Ebern
Theateraufführung

Wie aus Weltverbesserern Räuber werden

Der Kurs "Dramaturgisches Gestalten" am Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern lehnte sich bei dem Stück "Räuber. Aufruhr" an Schillers "Die Räuber" an.
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Gregor Lorenz (von links), Ann-Kathrin Liebender und Lea Paluchin bei der Theateraufführung "Räuber. Aufruhr"Martin Würstlein/8c
Gregor Lorenz (von links), Ann-Kathrin Liebender und Lea Paluchin bei der Theateraufführung "Räuber. Aufruhr"Martin Würstlein/8c
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Das Publikum hatte sich zu Recht auf das Stück "Räuber. Aufruhr" von Klaus Opilik gefreut, für das Schillers "Die Räuber" aus dem 18. Jahrhundert als großes Vorbild diente: Die Theateraufführung am Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern wurde den Erwartungen gerecht und war ein voller Erfolg.
In dem kernsanierten Klassiker geht es um den Jugendlichen Karl Moor und die Räuber - eine Gruppe von Globalisierungsgegnern. Sie alle führen ein gesetzestreues Leben. Doch das wird sich bald ändern, denn der junge Student Karl, eindrucksvoll und leidenschaftlich gespielt von Norman Schwarz (Q11), wird nicht mehr wie zuvor von seinem Vater finanziert. Karls jüngerer Bruder Franz, den Gregor Lorenz (Q11) treffend darbietet, nutzt diese Gelegenheit, um gegen den älteren, beliebteren und charismatischeren Bruder zu intrigieren. Das führt dazu, dass Karls Freunde, die jugendlichen Weltverbesserer - geführt von einem mittlerweile sehr impulsiven und teils cholerischen Oberhaupt - wirklich zu Räubern werden.
Bei Betrachten des Stücks fällt auf, dass das zentrale Motiv die Freiheit ist. Freiheit, zu entscheiden und sich nicht dem Kapitalismus und den Reglementierungen hinzugeben. Grundsätzlich ist dieses Leitmotiv ja immer von Bedeutung, und so hatten auch die 16 Schauspieler die Freiheit, aus drei von der Kursleitung Gisela Dautel ausgesuchten Stücken zu wählen, die den personellen und zeitlichen Möglichkeiten ihres Kurses "Dramaturgisches Gestalten" entsprechen.
Danach kam die Mühle ins Laufen: Die Texte mussten gelernt, das Tanzbein geschwungen, die Dialoge und Monologe geübt werden. "Da all das eine lange Vorlaufzeit beinhaltet, startete man bereits im Dezember mit den Proben", erzählt Gregor Lorenz. "Dass die Vorbereitung auch mal einige Nerven kosten kann, ist klar!", darin sind sich Lena Ruß und Lukas Horn (beide Q11) einig, doch natürlich kam der Spaß nicht zu kurz, und man fieberte genauso nervös wie euphorisch der öffentlichen Aufführung auf der großen Bühne entgegen.
Oberstufenkoordinatorin Natterer begrüßte das Publikum in der voll besetzten Aula des Eberner Gymnasiums und kündigte ein vielseitiges Stück an. Dann hieß es: Bühne frei!
In den folgenden zwei Stunden bot sich den Zuschauern eine ausgereifte Darstellung - sowohl durch schauspielerische als auch durch künstlerische Leistung. Die richtige Atmosphäre entstand auch wieder einmal durch die Kreativität der Kunstlehrerin Christine Braun, die das Bühnenbild entworfen und mit Schülern der 11. Jahrgangsstufe im Unterricht umgesetzt hat. Die alles umschließenden und doch zerplatzten Seifenblasen begrenzten wunderbar die Bühne. In gewisser Weise schränkten sie aber auch die Freiheit ein, aus dem Bühnenbereich auszubrechen, und diesen Drang hatten alle "Räuber" an diesem Abend. Sie wollten die Welt verbessern, doch wie sollte das gehen?
Karl und Franz beschäftigte neben dieser Frage natürlich noch die Liebe, die in Gestalt von Amalia (Ann-Kathrin Liebender, Q12) im Stück auftrat. Sie war zutiefst in Karl verliebt, der ihr jedoch nicht gestand, dass er Räuber wird, und sie verließ. Von nun an litt Amalia an Liebeskummer und verlor nach und nach die Hoffnung, Karl sei trotz aller schlechten Nachrichten ein Kämpfer für das Gute geblieben. Am Ende des Stückes wurde die tiefe Liebe zu Karl belohnt, und die beiden waren wieder glücklich vereint.
Nach der Aufführung steht für fünf der 16 Akteure nun das Abitur und somit der Abschluss der Schullaufbahn vor der Tür, und die baldige Abiturientin Alisa Nestmann (Q12) weiß, dass der Kurs "Dramaturgisches Gestalten" einen perfekten Ausgleich zum gerade jetzt sehr anstrengenden Schulalltag geboten hat. Anna-Lena Baier und Julia Bittmann (beide Q11) finden außerdem, dass man "wunderbar kursübergreifend agieren kann. Man spielt ja nicht nur, sondern malt auch für das eigene Stück". Am Ende des gelungenen Theaterabends konnte man sich erneut bei zahlreichen Helfern bedanken, denn ohne großes Engagement, viele Überstunden und Hingabe zum Schultheater wären die freiheitsliebenden Räuber wohl nicht auf die Bühne des FRG gekommen.
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