Auf der einen Seite stehen die Jäger, die ihr Revier in Ordnung halten und verhindern wollen, dass das Wild gestört wird. Auf der anderen Seite die Hundebesitzer, die ihren Vierbeiner lieben und ihm gerne freien Auslauf gönnen. Immer wieder kommt es zwischen diesen Gruppen zum Krach. Manchmal landet der sogar vor Gericht.

Am 29. Februar dieses Jahres führte in den Morgenstunden eine Frau ihren vierbeinigen Liebling aus. Auf einer Wiese warf sie ihrem "Bello" einen Ball zu, mit dem der Vierbeiner dankbar herumtollte. Zufällig fuhr der zuständige Jagdpächter in der Nähe mit seinem Auto vorbei. Er hielt bei der Frau, kurbelte sein Fenster runter und belehrte sie: "Hier ist ein Naturschutzgebiet - da müssen Sie ihren Hund anleinen."

Rehe tauchen auf


Nachdem er eine kurze Strecke weitergefahren war, sprangen plötzlich einige Rehe kurz vor seinem Auto über den Weg. Der Jäger musste eine Vollbremsung hinlegen, im Wagen seine beiden tobenden Jagdhunde. Als er seitlich unverhofft den Hund der eben ermahnten Frau sah, war er "auf Hundertachtzig". Er drehte und steuerte zu der Hundebesitzerin zurück.

Was dann geschah, darüber gab es zwei Versionen. Der Waidmann behauptete, er habe die Frau mit den Worten "Ich lasse mich von Ihnen nicht verarschen!" angeschrieen und sie lautstark darauf hingewiesen, dass er den Hund erschießen werde, wenn er wildere.

Sichtlich aufgewühlt präsentierte die als Nebenklägerin auftretende Frau im Zeugenstand eine andere Geschichte. Demnach habe der Revierpächter sie äußerst aggressiv angebrüllt. Unter anderem sei der beleidigende Satz gefallen: "Leck mich doch am Arsch." Dann habe der ergrimmte Jäger von der Mittelkonsole sein Gewehr in die Hand genommen und damit gedroht, dass er schießen werde, sagte sie.

Strafbefehl bleibt


Aussage stand gegen Aussage. Staatsanwältin Nora Reim hielt jedoch die Zeugenaussage der Nebenklägerin für glaubwürdiger und forderte eine Geldstrafe. Verteidiger Ludwig Christ dagegen sah erhebliche Zweifel und verlangte nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" (im Zweifel für den Angeklagten) einen Freispruch.

Richter Roland Wiltschka, selber Jäger, beließ es bei dem vorher ergangenen Strafbefehl von 15 Tagessätzen á 35 Euro. "Indem Sie die Frau angebrüllt haben, haben Sie der Jägerschaft keinen Gefallen getan", stellte er fest. Und die Hundebesitzerin belehrte er, zukünftig im Naturschutzgebiet ihren Vierbeiner anzuleinen.