Ebern

Zeitgemäße Impulse für die Friedhöfe

Mit gestalteten Grabfeldern will die Stadt Ebern der wachsenden Nachfrage nach Urnengräbern gerecht werden. Die Zahl der Lücken in den Grabreihen wächst.
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Normale Gräber sind kaum mehr gefragt, die meisten Menschen heute wollen ihren Nachfahren keinen Pflegeaufwand hinterlassen. Oft wohnen die Angehörigen weit entfernt und können die Grabpflege nicht übernehmen. Immer häufiger werden auslaufende Grabstellen nicht mehr verlängert. Vor allem aber hat in Ebern die Nachfrage nach Urnengräbern stark zugenommen: "Inzwischen sind 60 Prozent Urnenbeisetzungen, womöglich sogar mehr", sagte Bürgermeister Jürgen Herrmann (SPD) dem Bauausschuss bei dessen Sitzung am Mittwochabend. Die Stadt verkaufe kaum mehr Gräber, und in den Grabzeilen entstünden immer mehr Lücken.


Grabfelder für die Urnen

Deshalb gelte es für alle Friedhöfe der Stadt zu überlegen, wie den veränderten Verhältnissen gerecht zu werden ist. Der Bürgermeister und Martin Lang, der Leiter des Bauamts, führten das Gremium zu den Friedhöfen in Ebern und Eyrichshof, um erste Ideen zu präsentieren. Eine Möglichkeit wäre es, wie sie anhand eines frei stehenden mächtigen Ahornbaumes in Ebern zeigten, auf einem weitläufigen Feld rund um den Stamm Urnenanlagen zu schaffen, bei denen Gedenkplatten ins Erdreich eingesetzt werden können. Anstelle eines Baumes könne auch eine von einem Steinmetz geschaffene Stele stehen. Dazu wurden Beispiele aus Königsberg und Haßfurt gezeigt. Der Bauausschuss beschloss, Entwürfe bei einem Steinhauer in Auftrag zu geben.

Unweit einer Urnenwand in der Nähe des Leichenhauses befindet sich ein Blumenfeld, das Hennemann als dritte Möglichkeit vorstellte. In der Mitte solch einer blühenden Anlage könnte eine Stele mit den Namen der dort Begrabenen angebracht werden. Laut Martin Lang würden 50 bis 60 Urnengräber unter einem Baum oder rund um eine Stele Platz finden, bei Doppelbelegung sogar deutlich mehr.
Vielerlei Ideen seien denkbar, sagte der Bürgermeister doch man müsse sich entscheiden und "zwei, drei Angebote einholen, nicht ein buntes Feuerwerk".


Lücken zwischen den Gräbern

Auf dem Friedhof besahen sich die Ausschussmitglieder Lücken in den Grabreihen. Gräber, die aufgelassen wurden. So entstehen Flächen, die zwar geschottert wurden, wegen Unkrautbewuchses aber Pflegeaufwand bedeuten und kein schönes Bild abgeben. Ein weiteres Problem: Gerade im dicht belegten inneren Bereich des alten Friedhofs sind die Grabstellen für den Aushubbagger oder anderes Gerät schwer zugänglich.

Der Bürgermeister und der Bauamtsleiter kündigten an, bei der Vergabe neuer Gräber, die Zahl der Lücken zwischen den Gräbern zu reduzieren, Grabreihen womöglich ganz aufzulassen und Plätze entstehen zu lassen, die man gärtnerisch gestalten und mit Bänken aufwerten könne. "Das wird Jahre, wahrscheinlich Jahrzehnte dauern", sagte Lang. "Aber wir sollten Linie reinbringen."
Natürlich wolle die Stadt die Wünsche der Bürger berücksichtigen, wenn diese ihre Familiengräber erhalten wollen. Auch Gräber, welche die Stadt pflegt, werde man belassen, sie ins Konzept einbinden, sagte Hennemann. Verlegungen soll es allenfalls "im Extremfall" geben. Unangetastet bleiben auch die Kreuzwegstationen, die unter Denkmalschutz stehen.


Die Treppe soll weg

Dann ging es nach Eyrichshof zu "Eberns schönstem Friedhof", wie Zweiter Bürgermeister Harald Pascher (FDP) sagte; "zumindest von der Lage her", schränkte Hennemann ein. Er machte auf den Eingangsbereich des Friedhofs aufmerksam, der nicht gerade repräsentativ gestaltet ist. Mit zwei Bäumen könnte man das Areal aufwerten. Der Treppenaufgang vom Parkplatz zum Friedhof, den das Gremium als "Stolperfalle" ansah, soll beseitigt werden. Etwas weiter oben findet sich eine behindertengerechte Rampe, die ebenso gut als Hauptzugang dienen kann. Auch in Eyrichshof sprach das Gremium Möglichkeiten an, ein großflächiges Urnenfeld anzubieten. Zudem ging es darum, die Flächen des Friedhofs mit seiner starken Hanglage besser zu formen und eine Rampe zu schaffen, über welche der Weg nach oben auch für Sargträger besser zu bewältigen ist.
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