Eltmann
Allerheiligen

Weniger ist auf dem Grab mehr: Trends auf dem Friedhof und in der Bestattungskultur

Immer kleiner, einfacher und schlichter- so lässt sich der Trend bei der Grabgestaltung zusammenfassen. Auch die gesamte Bestattungskultur unterliegt einem Wandel. Wird es auf dem Friedhof immer "leerer"?
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Helga Nusser (rechts) und ihre Mitarbeiterinnen der Gärtnerei Nusser haben vor Allerheiligen allerhand zu tun, damit die Gräber bepflanzt und geschmückt werden können. Knallbunte Gestecke gibt es aber nur auf Wunsch. Der Trend geht zu schlichten Farben und Naturtönen.  Foto: Jutta Rudel
Helga Nusser (rechts) und ihre Mitarbeiterinnen der Gärtnerei Nusser haben vor Allerheiligen allerhand zu tun, damit die Gräber bepflanzt und geschmückt werden können. Knallbunte Gestecke gibt es aber nur auf Wunsch. Der Trend geht zu schlichten Farben und Naturtönen. Foto: Jutta Rudel
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Hier noch ein Tannenzweig mehr, dort noch ein Fichtenzapfen und mittendrin ein schönes Band gelegt - die Mitarbeiter der Gärtnerei Nusser in Eltmann haben momentan alle Hände voll zu tun. Allerheiligen naht und damit steigt die Nachfrage nach Grabgestecken und -bepflanzung deutlich. "Das Hauptgeschäft für Grabschmuck ist vor Allerheiligen", erklärt die Gärtnereibesitzerin Helga Nusser.

Gekauft wird dann vor allem: Trockengestecke und winterfeste Einzelpflanzen. "Kurz vor Allerheiligen werden auch oft frische Gestecke oder Blumen aufs Grab gelegt", weiß die Besitzerin. "Wir achten darauf, dass unsere Gestecke frisch aus eigenen Anbau sind, zum Beispiel sind die Tannenzweige aus unserer Christbaumkultur", sagt sie. Im Vergleich dazu seien Gestecke aus dem Discounter oft sehr trocken, da sie lange transportiert wurden. Die natürlichen Materialien kommen gut an: "Viel geht jetzt in die Naturrichtung, wie natürliche, nicht eingefärbte Tannenzapfen."

Die aktuellen Trends

Ein weiterer Trend zeichnet sich in diesem Jahr stark ab: Alles wird schlichter, kleiner und abgestimmter. "Der Farbtrend geht hin zu Ton in Ton. Knallbunt ist überhaupt nicht mehr ,in‘", sagt Nusser. Die absolute Trendfarbe ist streng genommen gar keine Farbe: weiß. Weiße Stiefmütterchen und Silberpflanzen werden sehr gerne mit anderen Pflanzen kombiniert, so Nusser. Dazu werden dann grüne Pflanzen gesetzt. Wenn wirklich Farbe ins Spiel kommen soll, dann wird am liebsten zu lilafarbenen Tönen gegriffen. "Es gibt natürlich auch ältere Leute, die gerne Gestecke mit viel orangen oder gelben Farben kaufen, aber der Trend geht ganz klar hin zu Naturtönen mit weiß und etwas lila", fasst Nusser zusammen.

Generell sei es wichtig, dass auch das Gesteck Ton in Ton mit den Pflanzen abgestimmt ist. Dafür wird zum Beispiel auch gerne gebleichtes Holz in Grautönen verwendet.

Wandel in der Grabbepflanzung

Dreimal im Jahr steigt bei Nusser die Nachfrage nach Grabbepflanzungen: Zur Frühjahrs-, Sommer- und Herbstbepflanzung. Was die eigentliche Grabbepflanzung und -pflege angeht, hat sich in den vergangenen Jahren aber ebenfalls einiges geändert, wie Nusser erklärt. "Das hat sich gewandelt, früher haben die Leute mehr Wert auf die Gräber gelegt. Da wollte jeder das schönste und größte Gesteck haben". Häufig wurden Schalen bepflanzt und bei Frostgefahr vom Grab geholt und ins Warme getragen. Das bedeutete für die Angehörigen viel Mühe und viel Zeit, die investiert werden muss.

Mittlerweile bleibt die Zeit auf der Strecke. Deswegen ist es bei der Wahl des Grabschmucks wichtiger, ob die Pflanzen pflegeleicht und winterfest sind. Auch die Nachfrage nach Gedenkfiguren, -tafeln und -steinen sei rückläufig. "Das liegt vielleicht auch daran, dass es immer mehr Gedenksteine und Figuren in Billigläden gibt", mutmaßt Nusser.

Generell habe sich laut der Gärtnereibesitzerin die Bestattungsform geändert. Früher zum Beispiel habe jeder Angehörige zur Beerdigung einen Kranz oder einen Gedenkstein machen lassen, heute gebe es oft nur ein Element, welches im Namen der gesamten Familie abgelegt wird. Wenn Nusser Gedenkstücke verkauft, dann werden diese oft auf Kundenwunsch im Gesteck untergebracht.

Nicht nur deswegen wird es auf dem Grab immer leerer: "Generell wird häufig nur noch gruppenweise gepflanzt und nicht mehr flächendeckend", sagt sie. Geschweige denn, es werden Grabplatten angebracht. Die sind "immer mehr im Kommen". Genauso wie Urnengräber. Auch darauf ist die Gärtnereibesitzerin vorbereitet: "Die Tendenz geht mehr zu kleinblütigen Pflanzen." Denn auf den Urnengräbern ist häufig wenig Platz. Im Sortiment gibt es deshalb auch viele Minigestecke und Minipflanzen.

Bestattungskultur ändert sich

Diese Entwicklung der Bestattungsform kann auch Michael Ziegler, Bürgermeister von Eltmann, bestätigen: "Es geht von der klassischen Sargbestattung hin zur Urnenbeisetzung. Früher gab es eine Urnenwand, jetzt geht der Trend hin zu Urnen, die im Boden eingesetzt werden und zu kleineren Gräbern und kleineren Beeten."

Dieser Entwicklung soll auch der Eltmanner Friedhof folgen. "Die Beerdigungskultur verändert sich, da wollen wir auch mitgehen", verkündet Ziegler. Es würden bereits Überlegungen gemacht, eine Fläche auf dem Friedhof anzulegen, in deren Mitte eine Stele errichtet wird und außenrum ein Urnenwiesenfeld eingebracht wird. Das sei ein Wunsch aus der Bevölkerung gewesen. "Damit fällt die Grabpflege für den Einzelnen gänzlich weg", erzählt er. Dabei ist das oft nicht ein Anliegen der Hinterbliebenen: "Viele Ältere wollen die Grabpflege ihren Angehörigen einfach nicht aufbürden", sagt Ziegler. So sei auch schon öfter der Wunsch geäußert worden, einen Friedwald bei Eltmann zu etablieren.

Ob Friedwald, Urnengrab oder Sarggrab: Das Gedenken an die Verstorbenen ist den Menschen nach wie vor ein großes Bedürfnis. "Gräber sind heute noch immer wichtig", betont Nusser. Und damit auch deren Pflege und Gestaltung. Nicht nur an Allerheiligen.

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