Staffelbach
Strafprozess

Unterschenkel des Beifahrers musste amputiert werden: Mann (41) in Bamberg verurteilt

Ein 41 Jahre alter Mann aus dem Kreis Haßberge muss sich seit Freitag für seine rabiaten Fahrmanöver verantworten. Er hatte sich in und um Bamberg mit der Polizei wilde Verfolgungsjagden geliefert.
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An einem Baum bei Staffelbach endete damals die Flucht des heute 41-Jährigen. Er und sein Beifahrer wurden schwer verletzt.  Archiv/News5/Ferdinand Merzbach
An einem Baum bei Staffelbach endete damals die Flucht des heute 41-Jährigen. Er und sein Beifahrer wurden schwer verletzt. Archiv/News5/Ferdinand Merzbach
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Was da am Freitagabend des 2. März 2018 und ein Jahr zuvor in der Stadt Bamberg sowie in den Landkreisen Bamberg und Haßberge ablief, hätte aus einer schlechten amerikanischen Actionserie stammen können. Ein 41-jähriger Handwerker aus dem Kreis Haßberge soll sich im Drogenrausch wilde Verfolgungsjagden mit der Polizei geliefert, mehrfach seine Verfolger gerammt und einen schweren Unfall verursacht haben. Am Landgericht in Bamberg beschäftigt sich nun die dritte Strafkammer mit den Vorkommnissen. Der Beschuldigte wurde aus der Untersuchungshaft zum Strafprozess gebracht.


Verfolgungsjagd durch Bamberg und den Landkreis

Für die beiden Streifenpolizisten schien es eine ganz normale Verkehrskontrolle zu sein. Als sie einen Kleintransporter in der Adam-Krafft-Straße in Bamberg anhielten und ausstiegen, beschleunigte das
Fahrzeug allerdings und raste den beiden Beamten davon. In wahnwitzigem Tempo ging es kreuz und quer durch Bamberg. Bald waren es mehrere Streifenwagen und Zivilstreifen der Polizei, die sich mit Blaulicht und Martinshorn an die Verfolgung des Flüchtigen machten. Der nahm keine Rücksicht auf rote Ampeln, wartende Busse, entgegenkommenden Verkehr oder etwa Radfahrer. Einer von ihnen konnte sich in Bahnhofsnähe nur durch einen beherzten Sprung in die Büsche neben dem Radweg vor dem mit geschätzt 80 Stundenkilometern heranrasenden Kleintransporter in Sicherheit bringen.

Und schon gar nicht reagierte der Fahrer auf Polizeifahrzeuge, die ihm den Weg absperren oder ihn zum Anhalten zwingen wollten. Dabei kam es mehrfach zu Beinahe-Zusammenstößen, die nur durch das Ausweichen der Polizeistreifen vermieden werden konnten. Die Irrfahrt ging dann weiter Richtung Hallstadt, Dörfleins und Unterhaid, wobei der Fluchtwagen inmitten der Straße fuhr, um das Überholen durch die Verfolger zu verhindern. Als die Polizeibeamten es dennoch versuchten, wurden sie erst nach links abgedrängt und kurz darauf in die Seite gerammt. Nach einem kurzen Ausflug auf den Seitenstreifen war der Verfolger aber wieder hinter dem Kleintransporter her.


Bei Staffelbach Polizeifahrzeug gerammt

Als sich die Situation dann auf der Strecke nach Staffelbach noch einmal wiederholte, gelang es dem Flüchtigen, das Polizeiauto zu rammen und es ins Schleudern zu bringen. Die übrigen Einsatzfahrzeuge setzten jedoch hinterher. Zwischen Staffelbach und Appendorf verlor der Fahrer dann endgültig die Kontrolle über sein Fahrzeug. Dabei prallte der Kleintransporter nach neuerlichem
Ramm-Manöver nun selbst gegen einen am Straßenrand stehenden Baum.

Der Angeklagte erlitt dabei ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und einen Beckenbruch und wurde mit dem Rettungshubschrauber ausgeflogen. Seinen 36-jährigen Schwager auf dem Beifahrersitz traf es noch härter. Er wurde im Wrack eingeklemmt und musste von der Feuerwehr herausgeschnitten werden. Bei dem Crash hatte er sich an beiden Beinen so schwer verletzt, dass sein rechter Fuß in einer Notoperation amputiert werden musste. Die finanzielle Bilanz der Amokfahrt: Ein Sachschaden von über 36 000 Euro an den Polizeiwagen.

Bereits ein Jahr zuvor hatte es einen ähnlichen Vorfall mit dem heute 41-Jährigen im Landkreis Haßberge gegeben. Wieder handelte es sich um eine polizeiliche Verkehrskontrolle. Diesmal aber um einen Pkw mit Anhänger, der einer Streife in Kirchaich ins Auge gefallen war. Als das Gespann den Ort Richtung Lembach hinter sich gelassen hatte, flog es mit weit über 100 Stundenkilometern über die Landstraße. Eine hohe Geschwindigkeit behielt der Fahrer auch bei, als er durch Lembach kam, selbst in der dortigen 30-er Zone, als er in einer Kurve mit seinem Anhänger umzukippen drohte. Dazu nutzte er auch die Gegenfahrbahn und hatte erneut keine Skrupel, seine Verfolger von der Seite zu rammen. Kurz vor Priesendorf bog er dann auf einen völlig vereisten Feldweg ab, wobei er in der Nähe der Gemeinde Viereth-Trunstadt mit seinem Gespann einen Abhang hinunterrutschte. Dabei sprang sein Beifahrer aus dem Auto und konnte festgenommen werden. Der Angeklagte selbst soll, nachdem er mit seinem Wagen in einem Graben gelandet war, sich dann unerkannt durch ein Waldstück aus dem Staub gemacht haben.

In der Anklageschrift war von 14 Fällen des vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, ebenso vielen Fällen der versuchten gefährlichen Körperverletzung, 13 Fällen von Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen, Nötigung, sowie fahrlässiger und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs die Rede. Vor der Strafkammer des Landgerichtes Bamberg sind noch weitere drei Verhandlungstage angesetzt
(18., 19. und 22. Juni, jeweils 9 Uhr), die Richter Markus Reznik für die umfangreiche Befragung der Zeugen benötigen wird.
Der Angeklagte selbst äußerte sich zum Prozessauftakt am Freitag nicht. Sein Verteidiger , der Rechtsanwalt Jochen Kaller (Bamberg), erklärte, sein Mandant stehe einer Übermacht von 13 Beamten gegenüber, deren Aussagen geglaubt werde. Da sei es doch egal, was der Angeklagte sage. Und deshalb schweige er.


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