Kirchlauter
Kooperation

"Win win" für Bauern und Imker

In Kirchlauter warben Imker und Kreisgartenbauverband bei den Bauern dafür, mehr Blütensaatmischungen einzusetzen. Die Bienen brauchen Futter nach dem Frühjahr.
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In der Natur finden die Bienen angesichts gespritzter Felder und ausgeputzter Landstriche zu wenige Blüten, die sie anfliegen können. Das soll sich ändern.  Foto: René Ruprecht
In der Natur finden die Bienen angesichts gespritzter Felder und ausgeputzter Landstriche zu wenige Blüten, die sie anfliegen können. Das soll sich ändern. Foto: René Ruprecht
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"Wir haben in unserer Landschaft nur noch wenig Wiesenflächen, und nach der Obstbaum- und Rapsblüte im Frühjahr ist es mit Blühpflanzen schlecht bestellt. Wenn wir deswegen blütenreiche Mischungen ansäen, hat jeder etwas davon. Je mehr Anwender wir finden, desto größer wird das Nahrungsangebot für die Bienen." Kreisfachberater Johannes Bayer machte sich vor Imkern und Obmännern des Bayerischen Bauernverbands (BBV) stark für das gemeinsame Vorgehen. Die Vertreter der Imkervereine Kirchlauter und Umgebung trafen sich mit Landwirten im "Oskar-Kandler-Zentrum".

Die Menschheit sitze in einem Boot. Bauern, Gartler und Imker seien die, die nahe beieinander sitzen, betonte Imkervereinsvorsitzender Peter Kirchner. Ein größeres Nahrungsangebot für die Bienen ist dringend nötig.
Und da ist für Kirchner die Zusammenarbeit mehr als sinnvoll.
Er freut sich, dass gerade im Umfeld Kirchlauter offenbar Bauern und Imker füreinander Verständnis aufbringen. Kirchner lobte den Landwirt Norbert Hemmerich aus Schönbach. Er baut Raps an und wandte sich selbst an die Imker, ob die in diese Anbaufläche nicht Bienen stellen wollten. "Das wurde zu einem Win-win-Geschäft. Der Bauer hatte mehr Ertrag, und wir Imker hatten mehr Honig."
Ähnlich sei es bei Landwirt Harald Schäfer gewesen, der einsah, dass sich eine Randfläche von 400 Quadratmetern nicht für eine sinnvolle Bewirtschaftung rentiert. Deswegen habe er darauf eine Blütenmischung für Bienen gesät. In etlichen weiteren Beispielen wirkten sich Blühmischungen positiv aus. Gerade die "Veitshöchheimer Bienenweide" sei für Bienen wie Hummeln, Hornissen und Wes-pen ein Paradies.


Die Rehe mögen es auch

Zum Teil gegensätzliche Sichtweisen sprach Kirchner mit einem Beispiel von Kreisobmann Klaus Merkel an. Der hatte an der Straße von Mariaburghausen nach Wonfurt eine Blütenmischung gesät (Lebensraum I), bei der es auch zu Rehunfällen gekommen war. Jäger forderten, die Fläche wieder umzugestalten. Für die Imker sei die Fläche gut gewesen. Kirchner verhehlte nicht, dass es auch in der Hand der Bauern liege, bestimmte Pflanzenschutzmittel nicht zu verwenden, die die Bienen schädigen.


Ertrag ist mit Bienen besser

"Stille Nutzer", wusste Kirchner, hätten im Landkreis Haßberge von den Bienen einen Vorteil von 3,7 Millionen Euro pro Jahr. Der Imkervereinsvorsitzende erörterte den Nutzen der 2050 Bienenvölker im Kreis. Je Volk rechnet man mit gut 25 Kilogramm Honig pro Jahr. Bei acht Euro je Kilo hätten die Imker damit selbst rund 410 000 Euro an Einnahmen. Auch die Rapsbauern profitieren. 2014 wurden im Kreis 3987 Hektar Raps angebaut. Durchschnittsertrag 42 Dezitonnen. Ergibt bei 30 Euro je Dezitonne fünf Millionen Euro: "Raps braucht keine Bestäubung durch Bienen, aber bei Bienenbeflug ist der Ertrag um bis zu 50 Prozent höher." Eine Ertragsmehrung von einer Million Euro - bescheiden gerechnet - sah Kirchner für die Landwirte durch die Bienen als Realität. "Wir Imker gönnen das den Bauern nicht nur, nein, wir sind dankbar, denn wir ernten durch den Rapsanbau auch guten Honig." Aber nach dem Raps im Frühjahr bräuchten die Bienen Futter.
Kreisfachberater Johannes Bayer informierte die Imker und Landwirte über die Erfahrungen mit blütenreichen Saatmischungen und ihren richtigen Einsatz. In der Blumenstadt Mössingen (Baden-Württemberg) werden auf allen öffentlichen Flächen Blütenmischungen gesät. So ist regelmäßiges Mähen unnötig. In Haar bei München setzt man auf mehrjährige Heimatpflanzen. Auch die Landwirtschaft reagiert, wie Bayer meinte, mit Blühstreifen in Äckern oder am Feldrand. Im Rahmen des Kulturlandschafts-Programms (Kulap) gibt es für das Saatgut Ausgleichszahlungen. Genauer beschrieb er das Wirken von Saatgutmischungen.


Erstmals "Haßberg-Mischung"

Der Kreisverband hat sich laut Bayer dazu entschlossen, eigene "Haßberg-Mischungen" mit den Namen "Landschaft" sowie "Dorf und Stadt" herzustellen und anzubieten. Die gibt es heuer für die Obst- und Gartenbauvereine und Interessenten. "Diese eigene Mischung habe ich selbst entwickelt als mehrjährige Blumenmischung aus 41 Pflanzen. Sie ist deswegen zwar etwas teurer, weil uns hierzu die Mengen fehlen, aber für kleine Flächen ist sie vertretbar", betonte Johannes Bayer. Im Landkreis machten bereits Obst- und Gartenbauvereine über zwei Jahre mit anderen Mischungen den Anfang.
Schließlich berichtete Peter Kirchner noch von Aktivitäten im Verein und am Lehrbienenstand: Mehr als 400 Personen besuchten die 15 Kurse. Außerdem wurden 16 Gruppen mit mehr als 300 Teilnehmern durch den Lehrbienenstand geführt.
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