LKR Haßberge

Wo setzt der Wähler sein Kreuz?

Am Sonntag können knapp 70.000 Bürger im Kreis Haßberge über den neuen Landrat, den Kreistag sowie die Stadt- und Gemeinderäte und in den meisten Fällen auch über den Bürgermeister entscheiden. Es gibt einiges zu beachten.
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Michael Schor zeigt den größten Stimmzettel für die Kommunalwahl und zum Vergleich einen "normalen" Stimmzettel. Der große weiße Bogen ist der Stimmzettel für die Kreistagswahl mit acht Listen. Der kleinere, grüne Stimmzettel ist der Wahlzettel für die Gemeinderatswahl in der Gemeinde Riedbach mit fünf Gruppierungen. Foto: Klaus Schmitt
Michael Schor zeigt den größten Stimmzettel für die Kommunalwahl und zum Vergleich einen "normalen" Stimmzettel. Der große weiße Bogen ist der Stimmzettel für die Kreistagswahl mit acht Listen. Der kleinere, grüne Stimmzettel ist der Wahlzettel für die Gemeinderatswahl in der Gemeinde Riedbach mit fünf Gruppierungen. Foto: Klaus Schmitt
Michael Schor ist im Wahlfieber. Seit einem dreiviertel Jahr. Und so schnell wird er es auch nicht los. Erst haben den Wahlsachbearbeiter in der Abteilung Kommunalwesen im Landratsamt Haßberge in Haßfurt die Bundestags- sowie die Landtagswahlen beschäftigt. Seit Herbst steckt er mitten in den Vorbereitungen für die Kommunalwahlen, die am kommenden Sonntag, 16. März, stattfinden, und die gehen fast nahtlos in die Europawahl im Mai über. Für den 40-Jährigen waren die Wahlen bisher schon "aufregend", und es "wird noch aufregender", ist sich Schor sicher. Er ist gleichzeitig auch stellvertretender Wahlleiter für den Landkreis. Der Wahlleiter ist sein Kollege Thomas Albert.

Im Landratsamt laufen am Sonntag die Fäden der Kommunalwahlen zusammen.
Die fast 70.000 Wahlberechtigten treffen auf vier Stimmzetteln (in vier Kommunen sind es nur drei Stimmzettel) die Entscheidung, wer in den nächsten sechs Jahren das Personal in der Kommunalpolitik im Landkreis Haßberge stellt, wer an der Spitze einer Gemeinde, einer Stadt oder des Kreises steht.

Der Landkreis bekommt auf jeden Fall einen neuen Landrat. Rudolf Handwerker (CSU) tritt nicht mehr an. Der 70-Jährige war 1990 erstmals zum Landrat des Landkreises Haßberge berufen worden.

Um seine Nachfolge bemühen sich sechs Kandidaten. Das sind Wilhelm Schneider (CSU) aus Maroldsweisach, Bernhard Ruß (SPD) aus Sand, Rita Stäblein (Grüne) aus Eltmann, Birgit Bayer (Freie Wähler) aus Humprechtshausen, Sabine Schmidt (Linke) aus Sand und Klemens Albert (ÖDP) aus Kraisdorf. Experten gehen davon aus, dass es am Sonntag noch keine Entscheidung gibt und eine Stichwahl nötig wird (zwei Wochen später würde erneut gewählt).

Das könnte auch bei einigen Bürgermeisterwahlen so sein. In mehreren Kommunen treten nämlich drei Kandidaten an.

Überhaupt keine Bürgermeisterwahlen gibt es in Sand, Hofheim, Theres und Wonfurt. Nur einen Kandidaten haben die Wähler auf ihrem Stimmzettel in Breitbrunn, Bundorf, Eltmann Untermerzbach und Zeil stehen.
Für die Wähler sind die Landrats- und die Bürgermeisterwahl am einfachsten. Jeweils eine Stimme können sie vergeben.

Komplizierter wird es bei den Gemeinderats- sowie Stadtratswahlen und bei der Kreistagswahl. Im Prinzip gilt: Es können so viele Kreuzchen gesetzt werden, wie es Sitze gibt. Bei Kommunen unter 3000 Einwohner ist es möglich, bis zur doppelten Zahl der Sitze Stimmen zu vergeben. Entscheidend für die Besetzung der Ratsgremien ist die Gesamtzahl der Stimmen, die eine Partei/Wählergruppe erhält. Worauf ist besonders zu achten?

Listenkreuze: Wer es sich leicht machen möchte, setzt nur ein Listenkreuz. Dann erhält jeder der Kandidaten auf dieser Liste eine Stimme. Bewerber, die mehrfach aufgeführt sind, werden entsprechend ihrer Mehrfachnennung berücksichtigt. Mehr als drei Stimmen pro Kandidat sind nicht möglich.

Kumulieren: Einzelne Bewerber dürfen bis zu maximal drei Stimmen erhalten. Die Gesamtstimmenzahl, die auf jedem Stimmzettel steht, darf jedoch nicht überschritten werden.

Panaschieren: Die Wähler können Kandidaten auf verschiedenen Listen ankreuzen. Die Zahl der Listen variiert von Gemeinde zu Gemeinde. Für den Kreistag Haßberge bewerben sich acht Listen.

Kombination: Wer nicht alle Stimmen für einzelne Kandidaten verwenden will, kann zusätzlich eine Liste ankreuzen. Dort erhalten dann die aufgeführten Kandidaten, sofern sie nicht einzeln angekreuzt oder auch gestrichen sind, in der Reihenfolge ab Platz eins je eine Stimme, abhängig von der verbliebenen Stimmenzahl. Ein zusätzliches Listenkreuz wirkt sich nur dann aus, wenn die Höchststimmenzahl noch nicht ausgeschöpft wurde. Ein zweites Listenkreuz führt bei Einzelstimmenvergabe dazu, dass nur noch die Einzelstimmen zählen.

Streichungen: Wer einzelne Kandidaten in einer Gruppe nicht mag, aber die Gesamtheit mit einem Listenkreuz belohnen will, kann die betreffenden Namen durchstreichen und so indirekt Einfluss auf die Zusammensetzung des Gremiums nehmen.

Ungültig: Nicht gültig sind Stimmzettel, bei denen der Wille des Wählers nicht eindeutig zu erkennen ist, etwa, wenn zwei oder mehr Listenkreuze ohne Einzelstimmen vergeben wurden. Nicht gewertet werden Stimmzettel, die leer abgegeben wurden oder bei denen die Gesamtstimmenzahl, die jeweils auf dem Stimmzettel für jede Gemeinde oder Stadt oder den Kreistag angegeben ist, überschritten wird. Nicht zuletzt verzichten Wähler auf ihr Wahlrecht, wenn sie auf dem Stimmzettel zusätzliche Bemerkungen oder Kennzeichen anbringen.


Fast 70.000 Bürger sind aufgerufen

Bei den Kommunalwahlen am Sonntag, 16. März, sind knapp 70.000 Bürger im Kreis Haßberge wahlberechtigt. Eine Zahl zum Vergleich: Der Landkreis hat derzeit knapp 85.000 Einwohner.

Eingeteilt ist das Gebiet des Landkreises mit seinen insgesamt 26 Städten und Gemeinden in 212 Stimmbezirke. Diese Zahl kann sich bis zum Wahlsonntag eventuell sogar leicht ändern, wie Michael Schor vom Landratsamt erklärt, wenn etwa Kommunen einen weiteren Briefwahlbezirk bilden (aus einem werden zwei Bezirke).

Rund 85 bis 90 Prozent der Kommunen zählen EDV-gestützt aus. Dazu werden teilweise Barcodes benutzt, die auf den Stimmzetteln aufgetragen sind. Bei den Wahlen 2002 ist die elektronische Wahlauswertung eingeführt worden.


Immer mehr Briefwähler

Der Trend, der sich schon bei den zurückliegenden Wahlen abgezeichnet hat, setzt sich fort: Immer mehr Bürger geben ihre Stimmen per Briefwahl ab. "Die Tendenz geht fast gegen 50 Prozent", beschreibt Michael Schor vom Landratsamt Haßberge in Haßfurt diese Entwicklung. Möglich gemacht hat sie der Gesetzgeber. Denn mittlerweile sind keine Voraussetzungen mehr nötig, um Briefwähler zu werden. Früher hatte man einen Grund angeben müssen (zum Beispiel: eine Abwesenheit am Wahltag oder Krankheit).

Der Trend zur Briefwahl hat Folgen für Gemeinden, vor allem für die kleinen Wahllokale. Die können nur fortbestehen, wenn es genügend Wähler gibt, die dort ihre Stimmzettel in die Urne werfen. Werden es zu wenige Wähler, besteht die Gefahr, dass das Wahlgeheimnis nicht mehr gewahrt wird. Die Folge: Wahllokale müssen zusammengelegt werden.


Im Internet

Wie geht's? Wer wissen will, wie er wählen kann oder muss, kann den Probestimmzettel im Internet nutzen. Der steht etwa für die Kreistagswahl auf der Homepage des Kreises Haßberge (www.hassberge.de) und ist unter dem Stichwort Kommunalwahl zu finden. Der Computer sagt dem Nutzer sofort, wie viele Stimmen er noch vergeben kann und wann ein Stimmzettel ungültig wird. Gemeinden haben teilweise ähnliche Angebote im Internet.

So läuft's! Die Bürger im Kreis Haßberge können die Ergebnisse der Stimmenauszählung bei der Kommunalwahl am 16. März im Internet mitverfolgen. Unter www.hassberge.de sind die eingehenden Schnellmeldungen aus den 26 Städten, Märkten und Gemeinden einzusehen. Ergebnisse, Informationen und Stimmen gibt's auch beim FT.
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