Haßfurt

War 23-Jähriger nur der Fahrer?

Das Amtsgericht Haßfurt versucht, die Rolle eines Mannes bei einer Drogen-Beschaffungstour zu klären.
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So sieht Marihuana aus, wie es bei der Tour nach Nürnberg erworben worden war. Symbolfoto: Christopher Schulz/Archiv
So sieht Marihuana aus, wie es bei der Tour nach Nürnberg erworben worden war. Symbolfoto: Christopher Schulz/Archiv

Wusste der 23-jährige Fahrer eines VW Polo darüber Bescheid, dass sein Mitfahrer geplant hatte, am Zielort ein Kilogramm Marihuana einzukaufen? Oder hat man ihn - wie er behauptet - nur als einfältigen Chauffeur missbraucht? Von der Antwort auf diese Frage hängt für einen jungen Mann viel ab - nämlich, ob er sich der Beihilfe zum Drogenhandel schuldig gemacht hat oder nicht. Obwohl drei Zeugen gehört wurden und andere Strafakten herbeigezogen wurden, ließ sich die Sache bei einem Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt nicht zweifelsfrei aufklären. Deshalb kommt es zu einem Fortsetzungstermin am 28. Januar, zu dem weitere Zeugen geladen werden.

Wie der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift vortrug, führte die Drogen-Beschaffungsfahrt am Nachmittag des 31. Mai 2018 von Zeil aus nach Nürnberg. Im Auto saßen neben dem Angeklagten der Drogeneinkäufer sowie drei junge Damen. Bei einem Zwischenstopp in Bamberg stieg ein weiterer Mann zu. Am Nürnberger Hauptbahnhof suchte der Fahrer einen Parkplatz und die Gruppe trennte sich. Während der Drogeneinkäufer und eine der Damen in die Stadt liefen, speisten die anderen in einem nahe liegenden Fastfood-Restaurant. Nach etwa zwei Stunden trafen sich alle wieder beim Auto. Das Pärchen hatte jetzt eine schwarze Plastiktüte dabei. Mit brisantem Inhalt, wie die Kriminalpolizei ermittelte: Ein Kilogramm Marihuana, für das der Käufer etwa 4000 Euro gezahlt hatte.

Danach ging es wieder zurück in den Haßbergekreis. Der Angeklagte auf der Anklagebank, also der Fahrer, versicherte hoch und heilig, weder vor noch während der ganzen Zeit etwas von dem Drogenkauf gewusst zu haben. Von der Unterhaltung im Auto will er nicht viel mitgekriegt haben, weil ständig laute Musik gelaufen sei. In seiner Einlassung bekräftigte er seine grundsätzliche Ablehnung von Drogen. "Ich bin Muslim und habe noch nie Alkohol oder Drogen konsumiert", beteuerte er. Auch auf Freunde und Bekannte habe er in diesem Sinne Einfluss genommen. "Wenn meine Kumpels besoffen sind, machen sie nur Scheiße", sagte er wörtlich. Er betonte, dass er sogar zweimal die Polizei angerufen habe, als er den verbotenen Drogenkonsum bei Bekannten mitbekommen habe.

Der zuständige Ermittler von der Kriminalpolizei Schweinfurt erläuterte weitere Hintergründe zu dem Fall. Auf hartnäckige Nachfrage des Verteidigers Stefan Wagner erklärte der Beamte, dass lediglich der Drogeneinkäufer in seiner Vernehmung seinen Mandanten als Mitwisser bezeichnet habe. Die anderen Fahrzeuginsassen hätten dazu keine klare Aussage gemacht. Ilona Conver als Vorsitzende des Schöffengerichts ließ dann auch die Behauptung des Angeschuldigten, dass er einige Male die Polizei informiert habe, nachprüfen: Sie schickte den Kriminalpolizisten zur nahen Polizeiinspektion Haßfurt. Als dieser nach einer halben Stunde wiederkam, bestätigte er im Großen und Ganzen die Angaben des Beschuldigten.

Als weiterer Zeuge wurde der damalige Drogeneinkäufer in Fußfesseln von zwei Justizbeamten vorgeführt. Die große Strafkammer am Bamberger Landgericht hat den aus Afghanistan stammenden Mann vor einem knappen Jahr zu einer langen Haftstrafe von mehr als fünf Jahren verurteilt. Bei der damaligen Verhandlung hatte sich herausgestellt, dass der Dealer den hochgefährlichen Stoff auch an Minderjährige verkauft hatte. In Bezug auf den jetzigen Prozess meinte der Häftling, dass der Fahrer vor Beginn der Autofahrt wahrscheinlich keine Ahnung gehabt habe. Allerdings will er nach der Abfahrt laut gesagt haben: "Wir gehen jetzt nach Nürnberg und holen dort ein Kilogramm Gras."

Eine der damaligen Mitfahrerinnen trat als weitere Zeugin auf. Die 17-jährige Jugendliche bestätigte glaubhaft, dass der Angeklagte von seiner Einstellung her Rauschgift und Alkohol ablehne. Sie selber will von dem geplanten Drogeneinkauf erfahren haben, als sie beim Zwischenstopp in Bamberg ausgestiegen sei. Die folgende Zeit im Wagen habe sie sich höchst unwohl in ihrer Haut gefühlt.

Der Staatsanwalt machte keinen Hehl daraus, dass er der Version des Angeklagten keinen Glauben schenkt. Insbesondere deshalb, weil die Blüten des Marihuana "sehr streng riechen." Rechtsanwalt Wagner bezweifelte, dass dies jedem auffallen müsse, zumal wenn der Stoff gut in Plastiktüten verpackt sei.

Strafrichterin Ilona Conver als Vorsitzende des Schöffengerichts sah die Angelegenheit als "noch nicht entscheidungsreif" an. Vor einem Urteil will sie bei dem Fortsetzungstermin Ende Januar weitere Zeugen hören.

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