Berg
Traditionsbäckerei

„Sie war mein Leben“: Bäckerei aus Oberfranken muss nach 50 Jahren schließen

Nach 50 Jahren Betrieb muss die Bäckerei Resch in Oberfranken schließen. Es habe sich kein Nachfolger gefunden, der den Laden übernimmt. Auch die neue Bonpflicht sei zum Teil Schuld an der Schließung, erzählt Manfred Resch im Gespräch mit inFranken.de .
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Nach 50 Jahren muss die Bäckerei Resch im oberfränkischen Berg schließen. Foto: Privat
Nach 50 Jahren muss die Bäckerei Resch im oberfränkischen Berg schließen. Foto: Privat
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"Je näher der Tag der Schließung gekommen ist, desto schlimmer ist es geworden", erzählt Manfred Resch, Inhaber der Bäckerei Resch in Berg (Landkreis Hof). Nach 50 Jahren musste er sein Geschäft, sein Lebenswerk, dichtmachen. Am 31.12.2019 war es so weit: "Der Tag war grauenvoll. Das wünsche ich keinem", sagt Resch.

Bäckerei Resch musste dichtmachen: Die Geschichte hinter der Schließung

Mit 14 Jahren begann Manfred Resch seine Lehre zum Bäcker. Die Gesellenprüfung legte er damals als Bester im Jahrgang ab, doch zur Meisterprüfung wurde Resch zunächst erst abgelehnt. Mit dem Wunsch im Kopf, eine eigene Bäckerei zu öffnen, habe er den Zuständigen "die Pistole auf die Brust gesetzt". Schnell konnte er seine Meisterprüfung nachholen und schließlich am 27.02.1969 seine Bäckerei in der Hofer Straße in Berg eröffnen.

Seit diesem Zeitpunkt arbeitete Resch jeden Tag mit Leidenschaft in seinem Laden. Er machte sich jedoch immer Gedanken, wer sein Geschäft eines Tages übernehmen könne. Manfred Resch hat Söhne, jedoch leidet einer von ihnen an einer Mehlallergie. Der älteste Sohn, Thomas Resch, lernte aus diesem Grund extra vom Fliesenleger zum Bäcker um, damit er in die Fußstapfen seines Vaters treten könne. Auch er schloss die Lehre mit der besten Gesellenprüfung ab, so wie einst Manfred Resch.

Laut dem Bäckereiinhaber sei die Frau des Sohnes am Scheitern der Übergabe Schuld gewesen. "Sie wollte sich in der Bäckerei nicht bucklig arbeiten", erzählt Resch. Doch in einer Bäckerei sei es wichtig, dass die gesamte Familie mit anpacke.

Bäcker-Sohn meldet sich zu Wort: "Ich habe mit allen Mitteln versucht, den Laden zu übernehmen"

Im Gespräch von inFranken.de mit Sohn Thomas Resch wird allerdings klar, dass offenbar ein größerer Familienstreit hinter dem Problem steckt. Seit acht Jahren hätten Vater und Sohn keinen Kontakt mehr zueinander.

"Ich habe mit allen Mitteln versucht, den Laden zu übernehmen", sagt Thomas Resch. 21 Jahre lang habe er in der Bäckerei gearbeitet, auch seine Frau sei für zehn Jahre im Familienbetrieb tätig gewesen. Dafür habe sie "nie ein 'Danke' bekommen", erzählt der Sohn. Doch mit der Bäckerei habe Thomas Resch auch einen großen Schuldenberg übernehmen müssen, berichtet er. Drei Banken hätten ihm keinen Kredit gewährt.

Manfred Resch habe laut seinem Sohn nichts gegen die Schulden unternommen. "Jeder hat mir davon abgeraten, die Bäckerei zu übernehmen", erzählt Thomas Resch in diesem Zusammenhang. Es tue ihm sehr leid, dass die Bäckerei seiner Familie nun schließen habe müssen. "Ich habe aber keine Chance gesehen", konstatiert Thomas Resch.

"Genickschlag": Kein Nachfolger für Bäckerei Resch

Die gescheiterte Übernahme sei laut Bäckereiinhaber Manfred Resch ein "Genickschlag" für die Bäckerei gewesen. Alle ausgebildeten Lehrlinge wurden zuvor in anderen Bäckereien untergebracht. "Wir haben auch versucht, andere Bäcker herzubekommen", erzählt Resch. Doch das habe sich ebenfalls schwierig gestaltet. Bei einem der passenden Anwärter hatte die Frau nicht mitziehen wollen. "Die Familie muss aber einfach dazu passen", erklärt Resch.

Schließlich fing es an, dass Manfred Resch zunehmend unter gesundheitlichen Problemen litt. Da es keinen Nachfolger gab, begann der Bäckermeister mit 73 Jahren seinen Laden nur noch am Wochenende zu öffnen. Doch auf Dauer konnte sich die Bäckerei damit nicht halten. Auch die seit 1. Januar 2020 in Kraft getretene Bonpflicht sei ein ausschlaggebender Faktor dafür, dass schlichtweg zu hohe Kosten auf den Betrieb zukommen würden. Auf Rat seines Steuerberaters beschloss die Familie Resch, ihre geliebte Bäckerei zum 31.12.2019 zu schließen.

Bäckerei Resch geschlossen: Inhaber und Kunden sind traurig

Seit mit der Bäckerei Schluss ist, geht es Resch sehr schlecht: "Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Die Bäckerei war mein Leben". Auch manche seiner treuen Kunden haben sogar geweint, als der Laden zumachte. Doch ein kleines Highlight wartet trotzdem auf Resch und seine Backwaren-Liebhaber: Für ein Fest der Jungen Union Berg am Samstag (11.01.2020) wird Resch noch ein letztes Mal backen.

Auch unter Metzgereien müssen viele alteingesessenen Familienbetriebe in Franken dichtmachen, bundesweit hat sich die Zahl der Fleischereien seit 1998 halbiert. So ist das Metzgerei-Sterben zu erklären.

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