Eyrichshof
Hochregallager

Widerstand gegen Bauvorhaben

Über 20 Meter hohe Hallen soll es im nördlichen Baunachgrund nicht geben. In Eyrichshof formiert sich eine "Bürgerinitiative gegen Hochregallager in Eyrichshof". Sie lädt am 30. Juni zu einer Informationsveranstaltung ein.
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Auf einer Teilfläche zwischen der Firma Uniwell (links) und der Metzgerei Fuchs (rechts), hier gesehen von Eyrichshof/Rotenhan aus, soll ein Hochregallager der Firma Uniwell mit einer Länge von 227 Metern und einer Höhe von 21 Metern entstehen. Im Hintergrund liegt Frickendorf. Foto: Archiv Helmut Will
Auf einer Teilfläche zwischen der Firma Uniwell (links) und der Metzgerei Fuchs (rechts), hier gesehen von Eyrichshof/Rotenhan aus, soll ein Hochregallager der Firma Uniwell mit einer Länge von 227 Metern und einer Höhe von 21 Metern entstehen. Im Hintergrund liegt Frickendorf. Foto: Archiv Helmut Will

Massiver Widerstand kündigt sich im Eberner Stadtteil Eyrichshof gegen das geplante Hochregallager an, über das der Bauausschuss der Stadt Mitte Mai detaillierter informiert wurde. Die Gegner dieses Vorhabens formieren sich und laden nun alle interessierten Bürger zu einer Informationsveranstaltung ein. Diese ist geplant am Sonntag, 30. Juni, 16 bis 18 Uhr im Gewerbegebiet, Johann-Georg-Meusel-Straße 6, in Ebern bei der Metzgerei Fuchs,

Bereits im Mai hatte der Eberner Bauausschuss das Thema behandelt. Damals lag ein Antrag für ein Hochregallager der Firma Uniwell in Eyrichshof. Die Firma erweitert nordöstlich ihrer Firmengebäude in Richtung Metzgerei Fuchs zur Johann-Georg-Meusel-Straße hin. Hier sollte, wie es hieß, ein "gewaltiges Hochregallager" in zwei Bauabschnitten entstehen: 227 Meter lang und 21 Meter hoch, erfuhr der Bauausschuss. In dem Bereich sind Gebäude bis zu einer Höhe von zehn Metern möglich. Der Bauausschuss hatte bereits am 11. April 2019 einen Aufstellungsbeschluss gefasst und billigte im Mai mit mehreren Einzelbeschlüssen den Vorentwurf des Bebauungsplans "Gewerbegebiet Eyrichshof". Bürgermeister Jürgen Hennemann unterstrich, man wolle alles auf den Weg bringen.

Jetzt meldet sich dazu der Schlossbesitzer Hermann von Rotenhan zu Wort, an seiner Seite als Sprecher der "Bürgerinitiative gegen Hochregallager in Eyrichshof" außerdem Hans-Peter Fuchs, Norbert Arndt, Adalbert Holzberg und Sabine Hillemeir.

Naturpark Haßberge

Rotenhan vermarktet den Familiensitz erfolgreich mittels publikumsträchtiger Attraktionen wie Gartenfest oder Rösler-Open-Air. Nicht nur ihm, sondern auch etlichen anderen Bürgern in Ebern ist das Vorhaben ein Ärgernis. Die Gruppe informiert ihn ihrer Mitteilung: "Wir in Ebern und den Ortsteilen leben im Naturpark Haßberge inmitten wunderschöner Landschaft mit viel Natur und artenreichen Wäldern. In Eyrichshof, in Sichtweite vieler Einfamilienhäuser, liegt ein Gewerbegebiet, das - derzeit - Gebäude mit einer Höhe bis zu zehn Metern erlaubt. Der Stadtrat von Ebern hat sich kürzlich für eine entsprechende Änderung des Bebauungsplanes ausgesprochen mit der Folge, dass Gebäude bis zu 21 Metern Höhe zulässig wären. Durch eine geplante Verlegung des ,Nullpunktes‘ könnte nun auf der Fläche mehr als 30 Meter höher gebaut werden als zuvor."

21 Meter hoch

Die Sprecher der geplanten Bürgerinitiative ergänzen diese Informationen mit einem Vergleich: Die zuletzt errichteten Lagerhallen einer Spedition in Sandhof seien "nur 13 Meter hoch und etwa 50 Meter lang und liegen auf ebener Fläche."

Nun sei in Eyrichshof ein gigantisches Hochregallager der Firma Uniwell mit einer Länge von circa 230 Metern, einer Breite von 30 Metern und einer Höhe von 21 Metern im zweiten Bauabschnitt geplant. Komme es zu einer solchen Anlage, wäre dies für Rotenhan und die übrigen Gegner des Vorhabens ein massiver, nicht zu rechtfertigender Eingriff in das Landschaftsbild und in die Nachbarrechte der Anwohner von Eyrichshof, Siegelfeld und Ebern.

Wie vor allem Rotenhan betont, würde zusätzlich ein solcher Eingriff das Bayerische Denkmalschutzgesetz (Art. 6 Abs. 1 S. 2) verletzen: Schloss Eyrichshof zählt zu den fränkischen Wahrzeichen und ist als Einzeldenkmal (nach Art. 1 DSchG) in die bayerische Denkmalliste eingetragen. Der Nordflügel um 1735, unterstreicht Hermann von Rotenhan, sei bewusst mit Ausstrahlungskraft und Sichtachsen in den nördlichen Baunachgrund errichtet worden. Der Substanz- und Umgebungsschutz dieses Baudenkmals würde ihm zufolge zerstört werden.

Alle Gegner des Vorhabens sehen einen weiteren Aspekt, denn es liege hier kein Industriegebiet vor. Eine solch massive Anlage, zumal in Kombination mit einem Uniwell-Drei-Schichtbetrieb, sei nur in einem Industriegebiet, nicht aber in einem Gewerbegebiet zulässig. Das bestehende Gewerbegebiet sei von seiner Größe und Erschließung (ein einseitiger Verkehr von Lkws ist möglich, nicht aber ein zweiseitiger) nicht für ein solches Mammutprojekt geplant und genehmigt worden.

Ein derartiges Logistikzentrum, befürchten Bürger und Schlossherr, hätte erheblichen Lastkraftverkehr auf den Straßen Ebern - Eyrichshof - Fischbach und nach Siegelfeld mit Staubildung, Luftverschmutzung und Lärmbelastung durch sicherlich 70 bis 100 Lkws täglich, auch zur Nacht, zur Folge. Wohl auch über Nacht und am Wochenende sei mit wartenden Lkws zu rechnen, wie es weiter heißt.

Vermietung an andere befürchtet

Und weiterhin wird vermutet: Ein solches Hochregallager würde wohl nur zu einem kleinen Teil Produkte von Uniwell lagern. Der größere Teil der Flächen könnte als Lagerkapazität an andere Unternehmen vermietet werden. Von Betriebsnotwendigkeit könne wohl nicht gesprochen werden.

Die Unterlagen und der Plan für das Hochregallager können ab dem 17. Juni beim Bauamt in Ebern und im Internet eingesehen werden. Jeder Bürger hat das Recht, Einwände, Bedenken und Anregungen schriftlich abzugeben.

Die Gruppe führt aus: "Wir werden alles tun, um die Realisierung dieses Projekts zu verhindern und bereiten ein Bürgerbegehren vor." Eingeladen sind alle Bürger von Ebern, die Stadträte, Bürgermeister, Presse und weitere Bürger zu der Info-Veranstaltung am Sonntag, 30. Juni, 16 bis 18 Uhr auf dem Wendehammer des Gewerbegebietes und am angrenzenden Gelände der Firma Fuchs, Johann-Georg-Meusel-Straße 6. Bei diesem Termin sollen sich alle Anwesenden informieren, miteinander sprechen und Fragen stellen können. Die Initiative will auch eine Skizze vorstellen, die die ungefähren Ausmaße dieses Hochregallagers in der Landschaft darstellt.

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