Eltmann
Kriegstagebuch

Welchen Weg nahm Jack Dunn nach dem Absturz?

1944 wurde ein englischer Bomber über den Haßbergen abgeschossen. Der Funker überlebte, wurde aber im Steigerwald gefangen. Sein Sohn und sein Enkel forschen.
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Spurensuche an der Wallburg in Eltmann (von links): Ian Dunn, Christian Blenk, Manfred Künzel und Anton Schmidt  Hannes Stetten
Spurensuche an der Wallburg in Eltmann (von links): Ian Dunn, Christian Blenk, Manfred Künzel und Anton Schmidt Hannes Stetten
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In der Nacht zum 31. März 1944 wurde zwischen Salmsdorf und Mauschendorf ein englischer Lancaster-Bomber von einem deutschen Nachtjäger abgeschossen. Die Lancaster befand sich mit rund 700 weiteren Flugzeugen der Alliierten auf dem Weg nach Nürnberg. Kurz vor dem Absturz explodierte die Maschine. Drei Männer wurden getötet, vier Besatzungsmitglieder überlebten. Darunter war der Wireless-Operator (Funker) Jack Dunn, der mit seinem Fallschirm nahezu unversehrt landete. Seinen weiteren Weg hielt der damals 20-jährige Engländer in seinem Fluchttagebuch fest und dieses Tagebuch führte jetzt seinen Sohn und seinen Enkel mit Heimatforschern aus der Region zusammen.

Jack Dunn plante nach seinem Absturz, sich mittels Karte und Kompass in die Schweiz durchzuschlagen, doch im Steigerwald wurde er verhaftet und zunächst nach Eltmann gebracht. Das Tagebuch seines Vaters beschäftigte Ian Dunn schon lange, deshalb begann er Recherchen per Internet. So kam der Kontakt mit Anton Schmidt aus Haßfurt, Manfred Künzel aus Ebern und Walter F. Bauer aus Limbach zustande. Auch die lasen fasziniert das mittlerweile ins Deutsche übersetzte Tagebuch des Jack Dunn. Der beschreibt seinen Weg, bei dem er sich zunächst am Main orientierte, den er in Eltmann überquerte, um dann in Richtung Süd-West in den Steigerwald abzubiegen. Auf dem Weg machte er verschiedene Beobachtungen, anhand derer die inzwischen stattlich angewachsene Gruppe von Geschichtsinteressierten versucht, die Route zu rekonstruieren.

Kürzlich nun kamen Ian Dunn und sein Sohn Scott nach Deutschland, um sich auf die Spuren von Vater und Großvater zu begeben. Sie fanden dabei zwar noch nicht den genauen Weg, den Jack Dunn genommen hatte, doch es gab viele beeindruckende Begegnungen.

Anton Schmidt hatte den zweitägigen Aufenthalt der Gäste aus England organisiert, auch die Begegnung mit zwei Augenzeugen. Erwin Lang und Emil Grell waren damals Buben von acht und fünf Jahren. Sie erinnerten sich an die Explosion des Bombers und den brennenden Wald, an "Expeditionen" von sehr vielen Schaulustigen zu dem ausgebrannten Flugzeugwrack. Erwin Lang lud die ganze Gruppe in sein Haus ein und Ehefrau Gerlinde bewirtete die Runde.

An der Absturzstelle überreichte Manfred Künzel ein kleines Gedenkkreuz, das er aus Wrackteilen gefertigt hat. Der Eberner fand sein erstes Wrackteil vor 20 Jahren zufällig beim Pilzesammeln und ist seitdem fasziniert von dieser Art der Geschichts-Aufarbeitung, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion berichtete. Auch Hannes Stetten aus Knetzgau ist oft mit seinem Detektor unterwegs. Er fand im Bereich der Absturzstelle eine One-Penny-Münze mit Prägung 1918, die sicherlich als Talisman eines Besatzungsmitglieds diente. Diesen Penny sowie viele weitere Wrackteile durften die Dunns als Andenken mit nach Hause nehmen.

Die zwei Tage seien sehr emotional gewesen, erzählt Walter F. Bauer vom Verein für Heimatgeschichte in Eltmann. Er beschäftigt sich seit Monaten mit der Frage, wie der genaue Weg von Jack Dunn von Eltmann aus verlaufen sein könnte. Zur Klärung der Fluchtroute wurden auch der Kreisheimatpfleger Christian Blenk (Kirchaich) und Gottfried Henfling aus Fabrikschleichach eingebunden, denn auf jeden Fall schlug sich Jack Dunn entweder nach Oberaurach oder Rauhenebrach durch.

Bisher konnten keine Aufzeichnungen gefunden werden, in welchem Ort die Festnahme (durch einen Holzfäller) stattfand. Erst ab Eltmann, nach seinem Rücktransport aus dem unbekannten Ort der Festnahme im Steigerwald, ist Jack Dunns weiterer Weg wieder dokumentiert. Er war sehr überrascht, dass er wieder an der Brücke landete, über die er im Morgengrauen gegangen war. Man brachte ihn "in ein großes Haus am Ende dieser Brücke, gegenüber war eine Shell-Station", so schreibt er. Er wurde nach Schweinfurt gebracht, wo er seine drei überlebenden Kameraden wieder traf. Nach einem Jahr Gefangenschaft kehrten alle wohlbehalten nach England zurück. Dort machte er eine Ausbildung bei der Polizei und wurde Chief Inspector. Er heiratete und wurde Vater von zwei Söhnen. Im Alter von 68 Jahren starb er überraschend.

75 Jahre nach dem Absturz kamen nun sein 69-jähriger Sohn Ian und der 40-jährige Enkel Scott in den Landkreis Haßberge. Obwohl viele Fragen offen blieben, waren sie von ihrem Aufenthalt und von den vielen Begegnungen sehr beeindruckt. Sie wollen auf jeden Fall mit weiteren Kindern von Ian wieder kommen. Und die "Forschungsgruppe Jack Dunn" forscht weiter. Sie möchte gerne die Leser dieser Zeitung einbeziehen mit folgenden Fragen, die sich auf Angaben im Tagebuch beziehen:

Wo stand auf einem Bergrücken auf einer Freifläche südwestlich von Eltmann im März 1944 ein Maschinengewehrposten?

Wo steht - vermutlich am Waldrand in der Nähe eines Dorfes (Oberschleichach, Neuschleichach, Fabrikschleichach, Fatschenbrunn, Karbach, Untersteinbach oder Geusfeld) folgender beschriebene Granitstein, Sandstein oder Grotte: "Wir gingen den Weg entlang ins offene Land und als wir den Wald verließen, sah ich eine kleine Grotte oder einen Granitblock mit kleinen religiösen Figuren. Ich hielt an, um den Stein näher zu betrachten. Den Holzfäller schien es nicht zu stören. Ich sah, dass auf allen vier Seiten der Ausnehmung im Stein (Anmerkung der Redaktion: Jack nennt es "Clearing") diese kleinen Figuren waren. Der Stein war ungefähr 130 bis 150 Zentimeter hoch und 60 Zentimeter breit. Fast ein Drittel des Steines war als Nische ausgenommen, wodurch eine kleine Plattform entstanden war, auf

der diese religiösen Figuren in einer Haltung ruhten, die auf ein biblisches Tableau hindeutete".

In welchem Ort in dem oben genannten Bereich gab es ein Schulhaus eventuell mit Kindergarten und mit einem Schulleiter, der einen Gamsbart-Hut trug?

Von diesem Ort, etwa drei oder vier Kilometer entfernt, war ein Ort mit einem Bürgermeister, der ein Telefon hatte. Mit dem Bürgermeisterhaus wurde eine Nonne erwähnt, die hier an einer Nähmaschine arbeitete.

Auf dem Weg vom Ort des Schulhauses zum Bürgermeisterort wurden der Lehrer und der Gefangene von einem Großteil der Schüler begleitet. Der Engländer war die Attraktion des Tages. Somit hat es neben den Schulkindern im Jahr 1944 viele Augenzeugen gegeben.

Informationen nehmen Walter F. Bauer (Ruf 09522/7959) und Anton Schmidt (Telefon 09521/5543) entgegen.

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