Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft.

2001 verschwand Peggy K. aus Lichtenberg in Oberfranken spurlos

Jahrelang war nach der am 7. Mai 2001 verschwundenen Peggy K. aus Lichtenberg gesucht worden. Obwohl 2004 ein geistig behinderter Mann als Peggys Mörder verurteilt wurde, wurde das Verfahren später wieder aufgenommen. 2014 wurde der Mann wieder freigesprochen.

2016 fanden Pilzesammler die sterblichen Überreste des Mädchens in einem Waldstück zwischen Bayern und Thüringen - knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort entfernt. Mit rund 30 Mitgliedern arbeitete die Soko Peggy hierauf an dem Fall. Eine Chronik der Ereignisse im Fall Peggy K. lesen Sie hier.

An den sterblichen Überresten des Mädchens fanden die Ermittler mikroskopisch kleine Pollen, die als Bestandteile von Torf identifiziert werden konnten. Hier ergab sich ein Bezug zu Pflanzarbeiten des Mannes am Tattag, die den Ermittlern bekannt waren. Außerdem fanden sie Farbreste, wie sie in Renovierungsmüll vorkommen. "Den Ermittlern war bekannt, dass der jetzt Beschuldigte damals umfangreiche Renovierungsarbeiten ausgeführt hatte", hieß es im September.

Auch ein angebliches Alibi des Mannes platzte: Entgegen seinen früheren Angaben war er am Tattag in Lichtenberg unterwegs. Den Schulranzen und die Jacke von Peggy will der 41-Jährige Tage später bei sich zu Hause verbrannt haben. Sein goldfarbenes Auto haben Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen gefunden.

Der Fall Peggy: Schon mehrere Tatverdächtige - doch viele Spuren liefen ins Leere

Im Lauf der Jahre gab es in dem Fall bereits mehrere Verdächtige, doch viele Spuren liefen ins Leere. Deutschlandweites Aufsehen erregte der Fall eines geistig behinderten Mannes, den ein Gericht 2004 als Mörder von Peggy verurteilte, der aber zehn Jahre später in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen wurde.

Zudem entdeckten Ermittler am Fundort von Peggys Skelett DNA des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Das stellte sich später aber als Verunreinigung eines Geräts der Spurensicherung heraus.



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