Zeil am Main
Wirtschaft

Zeil will Zuckerfabrik-Gelände in Industriegebiet umwandeln

Der Stadtrat möchte einen Teil des früheren Zuckerfabrik-Geländes als Industriegebiet überplanen lassen. Das Rathaus hofft, damit die Chancen auf eine Betriebsansiedlung zu erhöhen. Konkrete Anfragen liegen indes nicht vor.
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Das ist das Gelände der früheren Zuckerfabrik in Zeil. Vier Silos und zwei Gebäude stehen noch. Alle anderen Bauten sind weggerissen worden. Der riesige Kamin wurde gesprengt. Die Stadt und der Südzucker-Konzern als Grundstücksbesitzer wollen jetzt das Areal als Industriegebiet überplanen lassen. Der Stadtrat stimmte dem Verfahren zu. Damit soll der Weg für Firmenansiedlungen geebnet werden.  Foto: Archiv
Das ist das Gelände der früheren Zuckerfabrik in Zeil. Vier Silos und zwei Gebäude stehen noch. Alle anderen Bauten sind weggerissen worden. Der riesige Kamin wurde gesprengt. Die Stadt und der Südzucker-Konzern als Grundstücksbesitzer wollen jetzt das Areal als Industriegebiet überplanen lassen. Der Stadtrat stimmte dem Verfahren zu. Damit soll der Weg für Firmenansiedlungen geebnet werden. Foto: Archiv
Vier Silos und zwei Gebäude stehen noch heute. Sie künden von dem einst mächtigen Betrieb, den es seit etwa zehn Jahren in Zeil nicht mehr gibt: von der Zuckerfabrik. Vor zehn Jahren hat der Südzucker-Konzern das Zeiler Werk abgebaut, die Technik für den Aufbau einer neuen Zuckerfabrik nach Baku in Aserbeidschan transportiert und nur noch die vier Silos sowie zwei weitere Gebäude auf dem Zeiler Areal erhalten.

In den Silos wird Zucker gelagert, der aus anderen Zuckerfabriken nach Zeil per Schiff oder Lastwagen gebracht wird. Sonst tut sich nicht mehr viel auf dem Gelände im Südwesten der Stadt. "Die Zucker", wie die Zeiler einst liebevoll den Betrieb nannten, ist Vergangenheit.

Viel Platz

Es ist viel Platz, der sich gut für andere Firmen eignen würde. Bisher hat sich aber nichts getan. Es gebe zwar immer wieder Anfragen von Unternehmen, bestätigte Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) am Dienstagabend im Zeiler Stadtrat, aber ernsthafte Gespräche oder Verhandlungen für eine Betriebsansiedlung hätten sich bisher nicht ergeben.

Um eine bessere Position zu haben, wollen die Stadt und der Südzucker-Konzern als Grundstücksbesitzer nun 35 Hektar des Areals als Industriegebiet planen lassen. Das würde das große Unternehmen in die eigene Hand nehmen, daher entstehen der Stadt keine Kosten. 35 Hektar reichen nach Ansicht der Stadt. Insgesamt ist das Gelände knapp 100 Hektar groß.

Eine solche Planung gebe mehr Sicherheit, sagte Stadelmann. Nur im Rahmen des Verfahrens können sowohl die Südzucker AG als auch die Stadt Zeil Klarheit bekommen, in welchem Umfang sich weitere Ansiedlungen auf diesem Gelände verwirklichen lassen. Wenn es Interesse für eine Betriebsansiedlung gebe, "dann kann man konkreter sagen: Es kann gebaut werden oder es kann nicht gebaut werden", erklärte Stadelmann in der Stadtratssitzung.

Gegen weiteres Abwarten

Ein weiteres Abwarten nach dem Motto "mal schauen, vielleicht kommt doch noch einmal der ideale Investor", ist nach Ansicht der Stadt nicht vertretbar. Wenn kein Bebauungsplan vorliege, der konkret aussagt, was geht und welche Auflagen zu erwarten sind, dann wird sich weiterhin nichts tun, betont die Stadtverwaltung. Und das meint auch der gesamte Stadtrat. Dazu kommt, dass Zeil Gewissheit haben möchte, was in Sachen Hochwasserschutz erforderlich ist. Denn das Gelände liegt in einem gefährdeten Bereich nahe dem Main.

Diskussionen

Nach den letzten starken Hochwasserfluten wurde intensiv diskutiert, wie solche Vorkommnisse verhindert werden können. Dabei war zu hören, dass gerade an den Oberläufen der Flüsse mehr Retentionsraum geschaffen werden muss. "Wenn weiter gewartet wird, dann gibt es derart verschärfte Gesetze, die eine weitere Bebauung des Geländes noch stärker einschränken", mahnt die Stadt.

CSU-Stadtrat Dieter Köpf brachte einen weiteren Wunsch vor. Im Zuge der Überplanung sollte der Knick, den die Umgehungsstraße neben der früheren Zuckerfabrik macht, beseitigt werden. Das sei ein neuralgischer Punkt, argumentierte er. "Das ist eingetaktet", versicherte Bürgermeister Thomas Stadelmann, dass das Anliegen in das Verfahren einbezogen wird.

Weitere Themen im Zeiler Stadtrat

Energie Ohne Diskussion hat der Zeiler Stadtrat den geänderten Entwurf des Regionalplans Main-Rhön gebilligt. "Wir könnten zwei Stunden diskutieren" über das Thema Energiewende und Windkraft, sagte Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD). Der Stadtrat tat es allerdings nicht in seiner Sitzung am Dienstagabend im Rathaus. Er akzeptierte einstimmig die Konzeption im Regionalplan für die Vorbehalts- und Vorrangflächen für Windräder. In der Gemarkung Zeil war vor der Änderung der Planung kein Standort für Windkraftanlagen markiert; das ist auch im neuen Entwurf so.

Breitband Zeil steigt jetzt in das Verfahren für den Ausbau des schnellen Internets ein. Die Vorgespräche seien geführt, jetzt werde das Projekt angepackt, sagte Bürgermeister Thomas Stadelmann. Als relevantes Gebiet will Zeil die gesamte Stadt einbeziehen. Der Freistaat Bayern gewährt Förderungen für die Versorgung.

Bildung Die Stadt Zeil will in die Jugendsozialarbeit an der Grundschule einsteigen. Darauf verständigte sich der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstagabend. An der Mittelschule gibt es seit Jahren schon Jugendsozialarbeit, und jetzt ist die Grundschulrektorin Conny Genslein an die Stadt herangetreten mit der Ankündigung, dass die Grundschule einen entsprechenden Antrag stellen werde, wie Bürgermeister Thomas Stadelmann berichtete. Laut Grundschule gebe es "sehr viel Gesprächsbedarf" und damit die Notwendigkeit für Sozialarbeit. Eine halbe Stelle möchte die Grundschule eingerichtet bekommen. Die Stadt will das Ansinnen unterstützen. Die Schulsozialarbeit "hat sich bewährt", sagte Stadelmann. Die Dritte Bürgermeisterin Adelinde Friedrich (CSU), die auch Leiterin das Jugendamtes am Landratsamt Haßberge in Haßfurt ist, machte darauf aufmerksam, dass die staatliche Förderung für die Jugendsozialarbeit an Grundschulen erst ab einem Migrationsanteil bei den Kindern von 20 Prozent beginne. Zeil habe den höchsten Wert im Landkreis mit über 16 Prozent. Der reicht aber nicht. Adelinde Friedrich machte aber Hoffnung, dass die 20-Prozent-Marke geändert werde und Zeil dann eventuell von Zuschüssen des Freistaates profitiere.

Urnengang Als Wahlleiter für die Kommunalwahl im März 2014 bestimmte der Zeiler Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstagabend im Rathaus den Stadtrat Ludwig Leisentritt (SPD). Sein Stellvertreter ist Stadtrat Karl-Heinz Schüberth (ÜZL). Beide treten 2014 nicht mehr als Kandidaten an und können deshalb diese Aufgabe übernehmen. Bei der Kommunalwahl wird Zeil einen weiteren, den dritten Briefwahlbezirk einführen. Bürgermeister Thomas Stadelmann rechnet mit 1300 bis 1500 Briefwählern, eher mit 1500, wie er vor dem Zeiler Stadtrat unterstrich.


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