Fabrikschleichach
Gemeinschaftsprojekt

Waldattraktion im Steigerwald

Eine besondere Veranstaltung zum Deutschen Waldtag fand am "Steinknuck" bei Fabrikschleichach statt: die Eröffnung des Trekkingerlebnisses Steigerwald.
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Den Fitnessparcours probierten einige der Eröffnungsgäste gleich aus. Konzentriert beim Speerwurf sind hier die Landesvorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Tanja Schorer-Dremel, Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner und Rauhenebrachs Bürgermeister Matthias Bäuerlein bei der Eröffnung des Trekkingerlebnisses Steigerwald.Sabine Weinbeer
Den Fitnessparcours probierten einige der Eröffnungsgäste gleich aus. Konzentriert beim Speerwurf sind hier die Landesvorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Tanja Schorer-Dremel, Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner und Rauhenebrachs Bürgermeister Matthias Bäuerlein bei der Eröffnung des Trekkingerlebnisses Steigerwald.Sabine Weinbeer

Das Trekkingerlebnis Steigerwald ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Rauhenebrach, der Bayerischen Staatsforsten, des Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten und vieler weiterer Beteiligter, wie Bürgermeister Matthias Bäuerlein bei der Eröffnung betonte.

"Sie sind wegweisend mit dieser Art, den Menschen einen besonderen Zugang zum Wald zu schaffen", erklärte Tanja Schorer-Dremel, die Landesvorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Für sie war es gar keine Frage, dieses Projekt zu unterstützen, denn bevor sie in den bayerischen Landtag einzog, war sie Grundschullehrerin, und Umweltbildung hat bei ihr einen ganz hohen Stellenwert.

So war es gewissermaßen eine Fügung, dass der Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft Simon Tangerding ist. Der wiederum absolvierte sein Praktikum als geprüfter Forstreferendar im Forstbetrieb Ebrach.

"Ich hatte da schon lange eine Idee, mitgebracht aus eigenen Trekkingtouren in Kanada und Schweden", erklärte Ulrich Mergner den Gästen der Eröffnung. Der Leiter des Forstbetriebs beauftragte den Referendar vor zwei Jahren mit der Aufgabe, ein Trekkingkonzept für den Steigerwald zu entwickeln. Dieses Konzept wurde noch etwas ausgearbeitet, und die ILE-Managerin der "Lebensregion +", Ulla Schmitt, reichte es beim Ministerium ein, als dieses über das Amt für ländliche Entwicklung dazu einlud, Waldattraktionen in jedem Regierungsbezirk zu schaffen.

"17 solche Waldattraktionen haben wir gefördert. Die hier ist die einzige, die fertig ist", freute sich Forsträtin Elena Falk, die gestern das Ministerium vertrat.

Als die Zusage über 100 000 Euro an Fördermitteln eingetroffen war, ging die Arbeit aber erst richtig los. Matthias Bäuerlein galt der Dank dafür, dass die Gemeinde Rauhenebrach die Projektträgerschaft übernahm. Der gab diesen aber gleich weiter, denn Ulla Schmitt war es, die "das Bürokratiemonster" bändigen musste, von den nötigen Ausnahmegenehmigungen nach Naturpark- oder Natura-2000-Richtlinie bis zur "abwasserrechtlichen Würdigung der Klo-Häuschen". Und das Ganze in drei Landkreisen, denn die Plätze liegen im Landkreis Haßberge, Schweinfurt und Bamberg.

Eine Besonderheit: zelten im Wald

Trekking in dieser Form ist eine Besonderheit. Eigentlich ist es in Deutschland nicht erlaubt, mitten im Wald ein Zelt aufzuschlagen, geschweige denn ein Feuer zu machen.

Auf zehn Plätzen zwischen Sand am Main und Geiselwind geht es jetzt - nach vorheriger Buchung über die App. Mit 4,80 Euro je Nacht und Person erwirbt man die nötigen Ausnahmegenehmigungen. Die App bietet Runduminformation über die Strecken, die Plätze, bis hin zur Packliste für den Rucksack, wie Simon Tangerding erklärte.

Ein gekennzeichneter Platz, ein Plumpsklo, ein Betonring als Feuerstelle - das ist die Minimalausstattung. Einige Plätze haben auch eine Hütte - alle jedoch sind waldpädagogisch ergänzt. Das übernahm Kathrin Schafhauser von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, unterstützt vor allem durch Ulli Aumüller und Katrin Remmele in Rauhenebrach und von vielen Jugendgruppen, die sich in die Gestaltung der Plätze einbrachten. So gestalteten die Pfadfinder aus Gerolzhofen den Kelten-Platz bei Sand, es gibt einen Platz mit Traumfängern und Waldgeistern oder auch den bei Fabrikschleichach, der unter dem Motto "Wald und Gesundheit" mit einem naturnahen Fitnessparcours ausgestattet wurde. Elf Jungs der Jugendhilfe Pfaffendorf waren hier eine Ferienwoche lang aktiv und haben eine enge Beziehung zu dem Platz hergestellt, wie Schafhauser erklärte.

Ein großer Dank von Ulrich Mergner galt auch den Revierleitern, die mit viel Bedacht die richtigen Plätze ausgewählt hatten, und Forstwirtschaftsmeister Richard Engert, der mit seinem Team und dem Gemeindebauhof sowie örtlichen Unternehmen die Plätze anlegte.

"Rücksicht aufeinander nehmen"

Ein tolles Ergebnis interkommunaler Zusammenarbeit sei das Trekkingerlebnis, betonte Bürgermeister Matthias Bäuerlein. Die Staatsforsten würden damit die Intention des Waldgesetzes umsetzen, stellte Ulrich Mergner fest: "Der Staatswald dient dem allgemeinen Wohl in besonderer Weise", steht da festgeschrieben. Das tue der Forstbetrieb Ebrach zum einen durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen zur Sicherung der Waldartenvielfalt im Trittsteinkonzept und durch die Förderung der Erholungsfunktion durch Themenwege, Informationspavillons und Wanderwege. Das Ganze gelte es zu kombinieren mit dem Auftrag der Holzerzeugung. Um das alles unter einen Hut zu bekommen, müssten die verschiedenen Nutzer des Waldes Rücksicht aufeinander nehmen, bat Mergner. Das gelte auch einmal für einen Umweg für Wanderer im Zusammenhang mit der Holzernte.

Gerne hätten die Staatsforsten auch die Verkehrssicherungspflicht für die Trekkingplätze übernommen. Was so rein bürokratisch klingt, wäre ein k.o-Kriterium gewesen: "Ohne diese Zusage hätten die 100 000 Euro vom Amt für ländliche Entwicklung gar nichts genützt", erklärte Simon Tangerding.

Wo kann man das Trekkingerlebnis Steigerwald buchen?

App Seit dem 1. August ist die App freigeschaltet. 45 Buchungen liegen bis in den Oktober hinein bereits vor. Touren Unter www.trekking-bayern.de sind auch die Touren im Steigerwald zu finden. Buchungen Buchbar sind die Plätze unter www.trekkingerlebnis.de. Dort gibt es auch viele Hinweise zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke und den Besonderheiten der Landschaft und der jeweiligen Plätze - und die Regeln, die es einzuhalten gilt, etwa bezüglich Müll oder Lagerfeuer, damit möglichst viele dieses besondere Naturerlebnis uneingeschränkt genießen können.



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