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Mobilität

Vorreiter auf dem Land: Erstes wasserstoffbetriebenes Auto in den Haßbergen

Thomas Hümmer hat das erste wasserstoffbetriebene Auto im Landkreis Haßberge zugelassen. Er ist überzeugt: Elektro-Autos können damit nicht mithalten.
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Ein Traum geht in Erfüllung: Thomas Hümmer bringt das neue Kennzeichen an sein wasserstoffbetriebenes Auto an. privat
Ein Traum geht in Erfüllung: Thomas Hümmer bringt das neue Kennzeichen an sein wasserstoffbetriebenes Auto an. privat
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Elektroautos sind in den Großstädten keine Seltenheit mehr, auch auf dem Land werden immer mehr Elektrotankstellen errichtet. Thomas Hümmer geht einen Schritt weiter und nimmt damit eine Pionierrolle ein: Er fährt nämlich mit einem wasserstoffbetriebenen Auto durch die Region! Vor kurzem hat er das emissionslose Fahrzeug in der Zulassungsstelle des Landratsamtes angemeldet - es ist das Erste seiner Art im Landkreis, das bestätigt Michael Rahn vom Landratsamt.

Wie kam er auf die Idee?

Sich eines Tages ein solches Auto zuzulegen, das habe er schon lange im Hinterkopf gehabt: "Vor zwei Jahren war die Tankstellendichte aber noch nicht so da, jetzt hat sich die Lage entspannt." Auch konnte er das Auto vergleichsweise günstig für 25 000 erwerben. Der Anschaffungspreis für ein neues Auto liegt bei etwa 66 0000 Euro. Der Haßfurter fährt rein regenerativ und daher bis 2026 steuerfrei.

Das Interesse an regenerativen Energien kommt nicht von ungefähr: Thomas Hümmer ist Geschäftsführer der Gemeindewerke Oberhaching, "zu vergleichen mit den Stadtwerken". "Regenerative Versorgung für Oberhaching ist unser Ziel, dazu zählt Geothermie, Ökostrom und flächendeckende Glasfaser." Er arbeitet in München und fährt am Wochenende nach Hause - mit einem Elektroauto wäre das nicht denkbar.

Elektro oder Wasserstoff?

"Das Elektroauto ist auf den ersten Blick gut, hat aber einige Nachteile", so Hümmer. Geringe Reichweiten, lange Ladezeiten, Stromzufuhr, umweltbelastende Rohstoffe - das gibt es im Gegensatz dazu bei einem wasserstoffbetriebenem Auto nicht.

"Ich will Elektroautos nicht verteufeln, sie haben durchaus ihre Berechtigung für Menschen, die wenig mit Auto fahren müssen. Aber wenn ich von Haßfurt jeden Tag nach Ebern fahren muss, dann muss ich am zweiten Tag mein Auto über Nacht laden. Außerdem kann man mit ihnen nicht in den Urlaub fahren", erklärt er. "Das dümmste, was passieren kann, ist, dass man im Winter im Stau steht und Heizung und Licht laufen lässt. Dann kommt man vielleicht gar nicht mehr runter von der Straße." Zudem stellt sich bei Mietern die Frage: "Wie soll ich das Auto nutzen?" Denn für die Nutzung bräuchten sie eine E-Garage.

Wasserstoff kann hingegen selbst erzeugt werden, wenn es einen Stromüberschuss gibt. "In Mainz zum Beispiel wird momentan eine Omnibusflotte umgerüstet, der Wasserstoff wird selbst hergestellt." Durch eine Tankpistole gelangt der Wasserstoff dann aus einem Druckbehälter in das Fahrzeug - nach etwa drei Minuten ist der Tankvorgang beendet. Preislich kostet ein Kilogramm etwa 9,50 Euro - das macht rund 50 Euro pro Tankfüllung. Das Tanken ist einfach: "Es ist wie bei einer Betankung mit Benzin oder Diesel", sagt Hümmer. Vielmehr ist es problematisch, eine Tankstelle zu finden.

Teufelskreis: Tankstellennetz

Bis Ende 2018 soll es 100 Wasserstofftankstellen in Deutschland geben. In den Großstädten ist eine Nutzung der Wasserstoffautos durch ein gutes Netz möglich, auf dem Land ist es noch schwierig. Hümmer kann die Tankstellen entlang der Wegstrecke nach München nutzen. "Würde ich nur im Landkreis wohnen, müsste ich bis nach Geiselwind fahren, um zu tanken." Das käme für ihn nicht in Frage. Im Vergleich dazu gibt es für Elektroautos, laut Michael Rahn, 16 Ladestationen mit 39 Ladepunkten im Landkreis.

Für Norbert Zösch, Geschäftsführer der Stadtwerke Haßfurt, wäre auch eine Wasserstofftankstelle im Landkreis vorstellbar: "Bei uns wäre es am Rastplatz in Knetzgau denkbar, eine Wasserstofftankstelle zu errichten. Den Wasserstoff erzeugen wir in Haßfurt bereits selbst, die Technik ist soweit verfügbar." Allerdings gibt es ein Problem: "Im Moment ist es finanziell für kleine Konzerne nicht möglich, den Wasserstoff in 500-Bar-Druck für die Betankung zu bekommen. Das rentiert sich wirtschaftlich für so wenig Fahrzeuge nicht."

Solange die Nachfrage nach Wasserstoffautos nicht steigt, werden kaum mehr Tankstellen, besonders nicht im ländlichen Raum, errichtet. Im Umkehrschluss, so Hümmer, kaufen die Leute kein Auto, für das es nur beschränkt Tankmöglichkeiten gibt. "Das ist ein Teufelskreis. Knackpunkt ist das Tankstellennetz", sagt er. Wenn dieser Kreislauf durchbrochen ist, "wird der Anschaffungspreis günstiger und es gibt irgendwann eine Gebrauchtwarenbörse". Auf dem Land würden dann auch mehr emissionsfreie Autos fahren.

"Die Technik per se ist ausgereift. Die Fahrzeugflotte lässt sich mit wasserstoffbetriebenen Autos gänzlich ersetzen. ", sagt er. In großen Städten nimmt diese Entwicklung bereits Fahrt auf: Viele Taxiunternehmen rüsten beispielsweise um, was auch daran liegt, dass den emissionsfreien Fahrzeugen keine Fahrverbote drohen.

Große Reichweite, kurze Befüllungszeit, geräusch- und emissionsfreier Gebrauch, Steuervergünstigungen und keine Fahrverbote: "Das ist keine Zwischenlösung, sondern das ist die Lösung. Das ist das Auto", sagt Hümmer. Auch Norbert Zösch ist von der Technologie begeistert und ist sich sicher: "Irgendwann wird an jeder Tankstelle der Wasserstoff den jetzigen Sprit ersetzen." Die Entwicklung müsse nur stetig weiter gehen. Thomas Hümmer meint: "Es steht und fällt eben mit dem Tankstellennetz."



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