Wenn man es negativ ausdrücken möchte, müsste man sagen, die Stadt hat mit dem Haus Hauptstraße 35 einen Klotz am Bein hängen. Will man es positiv formulieren, könnte man von einer Chance sprechen, die das Gebäude im Zentrum der Altstadt der Kreisstadt bietet. Wie auch immer: Offensichtlich ist es nicht leicht, eine Nutzung für das stadtbildprägende Haus zu finden. Nicht einmal der Weg dorthin ist unumstritten.

Das machte die Sitzung des Haßfurter Stadtrates am Montagabend im Rathaus deutlich. Dort stand als vorletzter Punkt auf der Tagesordnung das Thema "Projekt Hauptstraße 35; Beschluss über die Einleitung eines VGV-Verfahrens mit Planungsvorschlag". Das hört sich kompliziert an, ist es auch und birgt Diskussionsstoff. Bei vier Gegenstimmen beschloss der Stadtrat, dieses VGV-Verfahren einzuleiten. Die große Mehrheit des Gremiums erhofft sich dadurch Erkenntnisse darüber, was mit dem sanierungsbedürftigen Haus, das vor nicht allzu langer Zeit ein Museum mit den Werken des Künstlers Herman de Vries werden sollte, geschehen soll.

Ein VGV-Verfahren ist ein besonderer Prozess für Architekturleistungen. Etwas ganz Neues für Haßfurt. Die Stadt habe ein solches Verfahren noch nie durchgezogen, erläuterte Stadtbaumeister Wolfgang Braun dem Stadtrat.

Der Reihe nach. Die Stadt hatte das Gebäude Hauptstraße 35, das an der Ecke Hauptstraße/Brückenstraße gegenüber dem alten Rathaus mitten in Haßfurt liegt, vor einiger Zeit erworben. Bürgermeister Günther Werner (FW) hatte große Pläne. Es sollte ein "Kunsthaus" werden mit einem Museum für die Werke des in Eschenau lebenden Künstlers Herman de Vries. Von staatlicher Seite winkte eine 90-prozentige Förderung für das Leuchtturmprojekt.

Doch der Haßfurter Stadtrat machte nicht mit und stoppte das Millionenvorhaben. Es waren weniger die Investitionskosten für die Sanierung des Hauses mit der Einrichtung des Museums als vielmehr die jährlich zu erwartenden Betriebskosten, die dem Stadtrat zu hoch erschienen. Aus finanziellen Gründen lehnte das Ratsgremium nach zahlreichen Sitzungen und intensiven Diskussionen das Herman-de-Vries-Kunsthaus ab.

Ein Argument für das Museum mit den Werken des 86-jährigen Künstlers war damals auch, dass die Stadt Gebäude ohnehin sanieren muss und eine neue Nutzung braucht. Warum also nicht das Museum einrichten? Wenn das nicht geschieht, braucht es eine andere Verwendung. Nur welche?

Genau vor dieser Frage steht der Stadtrat jetzt. Um sie beantworten zu können, leitete der Stadtrat am Montagabend dieses VGV-Verfahren ein. Ein Architekturbüro, das mit diesem VGV-Vorgehen vertraut ist, soll eingeschaltet werden. Damit soll eine Art Wettbewerb angestoßen werden, um Vorschläge zu erhalten, wie das Haus genutzt werden kann. Für Bürgermeister Werner ist klar: "Unser Ziel ist eine öffentliche Nutzung."

Es liegen nämlich noch immer Fördergelder bereit, die nicht abgerufen werden konnten, weil das Herman-de-Vries-Museum nicht kommt. Die Regierung von Unterfranken hat geraten, ein VGV-Verfahren einzuleiten, um diese Gelder zu sichern. "Die Zeit wird knapp", drängte der Bürgermeister dazu, den Beschluss zu fassen. Dieser Beschluss sei auch nötig, um eine Förderung für das Verfahren selbst zu erhalten.

Vor allem aus den Reihen der CSU-Stadträte kam Kritik an dieser Vorgehensweise. Vor einem solchen Beschluss müsse sich der Stadtrat erst einmal im Klaren darüber sein, was er mit dem "Kunsthaus" anfangen will, forderten die beiden Räte Joachim Schwach und Michael Spies. Wohin geht die Reise? Was will Haßfurt mit dem Gebäude?, fragten sie. Und sie fragten weiter - wie schon bei der Diskussion um das Museum -, ob sich die Stadt eine weitere öffentliche Einrichtung mit Folgekosten leisten könne.

Schwach und Spies brachten eine weitere Variante ins Spiel: den Verkauf des Gebäudes. Spies zählte mehrere Beispiele von privaten Sanierungen in Haßfurt auf, die er als gelungen darstellte. "Für den Haushalt ist es das günstigste", das Haus zu veräußern, argumentierte er. Die Mehrheit des Stadtrates folgte diesen Argumenten indes nicht und beschloss dagegen das VGV-Verfahren.

Neben dem Thema "Kunsthaus" beschäftigte sich der Stadtrat mit einer Reihe weiterer Themen. Das Gremium genehmigte dem Rot-Kreuz-Kreisverband Haßberge einen Zuschuss in Höhe von 60 900 Euro für den Betrieb des Mehrgenerationenhauses in Haßfurt. Die Förderung, die schon zuvor der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrates empfohlen hatte, ist für das Jahr 2018.

Die Feuerwehr Prappach darf sich einen neuen Mannschaftstransportwagen kaufen. Der Stadtrat billigte die Anschaffung, weil das bisher genutzte Fahrzeug bereits 24 Jahre alt ist und nicht mehr weiter genutzt werden kann. 55 000 Euro kostet das angestrebte Auto. Die Stadt rechnet mit einem Zuschuss in Höhe von 13.100 Euro.

Die Stadt will auf ihren eigenen Flächen auf den Einsatz des krebsverdächtigen Herbizidwirkstoffes Glyphosat verzichten. Der Stadtrat billigte wie schon der Haupt- und Finanzausschuss das Verbot der Substanz bei einer Gegenstimme. Die kam von CSU-Stadtrat Michael Spies. Für ihn ist die Frage der Kontrolle dieser Vorgabe nicht geklärt.

Der Stadtrat brachte das geplante Neubaugebiet "Westlich der Sailershäuser Straße" in Haßfurt weiter voran und beschloss die Planung als Satzung. Im Westen der Kreisstadt soll das neue Baugebiet mit 35 Bauplätzen entstehen. Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Über 70 Anfragen liegen bereits vor, erfuhr der Stadtrat. Für das neue Baugebiet legte der Stadtrat auch den Kaufpreis für die Grundstücke fest. Er liegt laut Beschluss bei 85 Euro pro Quadratmeter (ohne Erschließung). Die Erschließungskosten betragen derzeit gut 40 Euro pro Quadratmeter.