Haßfurt
Strafprozess

Wiederholungstäter soll hinter Gitter

Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen vorbelasteten Dieb zu einer Gefängnisstrafe. Der Angeklagte entschuldigt sich mit einer schwierigen Lebenssituation.
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Im Gerichtssaal erlebt man es immer wieder: Ein Angeklagter muss sich wegen einer sogenannten Lappalie verantworten. Aber weil er einschlägige Vorstrafen hat und unter laufender Bewährung steht, kommt es zu einer drakonischen Strafe. Diesmal traf es einen 38-jährigen Mann, der in einem Haßfurter Modeshop drei billige Fleecejacken geklaut hatte. Die noch nicht rechtkräftige Strafe am Amtsgericht in Haßfurt: Der Mann muss für vier Monate in den Knast.

Staatsanwältin Andrea Götz trug in ihrer Anklageschrift vor, dass die Jacken insgesamt einen Wert von 45 Euro hatten. Der Diebstahl geschah vor einem guten Jahr am 16. November. Die Verkäuferin, die den Vorgang beobachtet hatte, war als Zeugin geladen. Da sie nicht erschienen war, wurde mit Einverständnis aller Prozessbeteiligten ihre protokollierte Aussage bei der Polizei verlesen.

Die Frau hatte damals aus dem Fenster ihres Ladens geschaut, als sich der mit einer Lederjacke bekleidete Mann an dem Kleiderständer zu schaffen machte. Er habe die Fleecejacken gepackt, sei zu seinem Lieferwagen gerannt, eingestiegen und weggefahren. Da sie das Kennzeichen notieren konnte und die Polizei alarmierte, kam man dem Dieb schnell auf die Spur. Wie sich herausstellte, wohnt der Verdächtige in Baden-Württemberg.

Er sei damals in einer sehr schwierigen Lebenssituation gewesen, antwortete der Beschuldigte auf die Frage der Strafrichterin Ilona Conver, warum er diese Dummheit gemacht habe. Kurz zuvor habe er mit seiner Firma Insolvenz anmelden müssen und sein gesamtes Vermögen verloren. Und dann habe seine Lebensgefährtin sogar Selbstmord verübt. "Das hat mich total runtergezogen", sagte der Mann und ergänzte: "Zeitweise war ich wie in Trance und völlig neben der Spur."

Zu dem Diebstahl befragt, gab er an, sich an den konkreten Ablauf nicht erinnern zu können. Irgendwann habe er in seinem Wagen die Jacken gesehen. Eigentlich, führte er weiter aus, habe er sie zu dem Laden zurückbringen wollen, aber dann habe ihn "der Mut verlassen." Deshalb habe er die Kleidungsstücke kurzerhand aus dem Autofenster in ein Gebüsch geworfen.

Spätestens, als der Auszug aus dem Bundeszentralregister verlesen wurde, war klar, dass der Angeklagte einiges auf dem Kerbholz hat. Während er bis 2014 ein straffreies Leben führte, hat sich in den letzten vier Jahren eine ganze Menge angesammelt. Sieben Mal wurde er seitdem verurteilt, immer wegen Diebstahls. Bei den entwendeten Waren war er nicht wählerisch: Zigaretten, Sekt, Zangen, Bohrschrauber, Handy und Arbeitshosen waren dabei. Bereits im Vorfeld des Prozesses hatte Amtsrichterin Ilona Conver von einem Sachverständigen die Frage der Schuldfähigkeit klären lassen. Trotz der Diebstahlsserie konnte der Gutachter keine psychiatrische Erkrankung feststellen.

Nachdem die Gerichte etliche Male Geldstrafen verhängt hatten, endete die letzte Verurteilung, die Mitte 2017 ausgesprochen wurde, mit einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten. Logischerweise sprach die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer von einem Bewährungsversager und einer erheblichen Rückfallgeschwindigkeit. Sie forderte eine elfmonatige Freiheitsstrafe ohne erneute Bewährungschance.

Verteidiger Kay Livonius bat um Verständnis für seinen Mandanten, der sich in einer "traumatischen Situation" befunden habe. Vor kurzem sei er in das Haus seines Vaters, in dem auch sein Bruder mit Familie lebt, gezogen und lebe dadurch in stabilen Verhältnissen. Zudem habe ihm eine Firma bestätigt, dass sie ihn ab 2. Januar einstellen werde.

Die Vorsitzende reduzierte in ihrem Richterspruch zwar das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß erheblich, sah aber keinen Spielraum für eine weitere Bewährung. Durch diese Verurteilung muss der Mann damit rechnen, dass auch die Bewährung aus dem vorangegangenen Verfahren widerrufen wird. Das hätte zur Folge, dass er ein dreiviertel Jahr weggesperrt wird.

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