Zeil am Main
1000-Jahr-Feier

Zeil ist aus einem Wirtschaftshof entstanden

Martin Schlegelmilch hielt den ersten von vier Vorträgen zur Geschichte der Stadt. Es war eine bewegte Zeit von 1018 bis 1631.
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Über die Stadtmauer berichtete Martin Schlegelmilch in seinem Vortrag. Große Teile der Mauer sind bis heute erhalten. Unser Bild zeigt den Bereich an den Grabengärten mit zwei markanten Türmen im Hintergrund: Stadtturm (links) und Pfarrkirche Sankt. Michael. Fotos: ks/sw (3)
Über die Stadtmauer berichtete Martin Schlegelmilch in seinem Vortrag. Große Teile der Mauer sind bis heute erhalten. Unser Bild zeigt den Bereich an den Grabengärten mit zwei markanten Türmen im Hintergrund: Stadtturm (links) und Pfarrkirche Sankt. Michael. Fotos: ks/sw (3)
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Die Zeiler interessieren sich für ihre Geschichte. Das zeigte die Resonanz auf den ersten von vier stadtgeschichtlichen Vorträgen im Rahmen der 1000-Jahr-Feier. Ein strahlender Martin Schlegelmilch trat ans Pult vor fast 300 Zuhörern im Rudolf-Winkler-Haus am Donnerstagabend. Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) dankte allen Zeilern, die sich privat oder im entsprechenden Arbeitskreis mit der Geschichte ihrer Stadt beschäftigen und zu deren Erforschung beitragen.

Martin Schlegelmilch betonte, dass Jubiläumsfeiern "nur dann Sinn machen, wenn sie auch dazu genutzt werden, sich die Geschichte bewusst zu machen". Zu dieser Bewusstseinsbildung trug er dann in 90 Minuten bei, in denen er auf die Jahre 1018 bis 1631 in Zeil einging. Gut verständlich, mit einigen Bildern und Karten optisch unterstützt, markierte er die Abschnitte der Geschichte, die einerseits belegt, andererseits prägend für die Entwicklung Zeils vom Wirtschaftshof "Zilin" hin zur Stadt mit Marktrecht, Gerichtsbarkeit und Stadtmauer waren. Martin Schlegelmilch betonte dabei, dass er für den Vortrag nicht wissenschaftlich gearbeitet habe, sich vielmehr auf die Zeiler Heimatforscher und jüngste Forschungen stütze. Außerdem wies er auf die zum Jubiläumsjahr erstellte Dokumentation Zeiler Denkmäler im Internet hin.

Martin Schlegelmilch erläuterte, dass der Wirtschaftshof Zilin, der in einem Herkunftsverzeichnis des Bamberger Klosters Michelsberg erwähnt wird, sicher schon länger bestand, doch die Ersterwähnung ist eben dieses Dokument von 1018. Daraus resultieren die 1000 Jahre, die Zeil heuer feiert. Die Burg, das Castrum Cilanum, habe es wohl schon um 1000 gegeben und in deren Schutz habe sich wohl eine Siedlung entwickelt aus verschiedenen Gehöften und Kleinsiedlungen. Ab dem 13. Jahrhundert habe es dann wohl das Dorf Zeil gegeben.

Auch auf die Herkunft des Namens ging er ein. Dazu gibt es zwei Herleitungen, nämlich aus dem althochdeutschen Wort für "Dorngebüsch" oder aus der Bezeichnung von "Grenze". Schließlich ist die Geschichte Zeils ganz wesentlich von ihrer Grenzlage zwischen den beiden Fürstbistümern Würzburg und Bamberg geprägt. Und wenn man weiß, dass eine Grenze damals aus einem Graben, einer Aufschüttung und darauf Dorngebüsch bestand, kommen beide Ansätze wieder zusammen. Für die Sprachwissenschaftler deutet die Endung auf "-n" von Zilin darauf hin, dass Zeil sogar 400 Jahre älter sein könnte, als bisher gedacht, "aber dafür fehlen uns die Nachweise", so Schlegelmilch.

Es ging immer hoch her an der Grenze der beiden Hochstifte, oft mussten die Bischöfe zu Schlichtungen anreisen, doch auch die wechselnden Fürstbischöfe lagen sich hier immer wieder in den Haaren. So folgte auf das Castrum Cilanum an der Stelle des heutigen Zeiler Käppele die Burg Schmachtenberg, die zu einer Zeit errichtet wurde, als die Zeit des Burgenbaus eigentlich vorbei war - ein Zeichen dafür, dass hier immer Spannungen bestanden, nicht nur im Bauernkrieg. Die Zuhörer erfuhren vom ersten Kirchenbau im 14. Jahrhundert. Best erhaltenes Zeugnis aus dieser Zeit ist die alte Sakristei mit ihren Fresken. Auch die Anna-Kapelle kann viele Geschichten erzählen. Ihr Gewölbekeller war einst Ossarium, 1939 wurde er zum Luftschutzbunker umgebaut.

Von den Schäden, die die legendäre Magdalenenflut 1342 anrichtete, ist in Zeil im Gegensatz zu anderen Regionen Deutschlands kaum etwas aufgezeichnet, doch die Folgen waren spektakulär: Die Flut nahm so viel fruchtbaren Boden mit wie 1000 Jahre Erosion. Die Folge waren Missernten und Hungersnöte. Ganze Dörfer wurden weggeschwemmt, Familien ausgelöscht. Und der Main hatte sich ein neues Bett gesucht, die Besitzverhältnisse im Maintal mussten komplett neu geordnet werden. Die Folgen der Flut bereiteten durch Heuschrecken- und Rattenplage schließlich auch der Pest den Boden.

Martin Schlegelmilch nahm die Magdalenenflut und ihre verheerenden Folgen zum Anlass, die Anwesenden zum Kampf gegen die Erderwärmung aufzufordern.

Viel erfuhren die Zuhörer über das frühere Steuer- und Abgabenwesen, aber auch dass Mitte des 14. Jahrhunderts in Zeil 64 Hektar Weinberge bewirtschaftet wurden. 1379 begann dann auch der Prozess der Stadt-Werdung, erläuterte Schlegelmilch. In einem Bischofsbrief aus diesem Jahr ist zwar noch die Rede von einem Dorf, aber gleichzeitig bekommt Zeil die ersten Privilegien, die eigentlich nur einer Stadt zustehen, unter anderem die Gerichtsbarkeit. Zwei weitere wichtige Schritte waren das Marktrecht 1397 und schließlich der Bau der Stadtmauer ab 1425. Rund 50 Jahre lang dauerte der Bau der 960 Meter langen Wehranlage, deren Türme dann in der Hexenverfolgung eine so unrühmliche Rolle als Kerker spielten. Bis 1819 stand das Untere Tor, heute gibt es nur noch den Oberen Turm, der das Hexen-Dokumentationszentrum beherbergt. Reste der Stadtmauer gibt es noch an vielen Stellen und der letzte Mauerturm steht in der Nähe des heutigen Finanzamts.

Auch Reformation und Gegenreformation schlugen in Zeil hohe Wellen und die Wunden wirkten lange nach, so Martin Schlegelmilch. Umso stolzer äußerte er sich über die gute Ökumene, die in den letzten Jahrzehnten in Zeil gelebt wird.

Mit der Hexenverfolgung von 1616 bis 1631 schloss Schlegelmilchs Vortrag. Der Hexenwahn der Fürstbischöfe in Bamberg habe dazu geführt, dass in Zeil rund 420 unschuldige Menschen hingerichtet wurden. "Ohne die Folter hätte es in Zeil nie eine Hexe gegeben", zitierte Martin Schlegelmilch den Heimatforscher Ludwig Leisentritt und forderte dazu auf, die Folter weltweit zu ächten.

Abschließend überreichte Martin Schlegelmilch an Bürgermeister Thomas Stadelmann seinen Vortrag in schriftlicher Form und kündigte an, dass die drei kommenden Vorträge der Stadt ebenfalls zur Verfügung gestellt werden. Bürgermeister Thomas Stadelmann versprach, diese Abhandlungen eventuell als Broschüre oder Buch herauszugeben. Anstelle eines Eintritts war im Rudolf-Winkler-Haus eine Spendenbox aufgestellt. "Und die vier Referenten werden am Ende über die Verwendung des Inhalts entscheiden", erklärte der Bürgermeister.

Die weiteren Geschichtsepochen werden in weiteren Vorträgen aufgearbeitet, und zwar am 17. Mai von Alois Umlauf, am 21. September von Ludwig Leisentritt und am 18. Oktober von Christoph Winkler. "Eine Teilnahme wie heute ist das schönste Geschenk, das Sie uns Referenten machen können", erklärte Martin Schlegelmilch.

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