Gleusdorf
Ermittlungsverfahren

Pflegeskandal in Unterfranken: Wann kehrt in der Seniorenresidenz Gleusdorf Ruhe ein?

Am 24. November 2016 durchsuchten Kriminalbeamte und Staatsanwaltschaft die Seniorenresidenz Gleusdorf im Itzgrund sowie neun weitere Anwesen.
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Genau vor einem Jahr fuhren die Polizeifahrzeuge vor der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf  vor. Die beschlagnahmten Unterlagen wurden in Kleinbusse verladen. Damals lief die Außensanierung  des Denkmals auf vollen Touren. Diese Maßnahme wurde im Verlauf des laufenden Jahres mittlerweile abgeschlossen.  News5/Herse
Genau vor einem Jahr fuhren die Polizeifahrzeuge vor der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf vor. Die beschlagnahmten Unterlagen wurden in Kleinbusse verladen. Damals lief die Außensanierung des Denkmals auf vollen Touren. Diese Maßnahme wurde im Verlauf des laufenden Jahres mittlerweile abgeschlossen. News5/Herse
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Auf den Tag genau vor einem Jahr tauchten die Beamten und Busse der Polizei vor Schloss Gleusdorf im Itzgrund auf. Danach geisterte die Seniorenresidenz als "Horrorheim" bundesweit durch die Medien. Hausdurchsuchungen, Festnahmen. Unterlagen wurde beschlagnahmt. Der Verdacht: Totschlag durch Unterlassen und andere Delikte. Von dubiosen Todesfällen berichteten einstige Mitarbeiter der abgeschirmten Einrichtung, in der Demente, abgebaute Alkoholiker und Drogensüchtige eine Heimstatt fanden. Oftmals von Richtern eingewiesen oder aus Bezirkskliniken überwiesen.

Um die Vorwürfe aufzuhellen, hatten Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft eine mehrköpfige Ermittlungskommission eingesetzt. Es gab Unmengen an Vernehmungen, sogar Exhumierungen. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Ein Ende der Ermittlungen ist nicht absehbar, teilte die Staatsanwalt auf Anfrage mit. Insbesondere warte man auf Gutachten von Sachverständigen.

Die verhaftetet Geschäftsführerin und der Pflegedienstleiterbeiden befinden sich längst wieder auf freiem Fuß. Die Seniorenresidenz erhält seither aber regelmäßig Besuch von Vertretern der Heimaufsicht. Einmal die Woche, wie es aus dem Landratsamt in Haßfurt heißt. Den Heimbewohnern dürfte es besser gehen als die Jahre zuvor.

Zur Erinnerung: Aufgrund zweier Anzeigen und der Berichterstattung im Fränkischen Tag kam es Monate später zu diesem Polizeieinsatz, der neben dem Schloss zeitgleich auch in neun weiteren Anwesen durchgeführt wurde. Eine Großaktion, die im Anschluss sogar zu Exhumierungen führte. Ohne großen Medienrummel erfolgte auch noch eine zweite Durchsuchung des Schlosses. Die Ergebnisse?

"Die Ermittlungen dauern weiterhin an. Insbesondere stehen noch Sachverständigengutachten aus. Wann mit dem Abschluss der Ermittlungen zu rechnen ist, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden", teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft aus Bamberg jetzt auf Anfrage mit. Etwas weiter scheinen die Ermittler aber schon zu sein.


Vom Totschlag abgerückt

Der Vorwurf des Totschlags durch Unterlassen, der den Haftbefehlen zu Grunde gelegen war, wurde aufgrund der Haftbeschwerden der Rechtsanwälte der Beschuldigten vom Landgericht und dem Oberlandesgericht Bamberg nicht mehr aufrecht erhalten.

Auch scheinen die Ermittler der Kripo Schweinfurt, die erst in dieser Woche wieder Vernehmungen vornahm, und Staatsanwaltschaft in anderen Punkten weiter zu sein: So wurden Verfahren gegen Beschuldigte eingestellt, da sich die erhobenen Vorwürfe nicht beweisen lassen, weil sich Zeugen von früher gemachten Aussagen distanzierten oder die angesprochenen Tatbestände nun verjährt sind.
So viel zum Thema strafrechtliche Aufarbeitung. Und wie geht's den Heimbewohnern? "Die ordnungsgemäße Versorgung ist sichergestellt", versichert eine Sprecherin des zuständigen Landratsamts in Haßfurt. "Bis zum Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wird die Einrichtung weiterhin wöchentlich überprüft. Dies erfolgt in Form von Begehungen, Ortseinsichten und telefonischen Beratungsgesprächen." Der Personalschlüssel sei erfüllt. Die Belegungszahl bleibe konstant. Genaue Angaben unterlägen dem Datenschutz. 61 Bewohner waren es laut Transparenzbericht des medizinischen Dienstes (MdK) bei dessen letzter Prüfung im Juli.

Dass es beim Personal in den letzten Monaten mehrere Veränderungen gegeben hat, erfuhr unsere Redaktion aus Mitarbeiterkreisen. Die betreuende Arztpraxis war schon kurz nach dem Polizeieinsatz gewechselt worden.


Gartenteich: genehmigungsfrei

Mittlerweile hat das Landratsamt auch einen Gartenteich kontrolliert, in dem zwei Heimbewohner in den Jahren 2005 und 2013 tot aufgefunden worden waren.

Nachdem eine Kontrolle im Frühjahr wegen einer Eisschicht nicht möglich gewesen war, hat es vor wenigen Tagen kurz vor dem nächsten Winter doch noch geklappt. "Die Größe des Gartenteiches wurde überprüft. Diese liegt weit unter der genehmigungspflichtigen Größe", heißt es dazu aus dem Landratsamt. Im Klartext: weniger als 50 Kubikmeter - obgleich der Heimleiter darin in Taucher-Montur herumstiefelte.

Gartenteiche "normaler Größe" gelten laut Gesetzeskommentar als unbedeutende bauliche Anlagen und seien bis 100 Kubikmeter verfahrensfrei , so die Auskunft aus Landratsamt.
Für Einrichtungen mit Dementen, Senioren oder Behinderten gibt es keine gesonderten Vorgaben.
Der Pflegedienstleiter war Mitte Januar unter Auflagen aus der Untersuchungshaft in Kronach entlassen worden. Bei der Geschäftsführerin war es Ende März so weit.

Die Haftbefehle wurden dann im August aufgehoben. Es stehen aber noch mehrere Tatbestände, wie Misshandlung von Schutzbefohlenen, Medikamenten-Missbrauch, Eigentumsdelikte oder Steuerhinterziehung im Raum.

Die Geschäftsführerin hat mittlerweile ihre Arbeit in der Seniorenresidenz aufgenommen. Ihr gehört zusammen mit dem Heimleiter die Betreibergesellschaft, wobei sich innerhalb der Geschäftsführung aktuell Veränderungen abzeichnen.


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