Hofheim i. UFr.
Reformationstag

Wie einst Martin Luther

Die Dialogpredigt mit Dr. Martin Luther und Dekan Jürgen Blechschmidt drehte sich um eine Kernfrage: Welche Bedeutung hat die Bibel in unserem Leben?
Artikel drucken Artikel einbetten
Die erste Handlung von Dr. Martin Luther (Ewald Krapf) war der wuchtige "Thesenanschlag" an der Kanzel der Dekanatskirche in Rügheim.Jens Fertinger
Die erste Handlung von Dr. Martin Luther (Ewald Krapf) war der wuchtige "Thesenanschlag" an der Kanzel der Dekanatskirche in Rügheim.Jens Fertinger
+10 Bilder
Am Gedenktag der Reformation hatte das evangelisch-lutherische Dekanat Rügheim - wie seit Jahrzehnten üblich - zu einem Festabend eingeladen, der zum einen den Gottesdienst, zum anderen einen Empfang mit Grußworten und Ehrung langjähriger Mitarbeitender beinhaltete. Ein Teil der Gottesdienstbesucher hatte sich an dem Konvoi beteiligt, der von Rügheim aus über Coburg, Altenstein und Königsberg wieder in den Ausgangsort zurückführte.

Dekan Jürgen Blechschmidt hieß die Gottesdienstbesucher in der voll besetzten Dekanatskirche willkommen - "Ich habe fast das Gefühl, es sind heuer mehr als sonst", lautete die treffende Einschätzung des Dekans.

Musikalisch umrahmt und ausgestaltet wurde der Festgottesdienst durch den Bezirksposaunenchor (Leitung: Jürgen Koch), Chor und Band "Praising People" (Leitung: Bernd Schmidt) sowie Dekanatskantor Matthias Göttemann an der Orgel. Den liturgischen Teil übernahmen traditionell Dekan Jürgen Blechschmidt sowie die beiden Synodalpräsidenten Gisela Schott und Gerhard Koch.

Es war aber auch ein ganz besonderer Tag: "Mit dem heutigen Abend hat das Reformationsjubiläumsjahr seinen Höhepunkt erreicht, denn heute vor 500 Jahren hat unser Reformator, Dr. Martin Luther, in Wittenberg seine 95 Thesen zum Ablasshandel und zur Kirche veröffentlicht und dadurch jene Bewegung ausgelöst, die anschließend zur Gründung unserer evangelischen Kirche geführt hat", erklärte Dekan Blechschmidt. Er hatte seiner Predigt Teile aus dem 1. Petrusbrief zugrunde gelegt , und "dabei soll einer der vier Grundsätze der Reformatoren - sola scriptura: allein die Heilige Schrift - im Mittelpunkt stehen."

Für eine echte Überraschung sorgte der Auftritt von Dr. Martin Luther (Ewald Krapf), der "standesgemäß" mit den ersten Takten seiner bekanntesten Komposition - "Ein feste Burg ist unser Gott" - sozusagen hereingespielt wurde. Dekan Blechschmidt wollte ihn anlässlich des Jubiläumsjahres selbst zu Wort kommen lassen. Ein leichtes Raunen ging durch das Kirchenschiff, als sich "Luther" anschickte, seine 95 Thesen an der Kanzel der Dekanatskirche mit kräftigen Hammerschlägen anzubringen.


Der Gerechte lebt aus dem Glauben heraus

Doch dann nimmt der Reformator Bezug auf die Bibel, die von "allen Büchern, die je geschrieben wurden, mir das liebste ist". Hier hat er entdeckt, was mit der Gerechtigkeit Gottes gemeint ist: Der Gerechte wird aus dem Glauben leben, und durch das Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart. Zusammengefasst findet sich diese Aussage in der 62. These: Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.

Deshalb ist es wichtig, dass man möglichst täglich in der Bibel liest. Dekan Blechschmidt verteidigt sich und die Gemeinde, wenn er wörtlich sagte: "Oft lesen sie (die Gläubigen) vielleicht nicht darin; da könnten viele von uns tatsächlich ein bisschen eifriger werden. Aber ernst nehmen tun wir das Wort Gottes schon: Viele von uns kennen zum Beispiel ihren Konfirmations- und/oder Trauspruch, lesen jeden Tag die Losungen, der Posaunenchor und der Gospelchor singen und spielen Lieder mit biblischen Inhalten, die Gemeinde singt im Gottesdienst die Gesangbuchlieder und hört das Wort Gottes."

Natürlich spielte in der Dialog-Predigt auch das Thema Ökumene eine Rolle, und vieles drehte sich um den Glauben, der in der heutigen Gesellschaft den Menschen leider immer weniger bedeutet. Ihm zu alter Stärke zu verhelfen, braucht es aber Kraft und Mut! Blechschmidt schloss mit den Worten, dass "wer regelmäßig in der Bibel liest, sich mit den Geschichten, Psalmen und Zusagen beschäftigt, dass dessen Vertrauen auf Gottes Gnade stärker wird".

Um den Gläubigen die Bibellese noch "schmackhafter" zu machen, wurde gegen Ende des Gottesdienstes die jüngste Ausgabe der Lutherbibel an alle Anwesenden verteilt. Die beigefügte Folie zum Aufkleben zitierte den Kernsatz der Predigt "Verbum Domini manet in aeternum!" (Gottes Wort bleibt in Ewigkeit). Sogleich durften die Gemeindeglieder die neue Bibel zur Hand nehmen und einige markante Textstellen heraussuchen, neben Psalmen und Seligpreisungen auch den für diesen Tag ausgewählten Predigttext.


Grußworte

Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Gäste im Martin-Luther-Haus, um die Grußworte zu hören und der Ehrung verdienter Mitarbeiter beizuwohnen. Eingangs hieß Dekan Jürgen Blechschmidt die Vertreter aus Politik, Schule, Diakonie, Kirche und Gesellschaft willkommen.

Landrat Wilhelm Schneider bestätigte, dass es nur wenige historische Ereignisse gibt, die so nachhaltig in der Gesellschaft so viel verändert haben, wie die Reformation, welche Martin Luther vor 500 Jahren mit seinen 95 Thesen eingeleitet hat. Schneider nahm seine Ausführungen zum Anlass, dafür zu danken, was im Landkreis alles auf die Beine gestellt wurde, um den Gedanken der Reformation mit Leben zu füllen. Wörtlich meinte er: "Auch Martin Luther hätte sicher seine Freude gehabt, wenn er das miterleben könnte."

Für den Landrat ist das Eintauchen in Luthers Lebenswelt nach eigenem Bekunden sehr erkenntnisreich. Die Fragen der Reformation stellen sich bis heute: Was sind die Grundlagen für meinen Glauben, welche Entscheidungen kann ich mit meinem Gewissen vereinbaren, welche Hoffnung trägt mich und gibt mir eine Perspektive über dieses Leben hinaus? Schließlich dankte er allen Mitarbeitern für ihr kirchliches Engagement, von dem so viele Menschen profitieren und appellierte zum Schluss: "Machen Sie bitte weiter so, übernehmen Sie Verantwortung und bleiben Sie weiterhin so aktiv und tun gute Werke!"

Für den Bürgermeister der Stadt Hofheim, Wolfgang Borst, ist der Dekanatsempfang und der vorgeschaltete Festgottesdienst immer etwas Besonderes im Jahreskreis. Er zollte dem Reformator Martin Luther "Respekt und Kompliment für die Tatsache, in der damaligen Zeit Dinge anzusprechen, die dringend nötig waren, denn die Kirche war eigentlich mehr ein erfolgreiches Geschäftsmodell, wo es darum ging, Macht und Geld zu sichern und der Glaube nicht unbedingt das zentrale Thema war." Es war wichtig und richtig, dass die katholische Kirche sich weiter entwickelt hat und sie inhaltlich da steht, wo wir sie heute in unserer aufgeklärten Welt finden. Christliche Werte sind für Borst Leitplanken für die Herausforderungen, die sich uns derzeit stellen und wünscht beiden Kirchen, den eingeschlagenen Weg fortzuführen, damit wir unseren Kindern und Enkeln eine Welt übergeben können, die lebens- und liebenswert ist.

Für die katholische Seite richtete Dekan Stefan Gessner sein Grußwort an die Anwesenden. Im Hinblick auf den zur Zeit allgegenwärtigen Luther in den verschiedensten Formen - Lutherfigur, Lutherbier, Lutherol - gab er zu bedenken, "dass wir uns als Katholiken schwer tun würden, 500 Jahre den Anfang einer Kirchenspaltung zu feiern." Für Gessner ist Christus das gemeinsame Fundament des Glaubens, auf dem die Christen stehen und mit dem sie die Welt gestalten wollen. Der katholische Dekan dankte allen für die gute ökumenische Zusammenarbeit, die er sich auch für die Zukunft wünscht.

Als letzten Redner begrüßte Blechschmidt den Präses der Kirchenkreis-Synode Hildburghausen-Eisfeld, Olaf Ruck, der bei der "Pilgerreise" mit dabei war. Für ihn besonders beeindruckend waren die Gottesdienste, die er in Coburg, Altenstein, Königsberg und Rügheim zum Reformationsjubiläum erlebte. Er lobte insbesondere die guten Beziehungen zwischen den beiden Kirchenkreisen, die gerade aus seiner Sicht durchaus noch weiter ausbaufähig sind.


Ehrungen


Im Mittelpunkt des Dekanatsempfangs stehen die Ehrungen verdienter und langjähriger Mitarbeiter. Gerade diejenigen, welche 25 und 50 Jahre im Dienste der Kirche ehrenamtlich tätig sind, sollen bei dieser Gelegenheit ausgezeichnet werden. Dazu erhält jeder eine Ton-Kachel mit der Aufschrift "Gottes Segen wünscht das Evang.-Luth. Dekanat Rügheim" sowie eine Urkunde mit Würdigung. In diesem Jahr konnte Dekan Blechschmidt 18 Personen auszeichnen, von denen lediglich zwei verhindert waren.

Für 50-jähriges Mitwirken in den jeweiligen Posaunenchören wurden Helmut Koch (Königsberg), Diethard Köttler (Junkersdorf), Kurt Meisel (Knetzgau) sowie Wolfgang und Gerd Müller (beide Sylbach) geehrt. 25 Jahre treue Bläser sind Martin Appold (Oberhohenried), Oliver Grell (Treinfeld) und Helga Lenhardt (Oberhohenried).

Werner Brückner aus Ermershausen spielt seit 50 Jahren die Orgel, Nicol Scheidlein (Maroldsweisach) übt diese Tätigkeit seit über 25 Jahren aus.

Ein Vierteljahrhundert Lektoren- und Prädikantendienst leistet Helmut Endreß (Hofheim) sowie Manuela Lohm (Rentweinsdorf) als Leselektorin.

Ebenfalls geehrt wurden Alfred und Renate Becker (Rentweinsdorf) für die 25-jährige Betreuung von "Lifegate Beit Jala", Edith Müller-Bardorff (Rentweinsdorf) ist ebenso lange als Gemeindebriefausträgerin tätig sowie Marion Burger (Kleinmünster) als Sammlerin und Margitta Spindler (Ebern) als Sammlerin und Gemeindebriefausträgerin; Emma Pohley (Hohnhausen) versieht seit 25 Jahren den Mesnerdienst.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren