Ermershausen
Kooperation

Zwei Rebellendörfer vereinigen sich

Ermershausen und Unterammergau besiegelten ihre Gemeindepartnerschaft. Jetzt heißt es: Warten auf die erste Ehe.
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Diese Schilder werden die beiden Ortschaften in Zukunft zieren. Christian Licha
Diese Schilder werden die beiden Ortschaften in Zukunft zieren. Christian Licha
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Ermershausen war schon immer etwas Besonderes. Jetzt darf sich nach Aussage von Bürgermeister Günter Pfeiffer die 560-Seelen-Gemeinde sogar rühmen, die erste offizielle Gemeindepartnerschaft zwischen zwei eigenständigen Gemeinden in Bayern eingegangen zu sein. Partner ist die fast drei Mal so große Gemeinde Unterammergau in der Tourismusregion Ammergauer Alpen, die sich ebenfalls als Rebellendorf seinerzeit einen Namen gemacht hatte. Am Wochenende wurden bei einem fröhlichen Festabend die Partnerschaftsurkunden unterzeichnet. Gemeinderat Stefan Lüdecke führte als Moderator mit viel Humor durch den Abend.

Bereits seit mehr als 40 Jahren besteht zwischen den Unterfranken und den Oberbayern eine sehr innig gewordene Freundschaft. Helene Lutz seinerzeit bei der evangelischen Landjugend in Ermershausen und Ludwig Huffer, der damals bei der katholischen Landjugend Unterammergau war, ließen die Jahrzehnte in humorvoller Art und Weise Revue passieren.

Im November 1978 bekam der spätere Ermershäuser Bürgermeister Adolf Höhn einen Brief aus dem Alpenvorland. Darin schilderten die Unterammergauer ihren Kampf gegen die Eingemeindung, den sie mit Ermershausen gemeinsam hatten. Bereits einen Monat später kam eine Abordnung aus dem südlichen Teil Bayerns hoch in den Norden des Freistaates. Trotz Eisregen und Glätte nahm man zusammen die Grenze zur damaligen DDR in Augenschein, ehe man bei einem Gottesdienst die Weihe der Friedensglocke vollzog.

Anfang April 1979 starteten die Ermershäuser bei sonnigem Wetter den Gegenbesuch. Angekommen bei den Freunden, fand man sich jedoch im Tiefschnee wieder - und fror. Es folgten viele weitere gegenseitige Besuche, bei denen persönliche Freundschaften entstanden. Der Kontakt brach nie ab und mittlerweile lernt sich schon die dritte Generation kennen.

Unterammergau schaffte es bereits 1980 wieder in die Freiheit, in Ermershausen sollte der Kampf gegen die Eingemeindung nach Maroldsweisach noch viele Jahre anhalten. Als es endlich 1994 soweit war und die Rebellen im nördlichen Landkreis Haßberge den Sieg vermeldeten, wurde zusammen mit den Unterammergauern gefeiert, die hier als Gastgeschenk die Latschenkiefer an der Kirche pflanzten.

Landrat Wilhelm Schneider, der in Ermershausen aufgrund seines sensationellen Wahlerfolges bei der Landratswahl 2014 "Mister 97 Prozent" genannt wird, freute sich, dass die Freundschaft mit Unterammergau trotz Wegfall des eigentlichen Grundes immer noch eng gelebt werde. "Es war auch schön mit anzusehen, wie das Verhältnis zu Maroldsweisach immer besser wurde", erinnerte sich Schneider an seine Amtszeit als Bürgermeister der Marktgemeinde. Auf vielen Gebieten arbeiten laut Schneider heute Ermershausen und Maroldsweisach hervorragend zusammen, wie zum Beispiel bei der Kläranlage, der Wasserversorgung oder im Schulverband. Schneiders Dank galt Altbürgermeister Werner Döhler, der viel zu der Verbesserung des Verhältnisses beigetragen habe.

Für 25 Jahre verdienstvolles Wirken in der kommunalen Selbstverwaltung verlieh Landrat Wilhelm Schneider zusammen mit Ermershausens Drittem Bürgermeister Matthias Keßler an vier Personen eine Urkunde. Die Gemeinderätinnen Gertrud Pößnecker und Lydia Steuter sowie Gemeinderat Theo Vey und Bürgermeister Günter Pfeiffer bestimmen über das Wohl der Gemeinde bis heute mit, was die Bürger stets mit einer Wiederwahl quittierten.

"Jung und Alt verbündeten sich damals gegen die Zwangseingemeindung", sagte Unterammergaus Bürgermeister Michael Gansler. Das Gemeindeoberhaupt freute sich, dass nun die in gemeinsamen Aktionen gegen das Unrecht begründete Freundschaft beider Gemeinden offiziell beurkundet wurde. Großer Jubel herrschte im vollen Festzelt, als Bürgermeister Günter Pfeiffer zusammen mit seinem Amtskollegen seine Unterschrift unter die Urkunde setzte. Eingerahmt und verglast auf einem mit den auf einem Holzbrett eingravierten Wappen der Gemeinden werden die offiziellen Schriftstücke nun die beiden Rathäuser zieren. Die Unterammergauer überreichten als Gastgeschenk eine große Tafel, die in Zukunft jeden Besucher Ermershausens auf die Gemeindefreundschaft aufmerksam machen soll.

Ähnliches in optisch anderer Form hatte auch Pfeiffer für die Freunde als Geschenk vorbereitet.

"Manche Ermershäuser kennen sich in Unterammergau besser aus als zuhause", scherzte Anton Speer in seiner Eigenschaft als Landrat des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Bereits vor 40 Jahren schon als Stimmungsmacher bekannt, wünschte sich Speer, dass vielleicht mal eines Tages eine Ehe zwischen Einwohnern aus Ermershausen und Unterammergau zustande komme, denn "das Paar bekommt dann bestimmt die allerschönsten Kinder in ganz Bayern".

Damit die Gemeindepartnerschaft zünftig gefeiert werden konnte, spendierte Landrat Speer spontan 100 Liter Freibier. Landrat Schneider ließ sich nicht lumpen und hielt mit weiteren 100 Litern mit. Auch die Bürgermeister Pfeiffer und Gansler schlossen sich zusammen in der gleichen Größenordnung an.

Das Fass voll im wahrsten Sinne des Wortes machte schließlich der Landtagsabgeordnete Gerald Pittner, der die Gesamtmenge auf insgesamt 400 Liter Freibier aufrundete. Er sei früher oft durch Ermershausen gefahren und war tief beeindruckt, wie das kleine Dorf so lange Widerstand geleistet habe, sagte der Bad Neustadter. Mit den "Original Heldburger Wirtshausmusikanten" wurde bis spät in die Nacht gefeiert und die Freundschaft zwischen den beiden "Völkern" noch mehr vertieft.

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