Bramberg
Verständigung

Zu Gast bei den Asylbewerbern in Bramberg

Bürger aus Bramberg nahmen am Tisch der Asylbewerber Platz. Das Henry-Dunant-Haus soll nur noch bis zum Jahresende für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Die ersten Anzeichen für Integration stimmen hoffnungsvoll.
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Die Bramberger Bürger nahmen Platz und die Asylbewerber erwiesen sich als sehr gute Gastgeber und Köche. Siza Saby (hinten in der Mitte stehend) erklärte den Gästen die Zubereitung der Speisen aus dem Irak und Syrien. Foto: Johanna Eckert
Die Bramberger Bürger nahmen Platz und die Asylbewerber erwiesen sich als sehr gute Gastgeber und Köche. Siza Saby (hinten in der Mitte stehend) erklärte den Gästen die Zubereitung der Speisen aus dem Irak und Syrien. Foto: Johanna Eckert
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Sie sind anders. Trotzdem: Asylbewerber sind Menschen, wie alle. Und wenn sie da sind, dann darf auch die Integration nicht auf die Seite geschoben werden. Denn viele von ihnen werden länger bleiben als nur einige Monate. Damit Integration gelingt, sind nicht nur die Asylbewerber selbst gefragt, auch die Offenheit der Menschen im Landkreis Haßberge ist nötig.

In Bramberg passierte jetzt ein erster Anflug in Sachen Annäherung. Denn: Die im Henry-Dunant-Haus lebenden Asylbewerber aus Syrien und dem Irak luden die Bramberger Bürger per schriftlicher Einladung zu einem Kennenlernen ein. Die kamen, schnupperten an der fremden Kultur und ließen sich das syrische Essen schmecken.

Nur vorübergehend

Seit Ende September steht das Henry-Dunant-Haus dem Landratsamt Haßberge zur Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung. Der Gedanke, dieses Haus nur als vorübergehende Unterkunft zu nutzen, steht auch heute noch: "Die reguläre Nutzung erfolgt bis Ende 2014. Dann ist vorgesehen, das Jugendhaus bei einem Notfall zu nutzen. Eine offizielle Freigabe hierfür liegt aber noch nicht vor", teilt Monika Göhr, Pressesprecherin des Landratsamtes, mit.

Derzeit sind alle 20 Betten des Jugendhauses, das unter der Verantwortung des Kreisverbandes des Roten Kreuzes liegt, belegt. Die Männer sollen in den kommenden Wochen dezentrale Unterkünfte im ganzen Landkreis beziehen können.

Bevor sie sich von Bramberg verabschieden müssen, wollten sie sich aber noch bedanken. "Wir sind so froh, dass wir hier mit offenen Herzen und offenen Armen aufgenommen wurden", begrüßten sie ihre fränkischen Gäste. Sie freuten sich sehr, dass einige der Dorfbewohner der Einladung zum Essen gefolgt sind. Denn die Unterbringung von Asylbewerbern in Bramberg ging ziemlich rasch und ohne Bürgerbeteiligung. Erst als alles unter Dach und Fach war, gab es einen Informationsabend.

Kleine Hilfen im Alltag

"Die Leute im Dorf haben natürlich Angst. Die wissen nicht, was das für Menschen sind", sagt Gregor Pecht, der sich von Anfang an regelmäßig um die Neubürger kümmerte. Aus reinem Zufall.

"Als die ersten ankamen", erinnert er sich, "da stand noch mein Fahrrad hier am Haus. Das wollte ich nur holen." Er kam wie gerufen für Siza Zaby, die als Alltagsbetreuerin für das Landratsamt tätig ist und sich um die Menschen in den dezentralen Unterkünften kümmert: "Die brauchen Brot." Gregor Pecht antwortete ihr: "Ja, morgen kann ich Brot kaufen gehen." Doch Siza Zaby bestand darauf, dass die Männer noch am Tag der Ankunft etwas zu essen bräuchten. "Dann bin ich mit ihnen nach Jesserndorf gelaufen." Dort klärte er gleich ab, dass "die Franziska" (Franziska Schmitt, die Betreiberin des Edeka-Ladens) in Zukunft mehr Weißbrot im Regal haben müsse. Die Männer würden jetzt öfters kommen.

Eingeschränkte Möglichkeiten

"Wir wollen mit den deutschen Menschen zusammenkommen, mit ihnen reden, sie verstehen und auch arbeiten. Das ist uns sehr wichtig", so die Wünsche der Männer aus Syrien und dem Irak. Was sie wollen, liegt damit völlig klar auf der Hand: Integration. Aber aufgrund ihres Status als Asylbewerber sind ihnen zwei Lasten ans Bein gebunden, die den Integrationsprozess nicht einfach machen: Sie müssen da wohnen, wo sie zugewiesen sind und dürfen erst nach drei Monaten auf dem Arbeitsmarkt tätig werden. Auch nur dann, wenn es keinen deutschen oder europäischen Bürger gibt, der diese Tätigkeit genauso ausüben könnte. Sie können damit nicht für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen. Vom Gesetz her stehen die Zeichen also eher nicht auf Integration.


Noch dazu gibt es in der Gesellschaft viele Vorurteile und Unwissen über Rechte, Pflichten und Hintergründe von Asylbewerbern. Gregor Pecht hat die Asylbewerber aus Bramberg zu den Leuten geschickt: "Ich habe ihnen gezeigt, wo sie im Dorf Milch, Eier und Fleisch bekommen. Und den Bolzplatz nutzen sie auch regelmäßig." Arabisch spricht Gregor Pecht nicht.

Genauso wenig wie Alois Voigt, der als Nachbar immer wieder vorbeischaut. Trotzdem konnte er einen jungen Syrer, der in der Heimat in der zweiten Liga Fußball gespielt hatte, an den FSV Krum vermitteln. "Die kümmern sich prima um ihn. Holen ihn auch immer in Bramberg ab."
Manchmal packt Gregor Pecht sein Schwarzbrot ein und macht mit den Männer zusammen Brotzeit: "Wir können so viel von den Menschen lernen."

Zwischen den Bewohnern aus Bramberg nahmen am Dienstagabend auch Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD), Landrat Wilhelm Schneider (CSU), BRK-Kreisvorsitzender Rudolf Handwerker und Kreisgeschäftsführer Dieter Greger an der gerichteten Tafel Platz. Die Tische waren mit Speisen voll. "Das, was sie auf dem Tisch sehen, das sind nur die Vorspeisen", sagte Siza Zaby, die zusammen mit den Bewohnern das Essen organisiert hat. "Herzlichen Dank an die Gastgeber für die Einladung und den schönen Abend. Ich freue mich, dass es nach so kurzer Zeit schon Integrationsansätze gibt."

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