Haßfurt

Tierquälerei in Franken: Überforderter Tierhalter ließ "Ziegen jämmerlich verenden"

Ein Hobby-Ziegenhirte aus den Haßbergen ließ die Tiere hungern und dursten. Das Amtsgericht Haßfurt brummte ihm dafür eine Geldstrafe auf.
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Überfordert war der 60-jährige Angeklagte mit der Haltung von mehr als 20 Ziegen. Foto: Elisabeth Assmann/Archiv
Überfordert war der 60-jährige Angeklagte mit der Haltung von mehr als 20 Ziegen. Foto: Elisabeth Assmann/Archiv

Wegen Tierquälerei in zwei Fällen hat das Amtsgericht am Mittwoch einen 60-Jährigen aus den Haßbergen zu einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu 15 Euro, also 525 Euro, verurteilt. Der Hobby-Ziegenhirte hielt zwischen 2014 bis Juli 2018 teilweise mehr als 20 Ziegen und war damit überfordert. Ebenfalls in Unterfranken ermitteln die Behörden wegen dem Tod mehrerer Pferde. Treibt ein Tierquäler dort sein Unwesen?

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft verfütterte der Angeklagte den Tieren gefrorene Salatabfälle, faulige Früchte und fauliges Gemüse sowie kaum frisches Grünfutter. Eine Raufe für Heu vermissten Kontrolleure des Veterinäramts bei ihren unangemeldeten Besuchen ebenso wie frisches Trinkwasser.

Trotz Androhung von Zwangsgeld verbesserten sich die Haltungsbedingungen nicht, mit der Folge, dass im Mai und Juli 2018 zwei Tiere starben. Eine Obduktion ergab, dass die Ziegen stark abgemagert waren und Parasiten im Darm hatten. "Sie sind jämmerlich verendet", sagte der Sachgebietsleiter Veterinärwesen am Landratsamt, Werner Hornung, im Zeugenstand.

Vorwürfe zurückgewiesen

Der Angeklagte hatte einen Strafbefehl erhalten, gegen den er Einspruch eingelegt hatte. Auf der Anklagebank widersprach er den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Die Ziegen seien nicht unterernährt und das Futter nicht verfault gewesen, gab er zu Protokoll. Einen Fehler habe er begangen, als er Heuballen im Freien liegen ließ, die dadurch verfaulten, gab er zu. Hunde seien frei herumgelaufen, die die Ziegen wohl zu Tode gehetzt hätten. Er habe auch vergessen, zu entwurmen, was zum Tod der zweiten Ziege geführt haben könnte, sagte er vor Gericht.

Tierarzt Werner Hornung sagte, dass sich die Haltungszustände seit 2016 wesentlich verschlechtert hätten. Stundenlang habe man die Mängel beredet. Der Angeklagte habe Besserung versprochen.

Geschehen sei jedoch nichts. Teilweise sei er (der Arzt) angeschwindelt worden. So habe der Angeklagte wiederholt von einer Wasserquelle gesprochen, die jedoch nicht vorhanden war. Die Gemüse- und Obstabfälle, die der Angeklagte verfütterte, seien zum Teil erheblich verdorben gewesen. In den zu tief gelegenen Futtertrog hätten die Tiere auch hineingepinkelt. In der Nähe des Trogs habe man "nicht tief Luft holen" dürfen, sagte der Tierarzt. Das Futter habe zudem auf dem Boden gelegen, was nicht den Vorgaben entspreche. Es sei keine Futter-Raufe vorhanden gewesen, aus denen die Tiere gleichzeitig fressen konnten. Die vorhandenen Unterstände seien mangelhaft gewesen. Bei zig Kontrollen, die nach anonymen Anzeigen ins Rollen gekommen seien, habe das Trinkwasser gefehlt. Die Ziegen seien viel zu dünn gewesen. Es seien zu viele Böcke darunter gewesen, die als Stärkere den Schwächeren das Futter weg gefressen hätten.

Löchriger Zaun des Geheges

Der Tierarzt, der die Herde des Angeklagten betreute, sagte, dass der 60-Jährige gedankenlos und nachlässig gewesen sei. Der Zaun des Ziegengeheges sei löchrig gewesen, so dass immer wieder Tiere ausbüchsten. Einmal habe er zusammen mit dem Angeklagten eine entlaufene Ziege auf einem Sportplatz eingefangen, was eine Stunde gedauert habe. Auch das Schneiden der Klauen habe der Sohn des Tierarztes übernommen, was normalerweise Aufgabe des Halters sei.

Mittlerweile halte er keine Tiere mehr, gab der Angeklagte an. Er habe die Herde für 300 Euro verkauft. 400 Euro habe er bereits für die Ordnungswidrigkeit bezahlt aufgrund der fehlenden Raufe und des nicht vorhandenen Trinkwassers.

Der Anklagevertreter forderte eine Geldstrafe von 900 Euro, die Richterin Ilona Conver aufgrund der schlechten Einkommensverhältnisse des Angeklagten ("ein Hartz-IV-Empfänger hat mehr Geld als ich") verringerte. "Sie haben sich wie ein Geisterfahrer verhalten, der sagt, dass alle anderen verkehrt fahren", schrieb sie dem Verurteilten hinter die Ohren. Vorsätzlich habe er jedoch nicht gehandelt, billigte sie dem 60-Jährigen zu, der bis dato noch nicht vorbestraft war.

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