LKR Haßberge
Landwirtschaft

Wassermelonen aus den Haßbergen

In Rügheim baut eine Familie auf ihren Feldern Wassermelonen an. Diese sind nicht das einzige landwirtschaftliche Anbauprodukt, das in den Haßbergen in den vergangenen Jahren neu hinzugekommen ist.
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Christine Eller (im Bild mit Tochter Sabrina)  konnte sich bei der Ernte über zahlreiche Wassermelonen freuen. Foto: Rebecca Vogt
Christine Eller (im Bild mit Tochter Sabrina) konnte sich bei der Ernte über zahlreiche Wassermelonen freuen. Foto: Rebecca Vogt

Sie sind grün, einige von ihnen auch gestreift und ohne sie wäre der 80er-Jahre-Kultfilm Dirty Dancing um ein Zitat ärmer: Wassermelonen. Die Früchte eignen sich nicht nur zum Tragen, wie Hauptfigur Baby im Film beweist, sondern sind vor allem als erfrischendes Obst an heißen Sommertagen beliebt.

Botanisch gesehen zählen Wassermelonen zur Familie der Kürbisgewächse. Ursprünglich stammen sie aus Afrika. In der EU sind Spanien oder Italien klassische Anbauländer. Mittlerweile jedoch kann man die exotischen Früchte auch in heimischen Gärten und auf Feldern in der Region finden.

So zum Beispiel auf dem Aussiedlerhof der Familie Eller bei Rügheim, einem Stadtteil Hofheims. "Wir bauen seit circa sechs Jahren Wassermelonen an", berichtet Christine Eller. "Anfangs waren es nur ein paar - zum Probieren." Inzwischen nehmen die Wassermelonen beim Anbau eine Fläche von rund 30 Ar (0,3 Hektar) in Anspruch.

"Wir haben damals irgendwo einen Bericht darüber gelesen und gesagt: Das probieren wir jetzt auch einfach mal", erzählt Eller weiter. Die Wassermelonen stapeln sich in mehreren Kisten und auf einem Traktoranhänger. Zusammen mit den Kürbissen, für die die Familie im Landkreis bekannt ist, werden die Wassermelonen an der Hofeinfahrt verkauft.

Gutes Jahr für Wassermelonen

Wie viele Wassermelonen bei der Ernte anfallen, kann Christine Eller nicht sagen. Aber: "2019 war ein gutes Jahr für Wassermelonen." Die Pflanzen mögen es trocken und warm. Vor zwei Jahren hingegen, berichtet Eller, habe es zu viel geregnet, sodass die Erntebilanz nicht so gut ausfiel wie heuer.

Einen Teil der Pflanzen zieht Christine Eller vor. Nach den Eisheiligen kommen die Setzlinge dann zusammen mit Kernen für weitere Wassermelonen-Pflanzen auf dem Feld in die Erde. Gerade am Anfang müsse dann auch bewässert werden. "Das ist wie im Garten mit den Salatpflanzen." Der Regen Ende Mai, Anfang Juni habe den Pflanzen gut getan. Fehlt Wasser, bilden sich an den Früchten Dellen, wie Eller erklärt. "Das war im vergangenen Jahr eher mal ein Problem als heuer."

Geerntet werden die Wassermelonen dann per Hand. Dabei packt die ganze Familie mit an. Die reifen Früchte müsse man behutsam behandeln, erklärt Eller, da sie sonst unter Umständen aufplatzen. Drei verschiedene Sorten bauen die Ellers an, darunter auch eine mit gelbem Fruchtfleisch.

Experimente mit Hirse

Eine Nachfrage beim für den Landkreis zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Schweinfurt, ergibt, dass sich auf den hiesigen Feldern einige Pflanzen finden lassen, die es in den Haßbergen früher nicht gab. "Über die Hirse zum Beispiel hat sich vor 20 Jahren niemand Gedanken gemacht", sagt Heinz-Dieter Hofmann, Pflanzenbauberater am Amt. Aktuell experimentieren etwa Landwirte im Zeiler Stadtteil Bischofsheim mit der wärmeliebenden Pflanze (wir berichteten).

Soja-Anbau hat zugenommen

Ähnlich sieht die Entwicklung bei der Sojabohne aus. "Früher wären diese Pflanzen bei uns nicht reif geworden", sagt Hofmann und verweist auf die Sortenzüchtung, durch die es inzwischen Sojabohnen gibt, die etwas früher reif werden als herkömmliche Sorten aus Südamerika.

Erste Soja-Flächen wurden der Behörde im Jahr 2012 gemeldet, wie der Pflanzenbauberater den Aufzeichnungen des Amts entnimmt. Bauten die Landwirte im Landkreis damals insgesamt 24 Hektar Soja an, hat sich die Menge bis zum Jahr 2019 fast versiebenfacht - auf eine Anbaufläche von 160 Hektar.

Während aus der Sojabohne Öl gewonnen und sie dann als Eiweißpflanze zu Tierfutter verarbeitet wird, kommt die Hirse als Futterpflanze sowie als Energiepflanze für die Biogasproduktion in Frage.

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Auch die "Durchwachsene Silphie", die mit einem Umfang von knapp 0,9 Hektar im Kreis Haßberge (17,6 Hektar im Landkreis Schweinfurt) zu finden ist, dient der Biogasgewinnung. Es handelt sich um eine mehrjährige Pflanze, die vor allem an schlechten Standorten als Mais-Ersatz genutzt werden kann, wie Hofmann erklärt.

Bei einer Gesamtanbaufläche von rund 35 000 Hektar machen diese vergleichsweise ungewöhnlichen Pflanzenarten jedoch nur einen geringen Anteil aus. Mit rund 11 000 Hektar dominiert der Weizen den Pflanzenbau im Landkreis.

Witterung nicht vorhersagbar

"Die Landwirte machen sich natürlich Gedanken, was die Bestandsführung betrifft", sagt Hofmann mit Blick auf Hitze und Trockenheit in diesem und im vergangenen Jahr. "Das Schwierige am Pflanzenbau ist, dass es immer gleich um ein ganzes Jahr geht. Und wir arbeiten mit der Natur, nicht in einer Produktionshalle mit Dach über dem Kopf. Keiner kann sicher vorhersagen, wie die Witterungsbedingungen im nächsten Jahr sind." Durch den Anbau verschiedener Arten und Sorten werde bereits jetzt das Risiko von Ausfällen bei der Ernte verringert.

Das Experimentieren mit neuen, nicht heimischen Pflanzen sei natürlich ebenfalls "ein Stück weit mit Risiko verbunden", erklärt Hofmann. Zum einen müsse man sich fragen, ob die Pflanze überhaupt in die Region passt, und zum anderen müsse es auch einen Absatzmarkt für das Produkt geben.

Verbraucher sind entscheidend

Hier seien auch die Verbraucher gefragt. "Wenn zum Beispiel das Rindfleisch beim Metzger gentechnikfrei erzeugt werden soll, sind wir auf heimische gentechnikfreie Sojabohnen angewiesen, da das Soja-Futter aus Übersee in der Regel gentechnisch verändert ist", sagt Hofmann. Der Verbraucher müsse sich dessen bewusst und bereit sein, Mehrkosten zu akzeptieren.

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