Gleisenau
Kirche

Wem die Welt wirklich gehört

Auf dem Mohrenberg hatten sich viele Gläubige aus der ganzen Region eingefunden. Ein Rollenspiel verdeutlichte das Motto des Gottesdienstes.
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"Wem gehört die Welt?" lautete das Rollenspiel, das den Besuchern gezeigt wurde, und so war auch der ganze Waldgottesdienst der Kirchengemeinde Gleisenau überschrieben.Günther Geiling
"Wem gehört die Welt?" lautete das Rollenspiel, das den Besuchern gezeigt wurde, und so war auch der ganze Waldgottesdienst der Kirchengemeinde Gleisenau überschrieben.Günther Geiling
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"Wem gehört die Welt?" Diese Frage stand über dem Waldgottesdienst der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Gleisenau, der nun schon zum 30. Male auf dem Mohrenberg zwischen Gleisenau und Schönbrunn stattfand. Rund 300 Christen hatten sich dazu bei schönem Sommerwetter eingefunden und die Kirche mit einer herrlichen Landschaft getauscht, was Pfarrer Volkmar Gregori zu dem Ausspruch veranlasste: "Wer einmal unseren Waldgottesdienst und alles, was dazu gehört, erlebt hat, der kommt gerne wieder. Er ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie Gemeinde Jesu Christi sein kann - eine gute Gemeinschaft."


"Vom Wald- zum Wiesengottesdienst

Dabei war diesmal aus dem Wald- ein Wiesengottesdienst geworden, weil Förster Biewald im Auftrag der Besitzerfamilie Groß von Trockau dazu geraten hatte. Im Eichenwald seien derzeit die Raupen des Eichenprozessionsspinners zu finden und ihre Brennhaare seien ja auch für Menschen nicht ungefährlich. Auf der "Schmitt-Wiese" hatte man jedoch nichts zu befürchten.

Seit dem Jahre 1988 gibt es diesen "Waldgottesdienst", der von dem damaligen Pfarrer Werner Maurer initiiert wurde. Unter den Gästen waren einige, die seitdem keinen einzigen Waldgottesdienst versäumt hatten. Pfarrer Volkmar Gregori freute sich über das große Interesse.

Zur Einstimmung boten Silka Dörr, Elke Käb, Selma und Pascal Kübler sowie Margitta Keller und Paul Rottmann ein Rollenspiel zur Frage "wem gehört die Welt?" Der König meinte. "Ich bin der Herrscher über das ganze Land. Alle müssen mir gehorchen und deshalb kann ich mit der Welt machen, was mir gefällt." Darüber lachte der Soldat: "Die Welt gehört uns, dem Militär. Wir haben nämlich so viele Waffen, dass wir die ganze Menschheit auslöschen könnten. Ein Knopfdruck und ihr alle seid weg vom Fenster. Wir sind die wahren Herren der Welt."


"Sieist doch für uns alle da"

Da stellte sich der Wissenschaftler dazwischen. ""Moment mal. Ihr alle seid ohne uns nichts. Wir können mit der Welt machen, was wir wollen: Pflanzen gentechnisch verändern, neue Tierarten züchten und sogar Babys auf Bestellung im Reagenzglas produzieren. Wir bestimmen, was mit der Welt gemacht wird." Schließlich tauchte ein Manager auf und meinte: "Wir sind die Herren der Welt. Wir haben die Politiker fest im Griff, denn wer das Geld hat, der hat bekanntlich das Sagen. Wir bestimmen das Spiel."

"Komisches Spiel - wenn wir Kinder spielen, dann achten wir darauf, dass alle Spaß haben, nicht nur einer", meinten plötzlich zwei Kinder. "Es geht doch auch anders. Gott hat die Welt doch so toll erschaffen und sie ist doch für uns alle da. Das soll auch in Zukunft so bleiben."

Dazu passte an diesem Tag das Evangelium vom Senfkorn. Jeder Besucher bekam ein Tütchen mit Samenkörner und Roswitha Gregori sagte: "Diese Samenkörner weisen uns auf die Vielfalt in Gottes Schöpfung hin. Sie wollen uns aber auch darauf hinweisen, wie bedroht diese Vielfalt ist." Jesus habe auf das Himmelreich immer wieder in Bildern und Vergleichen hingewiesen und wollte damit helfen, seine Worte zu verstehen. Im Evangelium höre man, wie aus dem Senfkorn ein großer Baum werden kann. Dieser Baum sei im Samen bereits enthalten. "Das Künftige ist Gegenwart. Wir halten es in der Hand. Hoffnung ist Wirklichkeit. So ist es auch mit dem Reich Gottes. Es ist der Same in jedem von uns, der aufgehen und wachsen soll. Der Same für die neue Geburt ist schon in uns."


Verantwortung für die Schöpfung"

Als Festprediger setzte sich der Pfarrer i.R. Helmut Bullemer aus Bad Steben, gleichzeitig Umweltbeauftragter im Kirchenkreis Bayreuth, dann mit dem Lied "Geh' aus mein Herz und suche Freud" auseinander und betonte, dass ein Gottesdienst im Freien und in der Schöpfung seinen besonderen Charakter habe. In dieser Atmosphäre werde die Verbindung mit der Schöpfung und dem Schöpfer besonders deutlich. Das Lied sei inzwischen zum Volkslied geworden und vermittle Frömmigkeit und präge das Glaubensleben. Es sei auch eine existenzielle Hygiene, wenn man mit sich selbst ins Gespräch komme und das Gewissen sei nach Kant der innere Gerichtshof eines Menschen. Hier gehe es um Glück, Wahrheit und Ehrlichkeit, Freude und Glücklichsein, Harmonie mit sich selber, mit dem Nächsten und der Natur.

"Schau an der schönen Garten Zier" weise auf den Garten hin, in dem schon eingegriffen und gezähmt werde. Und da stoße man auch schon auf Hiobsbotschaften, dass man kaum mehr eine Nachtigall schlagen höre. Nur noch 20 Prozent der Allerweltinsekten seien noch feststellbar und nach Aussagen der Wissenschaftler würde die Biosphäre drei Monate ohne Insekten nicht überleben. Auch der unheimliche Rückgang bei der Bienenschar bedeute einen Milliardenverlust, wenn Blüten nicht mehr befruchtet würden. Der Auftrag Gottes "machet euch die Erde untertan" bedeute auch Verantwortung für die Mitgeschöpfe zu übernehmen. "Ein beichtendes Selbstgespräch vor Gott wäre hier angesagt."

Kirchenvorsteherin Cornelia Winterstein-Bötsch, Umweltbeauftragte der Kirchengemeinde, kündigte dann auch die Kollekte für die evangelische Umweltstiftung an, mit der das Bewusstsein für die Bewahrung der Schöpfung gefördert und ihre Arbeit unterstützt werde.


Die Kandidaten

Pfarrer Volkmar Gregori stellte die Kandidaten vor, die auf dem Wahlvorschlag für die Kirchenvorstandswahl am 21. Oktober stehen und bereit seien, sich einzusetzen für Aufgaben in der Kirchengemeinde. Sie bestätigen durch ihre Stimmabgabe das Motto "ich glaub, ich wähl". Die Kandidaten sind: Cynthia Derra, Breitbrunn; Silka Dörr, Ebelsbach; Carolin Großkunze, Gleisenau; Theresa König, Eltmann, Markus Koch, Steinbach; Helga Krönert, Stettfeld; Isa Kurzrichter, Weisbrunn; Albrecht Lederer, Deusdorf; Alexandra Pfuhlmann, Eltmann; Thomas Studtrucker, Rudendorf; Thomas Wendler, Gleisenau; Cornelia Winterstein-Bötsch, Eltmann; Thomas Wirsing, Eltmann und Monika Wolf, Neubrunn.

Der feierliche Festgottesdienst wurde vom Posaunenchor unter Leitung von Herbert Hofmann musikalisch umrahmt und die Musiker erfreuten auch noch durch ein Standkonzert. Anschließend gab es den bekannten "Schönbruner Eintopf" mit Würstchen, Kaffee und Kuchen und schloss sich ein gemütliches Beisammensein an.


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