LKR Haßberge
Weinlese

Winzer aus dem Landkreis Haßberge freuen sich über gesunde Trauben und eine gute Qualität

Die Weinlese in der Region geht zu Ende. Während die Hitze im Sommer vor allem dem Bacchus zusetzte, erwies sich der nasse Mai als Segen für den 2019er-Weinjahrgang.
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Bernd Sterzer aus Hirschaid half bei der Weinlese in den Hängen bei Ziegelanger. Fotos: Rebecca Vogt
Bernd Sterzer aus Hirschaid half bei der Weinlese in den Hängen bei Ziegelanger. Fotos: Rebecca Vogt
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Bernd Sterzer ist mit Arbeitshandschuhen und Gartenschere bewaffnet. Meter für Meter arbeitet er sich voran. Schnipp! Schon muss die nächste Weintraube dran glauben. Sterzer trennt sie vom Weinstock, dann wandern die Früchte in eine orangene Kiste zu seinen Füßen. Während er sich im Weinberg voran arbeitet, unterhält sich Sterzer mit seinem Gegenüber auf der anderen Seite der Rebstöcke. Es wird viel gescherzt und gelacht. "Ich habe vergangenes Jahr mal reingeschnuppert", sagt Sterzer. Die gute Unterhaltung und die mit der Arbeit verbundene Bewegung haben ihn auch in diesem Jahr wieder zur Weinlese auf die Hänge bei Ziegelanger nahe Zeil kommen lassen.

"Um 7 Uhr bin ich bei mir zuhause in Hirschaid losgefahren", erzählt der 64-Jährige. Auch vom Regen, der vergangene Woche die Haßberge erreichte, haben sich die Helfer im Weinberg nicht aufhalten lassen, wie Sterzer berichtet. "Ich hab' gesagt: ,Wenn die Unterhose patsch nass ist, geh ich heim.‘ Das war aber nicht der Fall", sagt er und lacht. Dann wendet er sich wieder den Weintrauben zu. Schnipp! Die Nächste fällt in die orangene Kiste.

Wenige Reihen weiter fährt Roger Nüßlein mit einem grünen Traktor durch den Weinberg. Zwei Helfer beladen das Gefährt mit den frisch geernteten Trauben. Am Fuß des Hangs kippt Nüßlein diese in mehrere große graue Behälter. Dann geht es mit dem Traktor wieder den Berg hinauf.

Bauernregel bestätigt sich

"Wir haben einen guten Ertrag einfahren können", zieht der Zeiler Weinbauer wenige Tage später bei einem Gespräch in seinem Weinhaus Bilanz. Die Qualität der Weintrauben sei "gut bis sehr gut". Das Jahr war vom Witterungsverlauf her schwierig, wie Nüßlein berichtet. Er verweist auf das nasse Frühjahr - was sich aber im Nachhinein als Glücksfall erwiesen habe. "Es gibt eine Bauernregel, die besagt: ,Ist der Mai kalt und nass, füllt's dem Bauern Scheune und Fass.‘ Das hat sich heuer bewahrheitet."

Der Sommer 2019 war von großer Trockenheit und extrem hohen Temperaturen geprägt. Bei einigen Sorten kam es zu Verbrennungen an den Traubenständen (wir berichteten). "Der Bacchus ist eine Sorte, die eher verloren hat - in Franken insgesamt", sagt Nüßlein. "Viele Trauben sind am Stock verbrannt." Der trockene Herbstanfang indes bescherte dem Winzer bei den Sorten, die von der Hitze des Sommers nicht gezeichnet wurden, zur Lese "sehr gesunde Trauben".

Nüßlein geht von einem fruchtigen, aromatischen und reintönigen Weinjahrgang aus. Seitens der Mostgewichte, die letztendlich den Alkoholgehalt des Weins bestimmen, sei ein leichterer Jahrgang als im vergangenen Jahr zu erwarten. Damals musste der Wein aufgrund des hohen Mostgewichts der Trauben teilweise früher als geplant geerntet werden.

Auch Christian Zehendner, Winzer aus Gleisenau bei Ebelsbach, spricht mit Blick auf die diesjährige Ernte von einer hohen Qualität und sehr gesunden Trauben. Aufgrund der Trockenheit sei einzig die Menge problematisch - zum Beispiel beim Silvaner. "Die Trauben sahen optisch gut aus", sagt Zehendner. Jedoch sei ihr Saftgehalt zu gering gewesen.

Klimawandel seit Langem spürbar

Roger Nüßlein erklärt, dass der Klimawandel ein Thema sei, "das die Winzer schon seit Jahrzehnten umtreibt". Über einen Zeitraum von zehn Jahren würden sich Austrieb, Blüte und Reife etwa um eine Woche nach vorne verschieben. "Durch den Klimawandel ist zum Beispiel die Gefahr von Frost größer geworden", sagt der Winzer. Denn die Reben treiben schon Mitte April aus und müssen dann die Eisheiligen im Mai überstehen.

Auch am anderen Ende der Anbauzeit macht sich der Klimawandel bemerkbar. "Der Goldene Oktober spielt im fränkischen Weinbau eigentlich keine Rolle mehr", sagt Nüßlein. Das hat unter anderem Auswirkungen auf den Eiswein. Denn je früher die eigentliche Lese abgeschlossen ist, desto länger müssen die Trauben an den Rebstöcken bleiben, um bei zehn Grad minus als Eiswein geerntet werden zu können. Zu diesem Zeitpunkt noch gesunde Trauben für den Eiswein zu haben, werde zunehmend schwieriger.

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Der Zeiler Winzer erklärt, dass zukünftig eher Sorten, die ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet sind, für die Region relevant werden. "Für Rebsorten wie Bacchus oder Müller-Thurgau hingegen wird das Klima bei uns zu heiß." Nüßlein plant für die Zukunft außerdem Weinberge mit Querterrassierung. Zum einen, um Erosion an den steilen Hängen zu vermeiden, zum anderem, um die Wasserverfügbarkeit zu erhöhen und die Gefahr von Sonnenbrand zu verringern. Eine Investition für den Weinbau in der nächsten Generation.

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