Eyrichshof
Open-Air-Festival

Weckers "Weltenbrand" begeistert in Eyrichshof

Konstantin Wecker und das Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie begeistern mit ihrem "Weltenbrand"-Konzert beim Festival in Schloss Eyrichshof. Pippo Polinas Auftritt überrascht selbst die Veranstalter.
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Protest und Poesie prägen das "Weltenbrand"-Programm, mit dem Konstantin Wecker und junge  Mitglieder der Bayerischen Philharmonie nach Eyrichshof kamen.Barbara Herbst
Protest und Poesie prägen das "Weltenbrand"-Programm, mit dem Konstantin Wecker und junge Mitglieder der Bayerischen Philharmonie nach Eyrichshof kamen.Barbara Herbst
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"Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön!" Diese Empfindung macht sich - wieder einmal - breit. Am Abend mit Konstantin Wecker und dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie. Im Rahmen seiner Tournee "Weltenbrand" gastieren der Musiker und das Orchester beim "Rösler-Open-Air" auf Schloss Eyrichshof. Drei Stunden singt, spielt, rezitiert und improvisiert der Musiker, Liedermacher, Schriftsteller, Schauspieler und Komponist an diesem Abend auf der Bühne im idyllischen Innenhof des Schlosses bei Ebern.

Mit ihm auf der Bühne das Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie unter der Leitung von Mark Mast. Zwölf junge Musiker aus neun Nationen spielen mit einer Leidenschaft, in der sich die des Komponisten widerspiegelt. Mit dabei - ebenfalls wie immer - Jo Barnikel. Mit dem Pianisten, Keyboarder und Arrangeur verbindet Konstantin Wecker eine über 26 Jahre andauernde musikalische Partnerschaft. Sie gipfelt unter anderem in einem hinreißenden Improvisationswettbewerb aus klassischer und Popmusik der beiden Pianisten und demonstriert auf musikalisch lustvolle Art deren Brillanz. Zugleich hat Jo Barnikel die Lieder von Wecker für das Orchester arrangiert.

Mit Hingabe und Krücken

Ebenfalls im Orchester und zugleich Solistin ist Fanny Kammerlander. Die Cellistin arbeitet seit fünf Jahren mit Wecker zusammen. Eine Verletzung, die sie sich bei einem der vorangegangenen Konzerte in Linz zugezogen hat, hindert sie in keinster Weise daran, mit Hingabe und einer wunderbaren Stimme ihren musikalischen Part in diesem Konzert zu übernehmen. Allein die Krücken, die sie beim Gang nach vorne zur Bühne benötigt, geben einen Hinweis auf diese Verletzung. Severin Trogbacher, Gitarrist, Musiker und Komponist, passt sich gleichermaßen in den Klangkörper des Orchesters ein, wie er auch als Solist hervortritt.

Vor rund 20 Jahren lernte Konstantin Wecker Mark Mast, Dirigent und Intendant der Bayerischen Philharmonie, kennen. Er zeigte dem Musiker, dass seine Lieder auch in einem "orchestralen Rahmen" möglich sind.

Mit Wucht und Intensität

Die Tournee "Weltenbrand", mit der Wecker noch bis Ende des Jahres im deutschsprachigen Raum unterwegs ist, legt eindrucksvoll Zeugnis von dieser Möglichkeit ab. Die Lieder erhalten enorme Intensität und Wucht, der sich niemand im Publikum entziehen kann. Nicht zuletzt das titelgebende Lied, das 2011 erstmals auf CD erschienen ist. Nachdem der Musiker "Weltenbrand" mit den Musikern der Bayerischen Philharmonie bei den "Songs an einem Sommerabend" auf Kloster Banz im Jahre 2015 gespielt hatte, war ihm klar, dass dieses Lied "Pate für eine Tour" sein wird.

In Schloss Eyrichshof wird dessen orchestrale Wucht noch durch ein Alphorn ergänzt. Es setzt unmittelbar nach Weckers Rezitation des Gedichts "Ich lebe meine Leben in wachsenden Ringen" des von ihm hochgeschätzten Rainer Maria Rilke ein. Tief, ruhig und zugleich bedrohlich nimmt dieses archaische Instrument die Botschaft des Liedes auf. Immer wieder schimmert sein Klang durch die Musik hindurch. "Seid wachsam", sagt der Mahner Wecker, der mit dieser Komposition an die Zeit zwischen den Weltkriegen erinnern will, was damals passiert und "wie es dazu kommen konnte, dass jemand wie der ungeheuerliche Adolf Hitler an die Macht kam." Der Liedermacher sieht heute durchaus Parallelen zu diesen Jahren.

Protest und Poesie

Doch es wäre kein Konzert mit Konstantin Wecker, wenn es zwischen seinen Protest-Songs, wie "Sage Nein!", "Empört Euch", "Hexeneinmaleins" oder "Den Parolen keine Chance", nicht auch unendlich poetische Lieder gäbe. Wie die Schlaflieder für seine Kinder, der "Liebesdank", "Jetzt da du Abschied bist" oder "Lied der Lieder", die Referenz an Mikis Theodorakis. Und dazwischen die unvergessene Musik zu "Kir Royal" oder "Schtonk" und daraus "Tango Joe", den der Violinist Ahmed Mounib aus Ägypten vortrefflich umsetzt.

Man nimmt es Wecker ab, wenn er sagt: "Meine eigentliche Sehnsucht liegt in der Orchestermusik." Ihm ist die unbändige Freude an der Zusammenarbeit mit dem jungen Orchester anzusehen. Immer wieder applaudiert er den Solisten oder dem gesamten Orchester.

Inzwischen ist es dunkel geworden im Schlosshof. Einzelne Sterne stehen am Firmament, die Bühne ist ausgeleuchtet, die Lieder werden von Farbspielen begleitet. Dann erklingen die ersten Töne von "Questa nuova realtà". Die Stimme des Sängers ist zu hören, doch er ist nicht zu sehen. Dann erscheint er mitten im Publikum, kommt zu seinen Fans, die sich mit Herzlichkeit bei ihm bedanken.

Überraschungsgast

Und dann kommt noch eine bekannte Stimme hinzu. Pippo Polina, mit dem Wecker 1993 dieses Lied zum ersten Mal gemeinsam gesungen hat, ist im Publikum, singt mit, begleitet Wecker auf die Bühne. Spätestens jetzt ist das komplette Publikum auf den Beinen, klatscht mit, singt mit und feiert die beiden Liedermacher. Und es wird deutlich: Weder dem Song noch den beiden Musikern haben die Jahre etwas anhaben können.

Bei aller Wut, aller Empörung und aller Rebellion, die nach wie vor in Weckers Liedern stecken, ist es ein Konzertabend voller Empathie und Zuneigung. Vom Publikum für den Künstler und das Orchester, von Konstantin Wecker für sein Publikum.

Die Lieder des Liedermachers sind und bleiben aktuell. Wecker bekennt, dass ihn die Aktualität seiner Texte manchmal erschreckt - und wird darum nicht müde, sie zu singen. In kleiner Formation oder mit einem Kammerorchester unter freiem Himmel, in dessen Weiten zuletzt die melancholischen Töne des Liedes "Schlendern" verklingen.

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