Sand am Main

Was machen eigentlich Winzer über den Winter?

Von wegen Freizeit: Vor allem in den kalten Monaten stehen wichtige Aufgaben an, die die Weinernte beeinflussen. Ein Weinbauer aus Sand erklärt warum.
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Winzer Oliver Gottschalk aus Sand arbeitet in seinem Weinberg im Oberschwappacher Sommertal.  Foto: Jennifer Brechtelsbauer
Winzer Oliver Gottschalk aus Sand arbeitet in seinem Weinberg im Oberschwappacher Sommertal. Foto: Jennifer Brechtelsbauer
Es ist noch kalt und feucht an diesem Tag. Der Wind pfeift durch die Weinstöcke. Mit Skihose, dicker Jacke und Mütze steht Oliver Gottschalk in seinem Weinberg im Oberschwappacher Sommertal. Sorgsam arbeitet er mit einer Schere an seinen Weinstöcken.

"So richtig frei hat man eigentlich nicht", sagt Gottschalk. Der 47-Jährige ist Besitzer eines Weingutes in Sand. Das ganze Jahr über arbeitet Gottschalk für seinen Betrieb. Dreieinhalb Hektar Rebfläche mit elf verschiedenen Rebsorten besitzt der Winzer. Daraus produziert Gottschalk jährlich etwa 23 000 Liter Wein.

"Im Winter bestimmen wir das Tempo", sagt Gottschalk. Ab Ende November beginnt er mit dem Rebschnitt. Dieser Vorgang beeinflusst die Qualität des Weines. Der Rebstock wird auf ein bis zwei Triebe zurückgeschnitten. So kann der Winzer die Qualität steuern, denn je weniger Trauben am Weinstock wachsen, desto geschmacksintensiver wird die Traube und somit auch der Wein. Diese Aufgabe ist in den Weinbergen von Gottschalk Chefsache. "Jeder Winzer hat seine eigene Philosophie", sagt der 47-Jährige. Den Rebschnitt macht Gottschalk komplett alleine. Für seine knapp dreieinhalb Hektar Reb-flächen braucht er etwa 350 Stunden, bis die Arbeit erledigt ist. Das sind fast 45 Arbeitstage.


Rebschnitt ist Grundstein

"Ein fachgerechter Rebschnitt bildet den Grundstein für den späteren Traubenertrag und sorgt, bezogen auf die längere Sichtweise, für den Erhalt von vitalen Rebstöcken beziehungsweise vitalen Weinbergen", erklärt Daniel Heßdörfer vom Institut für Weinbau und Önologie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim. Außerdem wird mit einem fachlich richtigen Rebschnitt die Gefahr von Infektionen mit Pilzen und Bakterien verringert, beschreibt der Fachmann.

Die Arbeit in den Weinstöcken, besonders bei kalten Temperaturen, macht Gottschalk nichts aus. "Wenn einem zu kalt ist, dann bleibt man halt daheim", sagt der Winzer. Im Winter ist der Weinbauer flexibel. Wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, geht er nicht in die Weinberge, ansonsten oft nur einige Stunden .


Alles Handarbeit

"Bei uns geht alles mit der Hand", erklärt Gottschalk. Im Winter wird er noch von zwei Helfern unterstützt, zur Weinernte helfen zusätzlich noch Saisonarbeiter. Ist der Rebschnitt abgeschlossen müssen Gottschalk und seine Helfer die abgeschnittenen Triebe aus den Drähten, an denen sie befestigt waren, herausziehen. Bis Ende März muss dann das Niederziehen der Tragrute abgeschlossen sein. Das bedeutet, dass die stehengelassenen Triebe an ein Drahtseil angebunden werden. "Ab Mai sind wir dann wieder regelmäßig draußen", sagt der Winzer aus Sand.

Neben den Aufgaben in den Weinbergen fallen im Winter noch mehr Arbeiten an, die erledigt werden müssen. "Nach der Weinlese ist der Winzer erstmal im Keller", erklärt Gottschalk. Wenn der Wein vergoren ist, muss er abgestochen werden. Beim "Abstich" wird der Wein von der Weinhefe getrennt. Im Dezember ist der Wein dann soweit fertig, dass er filtriert werden kann. Neben seiner Arbeit in den Weinbergen muss Gottschalk über den Winter,je nach Bedarf, noch den fertigen Wein abfüllen.

Und: Besonders die Büroarbeit bleibt über den Sommer oft liegen. Im Winter kümmert sich Gottschalk um Werbung, neue Preislisten und die Buchhaltung. Außerdem bewirtet er ganzjährig seine Weinstube.

Das Weingut in Sand wird jetzt schon in der dritten Generation betrieben, erzählt Gottschalk. Seine Großeltern hatten damit angefangen, zunächst nur als Nebenerwerb. "Ich hab' den Schritt gewagt. Vom Industriekaufmann zur Selbstständigkeit", sagt der 47-Jährige. Mittlerweile verdient er sein Geld ausschließlich mit dem Weinbau und der Weinstube.


Prognose fürs Weinjahr

Aufgrund der relativ milden Witterung im Winter hatten die Winzer bis jetzt mit noch keinen Schwierigkeiten kämpfen müssen, so Heßdörfer. "Wichtig wird nun die folgende Witterung", sagt der Experte aus Veitshöchheim. Erhöhte Temperaturen in Kombination mit einem schnellen Anstieg der Bodentemperaturen können dazu führen, dass die Reben vorzeitig austreiben und hiermit die Spätfrostgefahr ansteigt, wie im letzten Jahr mit immensen Spätfrostschäden im Weinbau und Obstbau, erklärt Heßdörfer.

Wie die Weinernte in diesem Jahr ausfallen wird, kann weder Gottschalk noch Heßdörfer vorhersagen. Die sibirischen Temperaturen, die Mitte Februar in Franken herrschten, hätten den Pflanzen aber nicht geschadet. Eine Rebe hält bis zu minus 22 Grad aus, erklärt Gottschalk.
Immer wieder pfeift der Wind durch den Weinberg. Mittlerweile ist es noch ungemütlicher geworden. Gottschalk zieht seine Mütze zurecht und widmet sich wieder seinen Weinstöcken.

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