Laden...
Bergrheinfeld
Debatte

Vorsitzende der IG Niere über Organspende:"Das Problem liegt in den Kliniken"

Für ihr Engagement hat Hannelore Seitz die Bundesverdienstmedaille erhalten - hier erklärt sie die wichtigsten Fakten zur Organspende.
Artikel drucken Artikel einbetten
Hannelore Seitz
Hannelore Seitz

Als Organspender kommen nur Menschen infrage, die im Krankenhaus sterben - und von ihnen nur etwa ein Prozent. "Nach deutschem Recht dürfen Organe nur entnommen werden, wenn der Hirntod eingetreten ist", erklärt Hannelore Seitz. Die 66-Jährige ist Vorsitzende der Interessengemeinschaft IG Niere Schweinfurt/Haßberge und wurde für ihr Engagement mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet. Sie appelliert an die Menschen, den Tod nicht zu verdrängen: "Man sollte überlegen, wie man sterben und ob man Organe spenden will."

Was ist der Tod?

Steht das Herz still, kann der Mensch wiederbelebt werden. "Ein Hirn kann man nicht reanimieren." Hat es keine Funktion mehr, gibt es auch kein Zurück. "Natürlich arbeiten da noch Zellen: Manchmal wachsen noch Fingernägel, wenn sich schon Leichenflecken gebildet haben", sagt Seitz. "Aber wenn das Hirn nicht mehr da ist, ist das nicht mehr der Mensch, der uns Radfahren gelehrt oder uns beigebracht hat, was Liebe ist. Es ist ein Körper." Hat der Mensch zu Lebzeiten verfügt, dass er Organe spenden möchte, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen.

Der Ausweis

"Einen Organspendeausweis bekommt jeder Versicherte alle zwei Jahre von seiner Krankenkasse zugeschickt." Außer bei den Kassen gibt's ihn bei vielen Ärzten, in Apotheken und im Internet zum Ausdrucken (z.B. bei der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung und der IG Niere). "Man kann auch eintragen, wenn man kein Spender sein oder bestimmte Organe ausschließen möchte." Wer seine Meinung ändert, soll den alten Ausweis zerschneiden und auf einem neuen festhalten, was er möchte. "Unterschrift und Datum dazu und den Angehörigen Bescheid geben." Den Ausweis am besten zusammen mit der Krankenkassenkarte aufbewahren. Seitz weist außerdem auf die Bedeutung der Patientenverfügung hin: Darin kann man beispielsweise festlegen, dass man keine lebensverlängernden Maßnahmen möchte, wenn man im Sterben liegt - ausgenommen bei Organspende.

Der Skandal schadete der Spendenbereitschaft - kurzzeitig

Vor etwa fünf Jahren sank die Spendenbereitschaft wegen eines Skandals: Es war herausgekommen, dass Ärzte ihre Patienten kränker gerechnet hatten, als sie waren, damit sie auf der Warteliste vorrückten. Umfragen zufolge ist die Spendenbereitschaft inzwischen aber wieder sehr hoch. Doch die Transplantationszahlen bleiben schlecht. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will das mit der doppelten Widerspruchslösung ändern: Wer zu Lebzeiten nicht widerspricht, wird als Spender angesehen. Dann können die Angehörigen noch widersprechen.

"Das setzt die Menschen in einer schwierigen Situation unnötig unter Druck", findet Seitz. Es sei ausreichend, wenn jeder wie bisher entscheiden kann, ob und was er spenden will.

Das Problem sieht sie vor allem in den Kliniken. Organ-Entnahme ist für ein Krankenhaus wenig lukrativ, aber sehr aufwendig: Geräte müssen weiterlaufen, ein OP-Saal freigehalten werden. "Die Rahmenbedingungen müssen verbessert und die Transplantationsbeauftragten gestärkt werden." Oft werde ein Hirntod gar nicht gemeldet. "Weil die Zeit fehlt oder der normale Arzt es im Stress schlicht vergisst."